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Hannover Rat streitet um Umbenennung der Hindenburgstraße
Nachrichten Hannover Rat streitet um Umbenennung der Hindenburgstraße
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00:18 02.09.2018
Die Hindenburgstraße soll einen neuen Namen bekommen, so hat es der Bezirksrat Mitte beschlossen. Quelle: Rainer-Droese
Hannover

 In der von Sachfragen geprägten Kommunalpolitik gibt es zumeist wenig Anlass für klare, parteipolitische Fronten. Anders bei der aktuellen Debatte um die Umbenennung der Hindenburgstraße im Zooviertel. Bei der von den „Hannoveranern“ beantragten Diskussion am Donnerstag im Rat lassen sich die Gegner und Befürworter klar auf die rechte oder linke Seite des politischen Spektrums einordnen. SPD, Grüne, Linke und die Spaßpartei „Die Fraktion“ unterstützen das Votum des Bezirksrats Mitte, dass Hindenburg als Namensgeber nicht mehr tragbar ist. Auf der anderen Seite lehnen CDU, AfD, „Hannoveraner“ und ein bisschen auch die FDP einen Namenswechsel ab. Beide Seiten werfen der jeweils anderen Geschichtsvergessenheit vor.

Die „Hannoveraner“ haben als Antragsteller der Diskussion das erste Wort. Fraktionschef Gerhard Wruck hält die Tilgung des Namens Hindenburg für „eine menschliche und politische Niedertracht“. Hindenburg habe die Katastrophe der Kanzlerschaft Hitlers nicht gewollt, versucht Wruck nachzuweisen. Zudem sei er damals sogar von der SPD unterstützt worden.

Das sieht die SPD anders. Auch Ratsherr Lars Kelich versucht mit historischen Zitaten und Verweisen zu belegen, dass Hindenburg „ein Feind der Demokratie“ gewesen sei. „Ein Straßenname ist eine besondere Ehrung für eine Person, diese Ehrung hat Hindenburg nicht verdient“, meint Kelich. Zudem betont er, dass der Bezirksrat Mitte bereits entschieden habe, einen neuen Namen zu finden.

Die CDU hat kein Verständnis für die Initiative des Bezirksrats. CDU-Ratsherr Felix Semper bezeichnet den Vorstoß als „symbolischen Geschichts-Exorzismus“. „Erinnerungskultur heißt, dass man auch Infotafeln aufstellt“, sagt er. Aus Geschichte könne man nicht lernen, indem man sie ausradiert. Zudem gebe es Wichtigeres zu tun, als über Straßenumbenennungen nachzudenken.

Die Grünen räumen ein, dass eine Straßenumbenennung immer mit Mühen für die Anwohner verbunden ist. „Aber wir brauchen einen anderen Namen für die Hindenburgstraße“, sagt Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin. Hindenburg sei ein Steigbügelhalter Hitlers gewesen. In Hannover werde Hindenburg viel zu viel gehuldigt. „Und Sie wollen den Personenkult weiterführen“, wirft er den „Hannoveranern“ vor.

Die Gruppe Linke/Piraten schließt sich der Einschätzung an. Fraktionschef Dirk Machentanz versucht sich als Hobby-Historiker und versucht zu belegen, wie Hindenburg das Hitler-Regime ermöglichte. Die AfD versucht, Hindenburg als hilflosen Menschen darzustellen. „Das ist damals unglücklich gelaufen“, meint AfD-Ratsherr Markus Karger. Er sieht in Hannover „linke Geschichtsklitterer“ am Werk. Die FDP hält wenig von der Initiative der Bezirksrats-SPD. „Es ist wichtig, vorher die Anlieger zu hören“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke.

Am Ende hat der Rat keinen Einfluss auf das Verfahren. Dei Hindenburgstraße ist zwar bekannt und keine kleine Nebenstraße, dennoch berührt sie keine weiteren Stadtbezirke. Die Entscheidung über einen neuen Namen trifft allein der Bezirksrat. Aus der Anwohnerschaft erhebt sich schon jetzt Protest. Unterschriften werden gesammelt, in den sozialen Medien sind viele kritische Kommentare zu lesen.

Von Andreas Schinkel

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