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Hannover Nach Reform: Schon 130 Anzeigen wegen sexueller Belästigung
Nachrichten Hannover Nach Reform: Schon 130 Anzeigen wegen sexueller Belästigung
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06:00 11.09.2017
Von Jutta Rinas
Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Die Verschärfung des Gesetzes zur sexuellen Belästigung hat in der Region Hannover eine Flut von Strafanzeigen nach sich gezogen. 130 mal haben nach Angaben der Polizeidirektion Hannover von Januar bis Ende August dieses Jahres Opfer eines sexuellen Übergriffs Strafanzeige erstattet. Das sei eine prägnant hohe Zahl, die zeige, wie wichtig den Opfern die Strafverfolgung solcher Übergriffe sei, sagte ein Polizeisprecher der HAZ.

Konsequenz aus der Köln-Nacht

Der sogenannte „Grapscherparagraf“ ist als Bestandteil der bundesweiten Reform des Sexualstrafrechts im November 2016 in Kraft getreten. Davor waren Griffe an den Po oder Grapscher an die Brust nicht strafbar. Dieser Umstand hatte vor allem nach der Silvesternacht von Köln 2015 zu massiver Kritik geführt. Damals belästigten und bedrängten vorwiegend junge Flüchtlinge aus Nordafrika massenhaft Frauen.

Codewort

Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ sollen Frauen gegen sexuelle Übergriffe geschützt werden. So soll das funktionieren.

Auch die Staatsanwaltschaft Hannover hat seit Anfang des Jahres bereits 124 Ermittlungsverfahren wegen sexueller Belästigung eingeleitet. Darunter sind Fälle, in denen nach Angaben von Sprecher Thomas Klinge Bedienungen in der Kneipe Anzeige gegen übergriffige Gäste erstattet haben. In einem Fall geht es um einen volltrunkenen Flüchtling, der eine Frau auf dem Schützenfest an die Brust gefasst hat. Klinge sagt, allein aktuell seien bei der Staatsanwaltschaft Hannover 15 Verfahren wegen sexueller Belästigung anhängig. Eine Reihe der Ermittlungsverfahren habe bereits zu Strafbefehlsanträgen, Anklagen und auch schon zu Urteilen geführt.

Übergriff im Aqua-Laatzium

Der jüngste Fall: Im Aqua-Laatzium hatte ein 40-jähriger Familienvater eine 17-jährige Schülerin unsittlich berührt. Der Vorfall spielte sich bereits im Januar 2017 ab und wurde vor drei Wochen vor dem Amtsgericht verhandelt. Der Mann hatte der Schülerin im Whirlpool des Schwimmbades an den Innenschenkel bis kurz vor den Schambereich gefasst und zweimal versucht, ihre Hand an sein Genital zu ziehen. Die strafrechtliche Konsequenz: Er muss eine Geldstrafe von 900 Euro zahlen.

Bundesweit sorgte Mitte Mai dieses Jahres das deutschlandweit mutmaßlich erste Urteil gegen einen Grapscher für Aufsehen. Das Amtsgericht im sächsischen Bautzen verurteilte einen 27 Jahre alten Libyer zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bewährung, weil er einer 34-jährigen Frau gegen ihren Willen auf offener Straße dreimal an den Po gefasst hatte. Der Amtsrichter, der mit dem nach eigenen Worten „exorbitanten Strafmaß“ ein Zeichen setzen wollte, verwies auf die hohe Straffälligkeitsquote des erst seit März 2016 in Deutschland lebenden Asylbewerbers. Der Mann war auch wegen Ladendiebstahls und Schwarzfahrens bereits auffällig geworden. Sexuelle Belästigung kann nach der Reform des Sexualstrafrechts nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover mit Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren bestraft werden.

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