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Hannover 5800 Quadratmeter Kalkmagerrasen werden umgesiedelt
Nachrichten Hannover 5800 Quadratmeter Kalkmagerrasen werden umgesiedelt
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14:17 12.04.2018
„Wie eine Arche Noah seltener Arten“: Gutachter Karsten Poschadel (li.) und Projektleiter Stefan Knuffmann. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

 Nahe der Stadtbahn-Endhaltestelle Expo-Süd hat die Stadt begonnen, eine 5800 Quadratmeter große Fläche Kalkmagerrasen umzusiedeln. Sie ist nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt: Auf dem Dach eines ehemaligen Wasserbehälters der Stadtwerke haben sich über Jahrzehnte Pflanzen gehalten, die inzwischen als bedroht oder sogar als regional ausgestorben gelten, darunter etwa das blaugrüne Labkraut, Salbei und das wunderschön blühende Bienen-Ragwurz. Grund für das rund 150.000 Euro teure Projekt ist die geplante Erweiterung des Expo-Baugebiets Kronsberg um Tausende Wohnungen.

„Eigenwillig wie eine Insel“ sei das Biotop, sagt Projektleiter Stefan Knuffmann von der städtischen Grünflächenverwaltung. „Quasi eine Arche Noah besonderer Arten“ habe man vorgefunden, sagt Gutachter Karsten Poschadel, der das Projekt begleitet. Viel sei von Insektensterben die Rede – das Bewahren von Magerkalkbiotopen sei ein Beitrag, um regionalen Pflanzen- und Tierarten das Überleben in ihren eigenen Naturräumen zu sichern.

Der Wasserbehälter am Südwesthang des Kronsbergs war in den Zwanzigerjahren von den Stadtwerken angelegt worden. Auf dem Dach hatten die Arbeiter als Wärmedämmung und Schutz den für die Region typischen, kalkhaltigen Erdaushub aufgebracht. Weil er im Gegensatz zu den meisten landwirtschaftlichen Flächen nie gedüngt wurde, zugleich aber jährlich eine Rasenmaht erfolgte, um Sträucher und Bäume fernzuhalten, konnte sich eine Naturlandschaft erhalten, die der Ursprungslandschaft im östlichen Hannover entspricht. „Im Sommer ist es ein herrliches Blütenmeer, das Wildbienen und Schmetterlinge anzieht“, sagt Knuffmann. 

Jetzt kratzen Bagger die oberste Schicht ab. Landschaftsgärtner bringen die Grassoden auf eine etwa einen Kilometer entfernte Fläche am Südostrand des Expo-Stadtteils. Dort sollen die Kräuter auf einer neu vorbereiteten Parkfläche weiter gedeihen. Als Untergrund wird wieder Kalkboden verwendet, um eine möglichst natürliche Umgebung herzustellen. Die Arbeiten dauern den gesamten Monat April.

Die letzte Umsiedlung geschützter Pflanzen in Hannover war kein großer Erfolg: Die Stadt hatte versucht, ökologisch wertvolles Ritzenkraut vom Klagesmarkt zum Schützenplatz umziehen zu lassen. Es entfaltete sich dort jedoch nicht. Projektleiter Knuffmann ist zuversichtlich, dass es diesmal besser klappt. Man habe bereits im vergangenen Sommer Samen auf dem Wasserbehälter gesammelt und sorge jetzt mit der Herstellung des Untergrunds dafür, optimale Anwachsbedingungen zu schaffen. Weil das Bundesnaturschutzgesetz das Zerstören von Biotopen verbietet, musste die Stadt den Umsiedlungsplan mit der Region als zuständiger Naturschutzbehörde abstimmen. Das Projekt soll über mehrere Jahre wissenschaftlich begleitet werden. 

Von Conrad von Meding

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