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Hannover Vergewaltigungsprozess vorerst geplatzt
Nachrichten Hannover Vergewaltigungsprozess vorerst geplatzt
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00:17 11.10.2018
Die Öffnungszeiten des öffentlichen WCs in der Brüderstraße deuten darauf hin, dass diese Einrichtung für Nachtschwärmer gedacht ist. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Die Anklagevorwürfe gegen einen 31-jährigen Mann aus der Nordstadt wiegen schwer. Er soll eine Prostituierte in einer öffentlichen Toilette an der Ecke von Herschel- und Brüderstraße vergewaltigt, sie gewürgt und mittels Schlägen verletzt haben. Doch der Prozess vor einer Schöffenkammer am Amtsgericht dauerte nur eine gute Stunde, dann wurde er ausgesetzt, weil die als Zeugin geladene Geschädigte nicht erschien. Nach Angaben von Anwalt Christian J. Neumann, der die offenkundig drogensüchtige Frau als Nebenklägerin vertritt, hat er seine Mandantin zuletzt vor zwei Monaten gesprochen, damals lebte sie in einer Obdachlosenunterkunft in Hildesheim. Seither ist die 39-Jährige für niemanden erreichbar. Der Angeklagte und sein Verteidiger Matthias Steppuhn äußerten sich am Montag dagegen sehr ausführlich zum Tatgeschehen. Demnach habe die Prostituierte ihren Kunden übers Ohr hauen wollen und ihn im Zuge einer Auseinandersetzung zuerst angegriffen; eine Vergewaltigung bestritt der 31-Jährige.

Angeklagter schildert seine Sicht

Sicher ist, dass sich der Vater einer minderjährigen Tochter am 23. September 2017 gegen sieben Uhr morgens nach einer durchzechten Nacht vor dem Klohäuschen in der Brüderstraße herumtrieb; in dieser Gegend ist die Straßenstrich-Szene aktiv. Offenbar war der Mann erheblich alkoholisiert. Seiner Aussage nach sprach ihn die Frau an, ob er für 20 Euro Oralverkehr praktizieren wolle. Er willigte ein, doch dann verschwand die 39-Jährige in der Toilette – ohne ihn. Als er geklopft habe, so der Angeklagte, habe er weitere drei Personen in der Kabine entdeckt, die in einem Löffel Drogen aufkochten, ihm aber die Tür wiesen. Erst nachdem er weitere fünf Minuten gewartet habe und die drei anderen Beteiligten das Klohäuschen verlassen hätten, sei er mit der Prostituierten alleine gewesen. Sie habe ihn zunächst in Wallung versetzt, dann aber innegehalten und mehr Geld verlangt. Im Zuge der darauf folgenden Auseinandersetzung, so die Aussage des 31-Jährigen, verpasste ihm die aufgeputscht wirkende Frau eine Ohrfeige und zog ein Taschenmesser, das er ihr aus der Hand schlug. Beim darauf folgenden Gerangel habe er die 39-Jährige zu Boden gerissen, sie wohl auch „grob angefasst“, aber in keiner Form vergewaltigt.

Verletzungen sind dokumentiert

Eine rechtsmedizinische Untersuchung ergab, dass das Opfer Blutergüsse an Kopf, Oberkörper und Armen aufwies, auch von Rötungen und Kratzern am Hals ist die Rede. Ob die Verletzungen von der behaupteten Tat stammen oder anderen Ursprungs sind, wurde vom Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Svenja Deimel noch nicht thematisiert. Auch fünf geladene Zeugen mussten am Montag unverrichteter Dinge nach Hause fahren. Sie hatten Hilferufe des Opfers aus dem Klohäuschen vernommen und gegen die Tür getrommelt. Daraufhin war der Nordstädter geflüchtet, aber kurz darauf nahe dem Polizeirevier in der Herschelstraße festgenommen worden. Zwölf Tage lang saß er in Untersuchungshaft, kam dann wieder auf freien Fuß.

Der Angeklagte wie auch das vermeintliche Opfer sind bereits mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und wegen kleinerer Straftaten verurteilt worden. Da das Gericht bei dem 31-Jährigen, der mit Eltern und Tochter in einer kleinen Wohnung lebt und berufstätig ist, keine Fluchtgefahr sah, kam es dem Antrag des Staatsanwalts nach und hob den Haftbefehl auf; noch im Gerichtssaal wurde dem 31-Jährigen sein Pass zurückgegeben. Nunmehr wird die Anklagebehörde versuchen, den Aufenthaltsort der Prostituierten zu ermitteln und ihr die Ladung zu einem neuen Prozesstermin zu übermitteln. Sollte die Frau verschollen bleiben, könnte es sein, dass das Verfahren eingestellt wird. „Ansonsten werde ich auf Freispruch plädieren“, kündigte Verteidiger Steppuhn schon während der Verhandlung an.

Von Michael Zgoll

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