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Hannover Museum zeigt Filmjuwel vom Juni 1969
Nachrichten Hannover Museum zeigt Filmjuwel vom Juni 1969
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19:08 29.11.2018
Die Masse macht es: Demonstranten blockieren bei der Rote-Punkt-Aktion 1969 eine Stadtbahn. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 Niemand allein kann eine Straßenbahn aufhalten, eine Menge von Menschen kann das schon eher. Wie das funktioniert, zeigt ein ungewöhnlicher Farbfilm aus den Junitagen des Jahres 1969, damals aufgenommen von dem jungen Bismarck-Schüler Matthias Sesselmann. Eine Bahn fährt langsam auf vorgegebenen Gleisen, vorweg schlendern provozierend langsam ein paar junge Leute. Der Fahrer scheint bereits vorsichtiger zu werden. Dies ist eine der vielen Szenen aus einem acht Minuten langen Schmalfilm, der in einzigartigen Bildern die ersten Tage der stadthistorischen Rote-Punkt-Aktion festhält.

Ein Ausschnitt aus dem Film:

Der Protest hielt Hannover länger als eine Woche in Atem. Weil die damals privat geführte Üstra Fahrpreise anheben und gleichzeitig an Aktionäre eine hohe Dividende auszahlen wollte, revoltierte eine Stadt gegen ihren Verkehrsbetrieb. Studenten und politische Gruppen riefen zum Boykott auf, die Demonstrationen wurden immer größer, es gab Sitzblockaden, deren Teilnehmer von Polizisten weggetragen wurden. Höhepunkt der Aktion, wenngleich nicht gefilmt, war ein schnell organisiertes und funktionierendes Tramper-System. Die Bahnen blieben in Depots, also nahmen Autofahrer über Tage wildfremde Menschen mit.

Sesselmann, ohne Zweifel ein Sympathisant der Aktion, war nahe dran am Geschehen. Wo heute Absperrgitter Zutritt verhindern würden, filmte der Schüler in Gesichter von Demonstranten und Polizisten. Die einen trugen Beatles-Frisuren, die anderen weiße Helme mit hochgeklappten Visieren. Einem Polizisten wird die Dienstmütze vom Kopf gestohlen, vor der Oper reden Männer wütend auf andere ein. Der Film hat keinen Ton, aber man kann sich denken, was der Herr vom Protest auf der Straße hält.

Das Historische Museum Hannover zeigt den Film von Matthias Sesselmann am 4. Dezember. Er ist Teil einer Lesung der HAZ-Autoren Simone Benne und Gunnar Menkens, die von 18 Uhr an ihr Buch „1968. Als die Revolte nach Hannover kam“ vorstellen. Der Eintritt ist frei, Interessierte schicken bitte eine E-Mail mit dem Stichwort „1968“ an hannover@haz.de. Sie erhalten rechtzeitig eine Bestätigung.

Von lok

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