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Hannover Investor plant neunstöckiges Gebäude am Steintorplatz
Nachrichten Hannover Investor plant neunstöckiges Gebäude am Steintorplatz
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00:16 11.09.2018
Ausladende Fenster, verschachtelte Formen: Das geplante Gebäude wird die Ostseite des Steintorplatzes merklich verändern. Quelle: Schneider+Schumacher (Entwurf)
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Hannover

Als „Kariesplatz“ mit Zahnlücken wurde Hannovers Steintorplatz in der laufenden Bürgerbeteiligung zur Platzgestaltung mehrfach tituliert, weil seine Ränder von halbhohen Bausünden aus der Nachkriegszeit geprägt sind. Nachdem eine lange diskutierte Bebauung des Platzes selbst wohl endgültig nicht kommt, gibt es jetzt neue Pläne für die Ostseite: Hannoversche Projektentwickler haben das flache Eckgebäude zwischen Steintor- und Reitwallstraße gekauft, wollen es abreißen und dort einen Neubau errichten. Bisher gibt es nur eine Projektstudie, aber schon jetzt deutet sich an: Diese Architektur wird Aufmerksamkeit erregen – und kann polarisieren.

„Die Details der Fassadengestaltung stehen noch nicht fest“, sagen Maximilian Schoen und Till Rathmann vom Unternehmen Schramm & Schoen. Angesichts prominenter Bauwerke in der Nachbarschaft wie Anzeiger-Hochhaus oder Gehry-Tower aber habe sich in der Abstimmung mit der Stadtplanung herausgeschält, dass ein besonderer Entwurf für diesen Ort nötig sei. Beauftragt ist der Architekt Michael Schumacher vom Frankfurter Büro Schneider+Schumacher, der an der Architektur-Fakultät der Leibniz-Uni das Institut für Entwerfen und Konstruieren leitet. .

In den hohen Erdgeschossräumen sind Geschäfte und Gastronomie vorgesehen. Darüber sind Büros, ein Hotel oder auch Wohnnutzungen möglich, wobei die Stadt wieder Rotlichtnutzungen ausschließen wird wie bei der Marstall-Bebauung. Die Obergeschosse zeigen eine ungewöhnliche Boxenarchitektur: zwischen der zeittypisch-schmalen Fassadengliederung mit hohen, schmalen Fenstern ragen Räume mit ausladenden Fensterflächen hervor. In Teilen des Erdgeschosses können sich die Projektentwickler ein Lebensmittelgeschäft vorstellen, das sich auch auf das Untergeschoss erstreckt. „Lebensmittelhandel fehlt völlig in diesem Bereich der Innenstadt“, sagt Rathmann.

Der Entwurf sei „verspielt, da werden die Leute drüber reden“, ist Schoen sicher. Es habe mehrere Vorentwürfe und Ideen gegeben, am Ende habe sich der von Schumacher als der beste erwiesen.

Jahrelang hatten sich verschiedene Investoren daran versucht, den gegenüberliegenden sogenannten Nordmannblock an der gleichnamigen Passage zu erwerben und dort einen Neubau statt der trostlosen Nachkriegsarchitektur zu entwickeln. Alle scheiterten an der komplizierten Eigentümerstruktur. Schramm & Schoen hatten Glück bei ihrem Projekt auf der anderen Platzseite: Das Gebäude war im Besitz einer Erbengemeinschaft und jahrzehntelang lukrativ vermietet an eine Spielhalle, deren Konzession auslief. Ohne Mieter stieg die Bereitschaft der Erbengemeinschaft, die Immobilie zu verkaufen, und auch eine Nachbarin verkaufte ein kleines Eckgrundstück, so dass jetzt ein Abriss auf dem Areal möglich ist und der Neubau entstehen kann. Etwa 40 Millionen Euro werde das Projekt kosten, schätzt Schoen. Weil der Bebauungsplan geändert werden muss, ist mit einer Fertigstellung erst 2022 zu rechnen.

Nachdem es jahrelang Streit um eine Bebauung auf dem Platz selbst gab – derzeit läuft eine Bürgerbeteiligung zur Platzgestaltung – begrüßt Stadtbaurat Uwe Bodemann, dass es bei der Randbebauung des Platzes nun vorangeht. Im derzeit laufenden Bürgerbeteiligungsprozess zur Platzgestaltung sei „deutlich wahrzunehmen, dass die Ränder bei der Gestaltung eine große Rolle spielen“.

Von Conrad von Meding

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