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Hannover Wie sinnvoll sind die Auflagen beim Osterfeuer?
Nachrichten Hannover Wie sinnvoll sind die Auflagen beim Osterfeuer?
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00:17 06.04.2018
Auch im Stadtteil Vahrenheide / Sahlkamp brannten die Osterfeuer lichterloh. Quelle: Foto: Kutter
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Hannover

 Die Osterfeuer in Hannover und im Umland haben am Wochenende viele Menschen erfreut, aber auch besonders viel Rauch verursacht. „Der Regen zuvor hat das Holz durchnässt“, sagt Uwe Jankowski, Vorsitzender des TuS Vinnhorst, der ein Osterfeuer für den nördlichen Stadtteil ausgerichtet hat. Zeitweise hätten die Menschen auf der anderen Seite des Kanals regelrecht im Nebel gestanden. Manche Osterfeuer-Betreiber fragen sich jetzt, warum sie frisch geschnittene Zweige zuvor mühsam aus dem Holzhaufen aussortiert haben. Hannovers Stadtverwaltung schreibt vor, dass nur trockenes Brennmaterial verwendet werden dürfe, um eine umweltschädliche Rauchentwicklung zu vermeiden. 

Die Liste der Auflagen für Hannovers Osterfeuer ist lang. Es dürfen nur trockene, unbehandelte Äste und Stämme verbrannt werden. Noch biegsame Zweige sind verboten, ebenso Äste mit Blättern sowie Gartenabfälle. Auch Papier, Holzpaletten und Holzkisten haben auf dem Osterfeuerhaufen nach Ansicht der Stadt nichts zu suchen. „Sollte aufkommender Wind oder entstehende Rauchentwicklung den Straßenverkehr oder die Nachbarschaft gefährden oder belästigen, ist das Feuer sofort zu löschen“, heißt es im Regelwerk der Stadt. 

Gesammeltes Holz von Kleingärtnern

Etliche Vereine kümmern sich ehrenamtlich jedes Jahr um ein Osterfeuer für ihren Stadtteil. „Die Auflagen gibt es schon seit Jahren, wir haben uns darauf eingestellt“, sagt Reinhard Schwitzer, Vorsitzender der Sportgemeinschaft von 1874 in der Nordstadt. Das nötige Holz bekomme er von den benachbarten Kleingärtnern. „Die wissen, dass sie keinen Frühjahrsschnitt anliefern dürfen“, sagt er. Und wenn sich doch einmal frische Zweige darunter fänden, sortiere man sie aus. „Das Problem ist aber: Wenn es viel regnet, wird das Holz feucht, und es qualmt trotzdem“, sagt Schwitzer.

Das war auch in einigen Umlandskommunen ein Problem. So sorgte auch in Wennigsen die Witterung dafür, dass das Feuer nur langsam in Gang kam. „Das Holz ist feucht, deshalb ,bilden sich auch dunkle Rauchschwaden“, sagte Feuerwehrmann Martin Binias aus der Einsatzabteilung.

Hoch über dem Dorf Wettmar auf der Horst lodern östlich der Burgwedeler 4000-Einwohner-Ortschaft die Flammen des Osterfeuers. Mit Nachbarn gibt es keine Probleme – weil die nächsten Wohngebiete weit weg liegen, vor allem aber, weil die Ortsfeuerwehr seit Jahren keinen Baum- und Strauchschnitt mehr annimmt, der beim Verbrennen reichlich Rauch verursachen könnte. Die Feuerwehrleute holen sich stattdessen im Herbst stämmigen Windbruch als Feuerholz aus den Wäldern, fürs Volumen liefert der Realverband Äste vom Freischneiden der Waldwege. Das ist schon trocken und raucht nicht so. Eine Auflage der Region Hannover beklagt Wettmars Ortsbrandmeister Karsten Weigt aber doch: Erstmals trat in einer Maschinenhalle neben dem Osterfeuer eine Band auf - die Genehmigung für die Feier mit mehr als 200 Gästen beinhaltete die Verpflichtung, zwei Leute Security zu stellen. Ganz schon teuer, findet Weigt, zumal der Bratwurst-Verkauf nicht mehr so floriert wie in alten Zeiten, als das Osterfeuer noch das Highlight des Frühjahrs war.

Rücksicht an allen Ecken

Im halb so großen Nachbardorf Thönse sind die Distanzen enger: Die Freiwillige Feuerwehr hat ihr Osterfeuer an den nördlichsten Rand eines Ackers platziert, um möglichst viel Entfernung herzustellen zu den Häusern am südlich gelegenen Reihermoorweg, von wo es in der Vergangenheit Beschwerden über Geruchsbelästigung gegeben hatte. 160 Meter statt der vorgeschriebenen mindestens 100 Meter, sagt Ortsbrandmeister Ingmar Franke. Am Tag des Feuers sei alles noch mal umgestapelt worden - ales sei haarklein mit dem städtischen Ordnungsamt und der Region Hannover geregelt worden. „Wir haben alle Auflagen satt erfüllt“, das gelte auch für die maximal 150 Kubikmeter brennbaren Materials, die ein Osterfeuer haben darf. Ärger blieb am Sonnabend aus, vorsichtshalber aber hat Franke mit Fotos dokumentiert, dass der Rauch, der dann tatsächlich in Richtung der Wohngebiete zog, nicht schwarz gewesen sei und sich auch mengenmäßig in Grenzen gehalten habe.

In Wülfel konnte das Osterfeuer nach mehr als 30 Jahren nicht stattfinden, letztlich weil frisches Holz im Feuerhaufen gefunden wurde. Erst ein Hinweis aus dem Stadtteil hat die Verwaltung auf die Spur gesetzt. Die Stadt betont, dass das Osterfeuer genehmt worden wäre, hätte der Betreiber, ein Schützenverein, das verbotene Holz entfernt. Aber der Verein sagte das Osterfeuer selbst ab.

Dagegen für Wennigsens Ortsbrandmeister Jörg Wieners sind die Auflagen seit Jahren unverändert und auch unproblematisch: „Wir haben seit längerer Zeit eine behördliche Genehmigung für eine rund 150 Kubikmeter große Feuerstelle“, sagt Wieners. Zu den beiden wenigen Auflagen zählt laut Wieners, dass das Brennholz erst am Tag des Osterfeuers am Standort angeliefert und etwa ein bis Stunden vor dem Anzünden noch einmal umgeschichtet werden muss. „Zum Schutz möglicher Lebewesen zwischen den Ästen“, begründet dies der Ortsbrandmeister. Probleme bereiten der Feuerwehr Wennigsen als Ausrichter des Osterfeuers nur - zwar vermutlich unwissend - aber dennoch illegal abgelieferte Holzspenden. „Oberschenkelgroße Wurzelteile gehören nicht in ein Osterfeuer, sondern müssen gesondert enstsorgt werden“, betont Wieners. Wegen der unbemerkt im Holzhaufen mit verbrannten Wurzelreste sei es für die Einsatzkräfte am Tag nach dem Feuer erforderlich gewesen, lange Zeit nach zu löschen, so Wieners.

Von Andreas Schinkel, Ingo Rodriguez und Martin Lauber

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