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Hannover Land startet Hilfsprogramm für Brennpunktschulen
Nachrichten Hannover Land startet Hilfsprogramm für Brennpunktschulen
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00:21 11.08.2018
Will Schulen in Brennpunktvierteln besonders helfen: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Quelle: dpa
Hannover

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) will Brennpunktschulen jetzt mit einem Hilfsprogramm des Landes unterstützen. Starten soll das Pilotprojekt „Schule plus“ an insgesamt 20 Schulen in Hannover, Salzgitter, Delmenhorst und Wilhelmshaven. Sie bekommen insgesamt 75 Lehrerstellen und 25 Schulsozialarbeiter zusätzlich, zunächst befristet bis zum 31. Juli 2020. In Hannover können acht, in Salzgitter sechs Standorte von dem Programm profitieren. Um welche Schulen es sich handelt, will Tonne nicht sagen, solange die Schulen nicht erklärt hätten, ob sie auch wirklich daran teilnehmen. Es gehe darum, Stigmatisierung zu vermeiden, deshalb heiße das Programm auch nicht „Brennpunktschule“, sondern „Schule plus.“

Bei der Pressekonferenz zum Schuljahresauftakt sagt der Minister am Mittwoch in Hannover, nach wie vor hätten soziale Herkunft und Lebensort einen entscheidenden Einfluss auf den Bildungserfolg von Kindern. Schulen mit diesen Schülern benötigten ein „Plus“ an konzeptioneller und materieller Unterstützung. Die Schulen würden von der Landesschulbehörde beraten und unterstützt, das Land arbeite dabei Hand in Hand mit der Stadt. Die hat ebenfalls ein Hilfsprogramm für Brennpunktschulen aufgelegt.

„Zuwanderer brauchen mehr Zeit für den Einstieg“

Karin Haller, Leiterin der Peter-Ustinov-Oberschule, fordert seit Langem, dass Schulen mit diesen Problemen besonders unterstützt werden. Das Programm des Landes sei ein Schritt in die richtige Richtung. „Dass die Hilferufe der Schulen rechtzeitig zu Schulbeginn erhört wurden und alle Institutionen, die mit Schule beschäftigt sitzen, jetzt an einem Tisch sitzen, ist gut.“ Sie lobt das Fachberaterteam der Landesschulbehörde, auf das die Schulen zurückgreifen könnten. Es gebe mehr Lehrerstunden und Schulen hätten auch die Freiheit, diese in Geld umzuwandeln und in gute Projekte zu investieren.

Wichtig sei es aber auch, die Lehrpläne darauf auf mögliche Freiräume zu untersuchen, sagt Haller. So sollten zugewanderte Schülern, die die kaum oder nie eine Schule besucht hätten, mehr Zeit für einen Einstieg abseits der Kernncurricula bekommen.

Es fehlen Spanisch-, Informatik- und Musiklehrer

In Hannover werden zum neuen Schuljahr 147 neue Lehrer eingestellt, davon 45 an Integrierten Gesamtschulen (IGS), 37 an Gymnasien und 39 an Grundschulen. Hinzu kommen 22 Sonderpädagogen an Förderschulen. Im Umland werden 178 Lehrer neu eingestellt, 60 an einer IGS und 40 an Gymnasien. Im Schnitt liegt die Unterrichtsversorgung landesweit bei rund 99 Prozent, am besten seien Grundschulen und Gymnasien mit rund 100 Prozent versorgt, sagt Kultusmininster Grant Hendrik Tonne. Kritik kommt von den Philologen. Wie hoch der Bedarf sei, zeige die Tatsache, dass nicht nur für Physik, Mathematik und Chemie, sondern auch für Kunst, Informatik, Musik, Spanisch, evangelische Religion und Werte und Normen fehlten. dö

Wie soll Bildung 2040 aussehen?

Minister Tonne möchte nicht nur in Brennpunktschulen, sondern überhaupt über neue Wege in der Schulpolitik nachdenken. „Bildung 2040“ nennt er dieses Vorhaben. Insgesamt soll es 16 Diskussionsveranstaltungen im ganzen Land geben. Den Auftakt macht Hannover am 29. Oktober. Hauptrednerin an dem Tag ist Margret Rasfeld von der Initiative „Schulen im Aufbruch“. Interessierte sollen auch in den sozialen Medien mitdiskutieren können.

Werte und Normen an zwei Grundschulen

Im neuen Schuljahr wird der Modellversuch „Werte und Normen an der Grundschule“ auf insgesamt 40 Schulen in Niedersachsen ausgedehnt, neben der Grundschule Am Stöckener Bach nimmt jetzt auch die Grundschule Fuhsestraße in Hannover daran teil.

Inklusion für Jahrgänge 1 bis 10

Erstmals gilt die Inklusion auch für den 10. Jahrgang. Das heißt die Eltern können frei entschieden, ob sie ihr Kind auf eine Regel- oder eine Förderschule geben. Im vergangenen Schuljahr waren von den Schülern der Jahrgänge 1 bis 9, bei denen ein Förderbedarf festgestellt worden war, 64,3 Prozent in einer Regelschule unterrichtet worden. Bis 2022 will das Land rund 1,9 Milliarden Euro in die Umsetzung der Inklusion stecken.

Lehrerverbände kritisieren Tonne

Von Lehrerverbänden und Opposition kommt Kritik zum Schulstart. „Durch das unselige Abordnungskarussell –Lehrkräfte aus dem nichtgymnasialen Schulen werden an die Grundschulen und Gymnasiallehrkräfte dafür an die abgebenden Schulen abgeordnet – bringt vorwiegend lediglich unproduktive Unruhe“, sagt Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte. „Die Unterrichtsversorgung wird nur auf dem Papier geschönt, Unterrichtsausfall wird sich nicht vermeiden lassen.“ Björn Försterling, schulpolitischer Sprecher der FDP im Landtag, warf Tonne „Untätigkeit“ vor. Er habe zehn wertvolle Monate verstreichen lassen, um die Lehrerversorgung zu verbessern. „Er ist und bleibt ein Ankündigungsminister.“ Franz-Josef Meyer vom Verband Bildung und Erziehung sagt: „Das Abordnungskarussell wird sich weiterhin drehen und der Quereinstieg wird zur Regel.“

Von Saskia Döhner und Jutta Rinas

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