Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Pfandbetrüger erbeutet im VWN-Werk 6100 Euro
Nachrichten Hannover Pfandbetrüger erbeutet im VWN-Werk 6100 Euro
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:36 25.05.2018
Das Schöffengericht Hannover hat Sükrettin E. wegen 41-fachen Computerbetrugs zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Es muss eine mühsame und langwierige Arbeit gewesen sein: Knapp zwei Jahre lang hat Sükrettin E. als Pfandbetrüger im VWN-Werk Stöcken mehr als 6100 Euro erbeutet. Als Mitarbeiter eines Limonadenherstellers warf er die leeren Flaschen in die Pfandautomaten, holte sie anschließend wieder heraus und warf sie erneut ein. Das Guthaben ließ sich der 28-Jährige auszahlen. Nun musste er sich für insgesamt 41 solcher Taten wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs vor dem Schöffengericht verantworten und wurde zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Der Angeklagte bestritt während des gesamten Prozesses, die Delikte begangen zu haben.

Ein Mitarbeiter des Werksschutzes hatte E. am 27. März 2017 zufällig beobachtet, wie dieser wieder und wieder die selben leeren Flaschen in einen Pfandautomaten warf. Das Guthaben verbuchte der 28-Jährige auf einer sogenannten Gästekarte. „Das kam mir seltsam vor“, sagte Andreas W. vor Gericht aus. Im gesamten VWN-Werk wird bargeldlos gezahlt, alles läuft bei Angestellten über den Werksausweis und bei Fremden über die Gästekarte. Der Limonadenhersteller als Automatenbetreiber wurde informiert, gemeinsam mit VWN wurden die Speicher ausgelesen und es stellte sich heraus: Regelmäßig wurden vom 25. April 2015 bis zum 29. März 2017 zwischen 89,50 und 323,50 Euro auf immer der selben Gästekarte verbucht.

Von dem Guthaben soll der 28-Jährige dann Zigaretten erworben haben, die er weiterverkauft haben soll. Die Seriennummer der Gästekarte passte demnach zu der, die später bei E. gefunden wurde. „Mein Mandant hat damit nichts zu tun“, sagte E.s Verteidiger Helge Ebke allerdings. „Die Gästekarte hatte er erst am 29. März 2017 gefunden und wollte sie als Fundsache melden.“ Als ihn der VWN-Werksschutz und die direkten Vorgesetzten schließlich mit den Vorwürfen konfrontierten, sei der 28-Jährige zu einem Geständnis gedrängt worden. Im Werk arbeiten 15 000 Angestellte, „von denen viele wie mein Mandant aussehen könnten“. Ebke bezeichnete die Beweiskette als „merkwürdig schwammig“ und forderte daher einen Freispruch.

Das Schöffengericht sah es allerdings als erwiesen an, dass E. sehr wohl als Pfandbetrüger tätig war. „Daran besteht nicht der Hauch eines Zweifels“, sagte Richter Ulrich Kleinert. Der VWN-Mitarbeiter habe E. eindeutig auf einem Foto wiedererkannt, der neben dem Pfandautomaten gesichtete Firmenwagen wurde laut Fahrtenbuch zum Tatzeitpunkt von E. genutzt. Außerdem besaß der 28-Jährige den nötigen Schlüssel, um den Automaten öffnen zu können. „Darüber hinaus stimmen die Buchungen mit den Arbeitstagen überein“, so Kleinert. „Das alles kann kein Zufall sein.“ Daher sei es nach Auffassung des Gerichts „fast schon grotesk“, dass dann ausgerechnet ein anderer für die Betrügereien verantwortlich gewesen sein sollte.

Von Peer Hellerling

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Hannover Ex-SPD-Mitglied tritt jetzt für Erdogan an - Das flexible Gewissen des Ex-Genossen Erkan

Viereinhalb Jahre saß Mustafa Erkan für die SPD im niedersächsischen Landtag. Dann wurde er nicht mehr nominiert. Jetzt kandidiert er für die türkische AKP, der Partei von Staatspräsident Erdogan, in Antalya für einen Sitz in der Nationalversammlung. In der SPD wundert das viele nicht besonders.

25.05.2018

Mit dem Lied „You let me walk alone“ machte Michael Schulte beim Eurovision Song Contest den vierten Platz – die beste Platzierung seit 2010. Am Dienstag sang er den Song vor der Staatskanzlei Hannover auf Einladung von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

22.05.2018

Am Rande des Drachenbootfestivals auf dem Maschsee in Hannover ist am Sonntag ein Mann wiederbelebt worden. Der 56-Jährige trieb im Wasser, Zuschauer zogen ihn zurück an Land. Offenbar wollte er schwimmen gehen.

25.05.2018