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Hannover Grippe-Impfstoff: „Bei uns laufen die Patienten Amok“
Nachrichten Hannover Grippe-Impfstoff: „Bei uns laufen die Patienten Amok“
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00:15 30.09.2017
Von Susanna Bauch
Zweiklassengesellschaft bei Impfung verunsichert Patienten. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Die unterschiedliche Wirksamkeit von Grippeimpfstoffen sorgt für Verunsicherung bei vielen Patienten und niedergelassenen Ärzten in Hannover. „Bei uns laufen die Patienten Amok“, meint eine niedergelassene Ärztin aus der Südstadt. Wie berichtet, gibt es für die Schutzimpfung ein Medikament, das gegen drei, und eines, das gegen vier Virenstämme immunisiert. Letzteres, das auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, möchten viele Ärzte ihren Patienten verordnen, verbindliche Rabattverträge mit den Krankenkassen indes sehen den Dreifach-Impfstoff als Standard vor.

„Ich habe auch den Vierfach-Impfstoff geordert“, betont die Medizinerin aus der Südstadt. Bei Risikopatienten mit Vorerkrankungen sei es kein Problem, dieses auch kostenfrei zu verordnen. Chronisch Kranke bekommen den Vierfach-Wirkstoff auf Kassenrezept, betont auch Allgemeinmediziner Peter Essmann. Er findet es grundsätzlich unglücklich, „dass ein Medikament nur 75-prozentigen Schutz biete, wenn bei einem anderen auch 100 Prozent möglich sind.“

WHO empfiehlt Impfung zweimal im Jahr

Dem Hausärzteverband Niedersachsen geht es vor allem darum, dass sich Patienten überhaupt impfen lassen. „Vor allem für Risikogruppen ist eine Grippeimpfung wichtig“, sagt Sprecherin Christiane Mahnke. Dass gesetzlich Versicherte in Sachen Grippeschutz schlechter behandelt werden als Privatpatienten, hält sie für falsch. „Außerdem besagt keine Studie, dass ein Vierfach-Impfstoff besser schützt als ein Dreifach-Präparat.“ Die WHO allerdings spricht zweimal jährlich eine Empfehlung aus, gegen welche - vier - Virenstämme der saisonale Impfstoff wirken soll. Es gibt rund 200 Virustypen, die grippale Infekte hervorrufen können, für eine „echte Grippe“ sind etwa ein halbes Dutzend Virustypen verantwortlich.

Die Ständige Impfkommission, die für das Gesundheitsamt der Region die maßgebende Institution für Beratung ist, gibt keine Empfehlung oder Präferenz zu Dreifach- und Vierfach-Impfstoffen ab. „Der Vierfach-Impfstoff kann einen höheren Schutz bieten, muss aber nicht. Das hängt von dem jeweiligen Verlauf der Grippesaison ab“, betont Mustafa Yilmaz vom Gesundheitsamt der Region.

Patient Peter Jungmann hat sich eine Verordnung für den vierfachen Schutz besorgt. „Wenn es das gibt, will ich das haben“, meint er. In der Apotheke hat er 23 Euro dafür bezahlt, bei Ärzten, die in größeren Mengen geordert haben, kann das einige Euro weniger kosten. Mediziner Essmann geht allerdings davon aus, dass die meisten Kassen das Geld für den Vierfach-Impfstoff im Nachhinein erstatten.

Zellkulturen aus Hundenieren für Serum

Der Großteil des jährlichen Impfstoffbedarfs wird durch ein Verfahren mit Hühnereiern gedeckt. Dabei gilt: Pro Impfstoffdosis wird ein Ei benötigt. Im Falle einer weltweiten Pandemie könnte die aktuelle Praxis jedoch die Versorgung gefährden. Einige Hersteller sind daher bereits dazu übergegangen, Zellkulturen etwa aus Hundenieren zu verwenden.

Von Susanna Bauch

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