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Hannover SPD will Gesamtschulen in Hannover stärken
Nachrichten Hannover SPD will Gesamtschulen in Hannover stärken
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00:19 27.09.2018
Alptekin Kirci (SPD) spricht auf dem "kleinen Parteitag" vom SPD-Stadtverband Hannover in der IGS Roderbruch über die Zukunft der Geasmtschulen. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

„Wir brauchen eine Kampagne zur Stärkung aller Gesamtschulen in der Stadt.“ Bei einem Kleinen Parteitag des SPD-Stadtverbandes und der parteiinternen Arbeitsgemeinschaft für Bildung hat die bildungspolitische Sprecherin Afra Gamoori dafür plädiert, jede Integrierte Gesamtschule in Hannover besser zu unterstützen. Dafür müsse jeder Standort mit seinen Besonderheiten betrachtet werden, einigen Gesamtschulen – wie der IGS Büssingweg, der IGS Badenstedt und der IGS Kronsberg – könnten eine Primarstufe gut tun, wie sie die IGS Roderbruch schon hat. Sie führt vom 1. bis zum 13. Jahrgang, während alle anderen IGSen erst ab Klasse 5 beginnen. Andere Standorte wie die IGS Bothfeld und die IGS Südstadt sollten eine eigene Oberstufe bekommen, sagte Gamoori.

Die Zukunft der Gesamtschulen war am Montagabend Thema des Kleinen Parteitages mit rund 100 Teilnehmern in der IGS Roderbuch. Der ehemalige Leiter der IGS Langenhagen, Wolfgang Kuschel, gab einen Abriss über die Geschichte der Gesamtschulen in Niedersachsen, von der Aufbruchstimmung der siebziger Jahre, über von der CDU eingeführte Gründungsverbote, die von der SPD wieder aufgehoben wurden, eine zweite und dritte Gründungswelle bis zu den aktuellen Problemen: „Die Gesamtschulen verlieren nach und nach ihre Alleinstellungsmerkmale, Gymnasien entwickeln sich zur Gesamtschule deluxe.“

Gymnasien – eine IGS deluxe?

Viele Ansätze der IGS-Pädagogik, Lehrer, die dem Schüler zugewandt seien und eine Schule ohne Angst vermitteln wollten, Klassenleitung im Team, Projektarbeit hätten Gymnasien inzwischen übernommen, viele würden sich zudem zur Ganztagsschule wandeln. In den Städten entstehe allmählich ein Zweisäulenmodell, sagte Kuschel, und an Gymnasien würden Schüler immer noch hören: „Hier gehörst du nicht her.“

Die Gesamtschulen müssten gebrochene Schülerbiographien reparieren und soziale Ungleichheit ausgleichen. „Die Anmeldezahlen für dieses Schuljahr lassen nichts Gutes hoffen“, sagte Kuschel. Die SPD sei in der Bildungspolitik wie ein manövrierunfähiges Schiff. Die IGSen müssten personell und räumlich besser ausgestattet werden, damit aus der „Bürde der Heterogenität der Vorteil der Vielfalt“ werde.

„Gesamtschulen bei Lehrerversorgung benachteiligt“

Brigitte Naber, Leiterin der IGS Roderbruch, kritisierte, dass das Kultusministerium in diesem Schuljahr Gesamtschulen zuerst viel zu wenig Lehrerstellen zugebilligt habe, statt der benötigten neuen Stellen habe sie zunächst nur zwei ausschreiben dürfen. Das Land habe bei den IGSen erst eine Unterrichtsversorgung von 90 Prozent zugrunde gelegt, während Gymnasien mit 100 Prozent versorgt worden seien. Erst in den Sommerferien habe man den Gesamtschulen erlaubt, mehr Stellen als zunächst genehmigt auszuschreiben, doch dann sei der Bewerbermarkt leergefegt gewesen.

„Kein Abschulen, kein Sitzenbleiben“

Die Teilnehmer des Parteitages, darunter viele Schulleiter, Elternvertreter, Gewerkschafter und Schüler machten sich dafür stark, das „Abschulen“ zu verbieten, also der Verweis von einer Schulform, nachdem ein Schüler eine Klasse wiederholt hat und erneut sitzenbleibt. Auch das Sitzenbleiben sollte nur noch eingeschränkt. Gesamtschulen sollten so groß sein, dass sie eine Oberstufe einrichten können. Lehrer sollten nicht mehr nach Schulform getrennt, sondern nach Stufen (ein Lehrer für die Grundschule, einer für Klasse 5 bis 10 und einer für die Oberstufe mit Klasse 11 als Eingangsstufe) ausgebildet werden.

Stefan Politze, schulpolitischer Sprecher der SPD im Landtag, verwies darauf, dass mit der CDU als Koalitionspartner viele dieser Forderungen nur langsam oder gar nicht umzusetzen seien.

Weitere Forderungen des Parteitages: Die Förderschullehrer sollten fest an der Regelschule angestellt sein, die Schulbegleiter sollten nicht einzelnen Kindern zugeordnet sein, sondern der gesamten Klasse helfen.

Warum ein 18. Gymnasium?

Immer wieder brandete an diesem Abend Kritik daran auf, dass in Hannover ein 18. Gymnasium gegründet werden soll. Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski betonte, dass die Stadt verpflichtet sei, genügend Gymnasialplätze vorzuhalten, wenn Eltern dies wünschten. Zurzeit melden rund 52 Prozent der Eltern von Fünftklässlern ihre Kinder an einem Gymnasium an. Daher sei ein 18. Gymnasium nötig.

Maren Kaminski, Sprecherin des Bündnisses „Eine Schule der Kulturhauptstadt“, das für eine neue Modellschule eintritt, forderte nicht nur ein Recht auf einen Gymnasialplatz, sondern auch auf einen IGS-Platz für Eltern. Es sei unfair, sagte Harald Haupt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass Achtklässler in Gesamtschulen mit 30 Kindern in einer Klasse säßen, während es an den Gymnasien nur noch 22 Schüler seien.

Von Saskia Döhner

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