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Hannover MHH fehlt Personal für schwerkranke Kinder
Nachrichten Hannover MHH fehlt Personal für schwerkranke Kinder
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00:19 11.10.2018
Der Kinderintensivstation der MHH fehlt Personal. Quelle: dpa
Hannover

Der Pflegenotstand im Gesundheitswesen hat gravierende Folgen für die Behandlung schwer kranker Kinder. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) muss regelmäßig Patienten abweisen, weil es nicht genügend Krankenschwestern und Pfleger gibt. Allein in diesem Jahr habe die MHH 300 Mädchen und Jungen nicht aufnehmen können, darunter 100 Kinder mit lebensbedrohlichen Erkrankungen, sagte Michael Sasse, leitender Oberarzt der Klinik, der HAZ und bestätigte einen Bericht des NDR.

Die MHH verfügt über eine der größten Kinderintensivstationen in Deutschland und behandelt jährlich etwa 1200 Patienten. Jedes der 18 Betten ist mit Beatmungsgeräten ausgestattet, weshalb in der Klinik schwere Fälle wie Organversagen und Herz-Lungen-Komplikationen behandelt werden können. Doch weil Pflegekräfte fehlen, stehen zwei Zimmer seit einem Jahr leer. „Weltweiter Standard und Minimum ist, dass auf Intensivstationen eine Kraft für zwei Patienten zuständig ist. Daran halten wir uns“, sagte Sasse. Bei zu wenig Personal müsse die Klinik Betten leer stehen lassen und versuchen, auf anderem Wege Platz für Patienten zu schaffen, etwa durch Verlegung leichterer Fälle.

Allein in diesem Jahr musste die MHH 300 Kinder für die Intensivstation abweisen. Quelle: Uwe Dillenberg

Bis zu 30 Prozent der Betten müssen manchmal leer bleiben

Sasse zufolge können dennoch mitunter 30 Prozent der Betten nicht belegt werden. Schwestern aus anderen Stationen abzuziehen sei wegen der erforderlichen Kenntnisse von Intensivmedizin nicht einfach möglich, zudem reiße dies an anderer Stelle Löcher. „Das ganze System ist auf Lücke gestrickt“, sagte Sasse. Die MHH sei kein Einzelfall.

In Hannovers Kinderklinik auf der Bult wählt Pflegeleiterin Annegret Hesemann drastischere Worte: „Der Pflegeberuf ist kaputtgespart worden. Man hätte schon vor zehn Jahren handeln müssen. Jetzt droht allen Häusern ein Pflegekollaps.“ Das Problem sei, dass ältere Mitarbeiter aufhörten, jüngere aber nicht in gleicher Zahl nachkämen. Die Klinik auf der Bult verfügt über Intensivbetten für Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Dort sei die Lage „noch nicht so dramatisch“, weil man selber Personal ausbilde.

Land: „Es gab Gespräche über den Mangel“

Beim Land Niedersachsen ist das Problem bekannt. Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte der HAZ, es habe Gespräche über den Mangel an Intensivpflegekräften gegeben, und man sei „zuversichtlich, Lösungsmöglichkeiten zu finden“. Ob es dabei um Bezahlung oder Arbeitszeiten geht, ließ er offen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will dem Notstand mit einer Personaluntergrenze begegnen. So soll eine Verordnung regeln, dass von 2019 an eine Pflegekraft auf Intensivstationen in Tagschichten für höchstens 2,5 Patienten zuständig sein darf. Aus Sicht von Helge Engelke, Verbandsdirektor der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, wird dies das Problem des Personalmangels aber nur verschärfen. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung verweist auf eine Studie des hannoverschen Pflegeexperten Michael Simon, wonach im Pflegedienst der deutschen Krankenhäuser aktuell etwa 100 000 Vollzeitstellen fehlen.

Von Gunnar Menkens

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