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Hannover 164 Wohnungen entstehen auf Landesfrauenklinik
Nachrichten Hannover 164 Wohnungen entstehen auf Landesfrauenklinik
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13:00 08.11.2018
Nordstadt

 Der Verkauf von Wohnungen in der ehemaligen Landesfrauenklinik am Herrenhäuser Kirchweg ist angelaufen. Insgesamt 164 Wohnungen entstehen auf dem historischen Gelände mit altem Baumbestand, 137 Eigentumswohnungen bietet der Immobilienentwickler BPD an. Gleich drei Architekturbüros planen die Umgestaltung der Altbauten, allen voran das Klinikhauptgebäude, sowie fünf Neubauten: Winking-Froh aus Hamburg (Altbau), Riemann aus Lübeck und Thüs Farnschläder aus Hamburg. Um die Vermarktung des Areals kümmert sich die Thomas Klinke Immobilien GmbH. Die Arbeiten an Alt- und Neubauten starten parallel im Frühjahr 2019. Die Fertigstellung ist für Ende 2021 geplant.

Das denkmalgeschützte Hauptgebäude der Klinik stammt von 1903, seine Vorgeschichte reicht deutlich weiter zurück. König Georg III. erlaubte 1781 die Gründung einer Hebammenlehranstalt, allerdings an anderer Stelle. Nach seiner Frau Sophie Charlotte nennt BPD das Quartier jetzt „Charlottes Garten“. Zwischen 1960 und 1980 wurde jedes vierte Kind in der damaligen Landesfrauenklinik geboren. Zum Gelände gehören neben dem klassizistischen Zentralgebäude auch die ehemalige Direktorenvilla und eine frühere Kapelle. Anbauten aus der Nachkriegszeit sollen nun verschwinden. Unter den Neubauten entsteht eine Tiefgarage, auch für Eigentümer der Wohnungen im Altbau. In der Garage sind Anschlüsse für E-Fahrzeuge geplant.

Die zur niederländischen Rabobank gehörende BPD hatte das Grundstück zum Höchstgebot von 15,5 Millionen Euro von der Region Hannover erworben, eine hochpreisige Vermarktung war deshalb zu erwarten. Besonders hoch liegt der Verkaufspreis für Wohnungen im historischen Gebäude der Hauptklinik: Manche Wohnungen kosten gut 7300 Euro pro Quadratmeter. Die Immobilienentwickler argumentieren mit hohen Decken, historisch nachempfundenen Fenstern und dem „besonderen Flair“.

Der Preis für eine Eigentumswohnung im Neubau kann je nach Lage teils 5400 Euro pro Quadratmeter betragen. Die Größe der Neubauwohnungen reicht von 48 bis 187 Quadratmetern (im Penthaus, das für rund eine Million Euro zu haben ist).

Anders als beim Verkauf eigener Grundstücke hatte die Stadt keine Quote für Sozialwohnungen festgelegt. Bei manchen Bauprojekten liegt sie bei 25, zukünftig sogar bei 30 Prozent. Auf dem attraktiven, uninahen Areal zwischen Haltenhoffstraße und Herrenhäuser Kirchweg entstehen neben 137 Eigentumswohnungen nun aber auch 27 geförderte Mietwohnungen mit Mietpreisbindung. Diese Wohnungen sollen 40 bis 95 Quadratmeter groß sein und werden nicht frei vermarktet. Die Firma BPD hat das städtebauliche Konzept für das Wohnquartier in enger Abstimmung mit der Stadtplanung und dem Landesamt für Denkmalpflege entwickelt.

Kommentar: Die Mischung macht´s

Es gibt unbestreitbar Bedarf an bezahlbarem Wohnraum in der Nordstadt. Doch der Trend geht in eine andere Richtung. In der ehemaligen Landesfrauenklinik entstehen vor allem Eigentumswohnungen im höheren Preissegment. Auch Mieter, die bisher noch günstig wohnen, haben Grund zur Sorge. Investoren kaufen ganze Häuser auf, um sie gewinnbringend in Eigentumswohnungen umzuwandeln oder mehr Miete zu kassieren. Aktuelles Beispiel ist eine Hausgemeinschaft in der Fliederstraße, der nach der angekündigten Sanierung aller Voraussicht nach drastische Mieterhöhungen bevorstehen. Mit einer Demonstration wollen die Mieter Sonnabend ab 14 Uhr an der Lutherkirche auf das Problem aufmerksam machen.

Dass es auch anders geht, zeigt die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen, die im Stadtteil Burg ein Bauprojekt mit preiswerten Wohnungen verwirklicht. Dafür fehlen in der Nordstadt inzwischen Bauplätze. Bisher steht der Stadtteil für einen vielfältigen sozialen Mix aus Menschen mit ganz unterschiedlich hohem Einkommen. Nähe kann zu gegenseitigem Verständnis führen. Diese Mischung lässt sich nur erhalten, wenn auch Nachbarn mit schmalerem Geldbeutel sich die Nordstadt noch leisten können.

Von Bärbel Hilbig

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