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Hannover Stadt findet nur mit Mühe Betten für Obdachlose 
Nachrichten Hannover Stadt findet nur mit Mühe Betten für Obdachlose 
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12:10 24.02.2018
Etwa 400 Menschen leben in Hannover auf der Straße – Tendenz steigend. Gerade im Winter ist die Not groß. Quelle: dpa
Hannover

 Die Wohnungs- und Obdachlosigkeit nimmt stark zu – auch in Hannover. Die Stadt reagiert nun auf den erhöhten Bedarf in dem sie Asylbewerberheime für Obdachlose und wohnungslose Familien öffnet. Dadurch sollen 350 neue Plätze entstehen. „Kein Bett soll leer bleiben“, sagte Marc Schalow, Unterkunftskoordinator im Bauamt, der derzeit die Bezirksräte über die Planung informiert. 

2016 gab es in Deutschland nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe 860 000 Menschen ohne eigene Wohnung. Für 2017/18 wird mit einem weiteren Anstieg um 350 000 Menschen auf 1,2 Millionen Wohnungslose gerechnet. Ein Trend, der auch in Hannover spürbar wird. Die Stadtverwaltung geht von derzeit 4000 Wohnungslosen aus, die bei Freunden unterkommen oder in städtischen Einrichtungen leben – Tendenz steigend. Denn diese Zahl soll sich laut Stadt jedes Jahr um zehn Prozent erhöhen. Von den Wohnungslosen sind in Hannover 400 obdachlos, leben auf der Straße.

Gerade bei den niedrigen Temperaturen steigt die Not. „Wir sehen immer mehr Menschen, die jetzt noch draußen auf der Straße und unter Brücken schlafen. Das ist eine neue Entwicklung“, sagt Diakoniepastor Müller-Brandes. „Auch im Rückzugsraum ,Kompass’ am Raschplatz begegnen wir sie täglich“, ergänzt er. Die Diakonie betreibt die Anlaufstelle, die seit der Öffnung vor einigen Wochen oft voll ist. 

Für die Stadt bedeutet das: Sie muss mehr Unterkünfte zur Verfügung stellen. Dazu ist sie auch gesetzlich verpflichtet. Um der erhöhten Nachfrage gerecht zu werden, hat die Verwaltung bereits im Januar das ehemalige Hotel Flamme hinter dem Raschplatz und einen ehemaligen Möbelmarkt in Vahrenwald für Wohnungslose geöffnet. Beide Orte dienten zuvor als Wohnheime für Flüchtlinge. Auch im Containerdorf auf dem Waterlooplatz sind 70 Plätze für Menschen ohne Bleibe reserviert. Die dort noch verbliebenen Flüchtlinge sollen in den nächsten Wochen ausziehen und auf andere Heime verteilt werden.

Nun sollen weitere Unterkünfte dazukommen. In Kleefeld wird die Flüchtlingsunterkunft am Annateich im Laufe des Jahres in ein Heim für wohnungslose Familien umgebaut. In Misburg will die Stadt das Flüchtlingsheim Am Seelberg zu einer Obdachlosenunterkunft mit 30 Plätzen umfunktionieren. 

An der Podbi 115 hatte die Stadt zwar ein Heim für Flüchtlingsfamilien geplant, die Zuschnitte der Wohneinheiten sind daher auch für wohnungslose Familien geeignet. Nach einem geeigneten Betreiber werde gesucht. In Ahlem soll auch Am Bahndamm eine Unterkunft zur Verfügung stehen, heißt es von der Stadt. 

Es gebe aber weiterhin einen akuten Bedarf an zusätzlichen Unterbringungskapazitäten für Obdachlose. Deshalb schlägt die Verwaltung vor, weitere Flüchtlingsunterkünfte umzufunktionieren. Eine entsprechende Regelung werde den Bezirksräten in kürze vorgelegt. 

„Das bedeutet nicht, dass das Thema Flüchtlinge vorbei ist“, sagte Unterkunftskoordinator Schalow in der jüngsten Sitzung des Stadtbezirksrates Vahrenwald-List. Er rechne damit, dass deren Unterbringung die Stadt weiter beschäftige. „Wir haben einfach einen enormen Bedarf.“

Kältebus in Frankfurt, Pensionen in Stuttgart

Städte wie Frankfurt am Main und Stuttgart haben bereits auf die zunehmende Obdachlosigkeit reagiert. In Frankfurt leben nach Angaben des Sozialdezernats rund 2700 Menschen, die keine Wohnung haben. Sie sind in Übergangsunterkünften und Hotels untergebracht. Für die etwa 250 Obdachsolen, die in der Stadt leben, ist im Winter jede Nacht der Kältebus unterwegs, versorgt sie auf der Straße und zählt sie. Zudem öffnet die Stadt im Winter nachts die B-Ebene der Hauptwache. Dort finden Obdachlose ein Platz zum Schlafen.

In Stuttgart ist die Zahl der Menschen, die in Fürsorge- und Notunterkünften sowie in Pensionen untergebracht werden müssen, erheblich gestiegen: von 1789 in 2010 auf 2102 in 2017. Insgesamt sind dort aber  schon 3929 Menschen in Angeboten der Wohnungs-Notfallhilfe, darunter 2102 in Sozialpensionen oder Fürsorgeunterkünften, untergebracht. Für die etwa 50 bis 80 Obdachlosen ist eine zentrale Notübernachtung mit 50 Plätzen ganzjährig geöffnet.

Von Andrea Brack Peña

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