Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Streit um 18. Gymnasium: Grüne drohen mit Koalitionsbruch
Nachrichten Hannover Streit um 18. Gymnasium: Grüne drohen mit Koalitionsbruch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 29.09.2018
Fordern eine Modellschule: Lehrer, Eltern und Gewerkschafter vom „Bündnis der Schule der Kulturhauptstadt“. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 Im Schulausschuss der Stadt ist am Mittwochabend ein heftiger Streit darüber entbrannt, was für eine neue weiterführende Schule Hannover braucht: Die Verwaltung will ein 18. Gymnasium bauen, um auch künftig allen Eltern, die ihr Kind im 5. Jahrgang auf einem Gymnasium anmelden, auch einen Platz zu bieten. „Wir sind verpflichtet, dem Elternwillen zu entsprechen“, sagte Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski.

Grünen drohen mit Koalitionsbruch

Das Ampelbündnis fordert in einem gemeinsamen Antrag zwar auch ein weiteres Gymnasium, das reformpädagogisch und inklusiv arbeiten soll. Aber die Grünen haben nach eigenen Bekundungen mit dem Antrag heftige Bauchschmerzen. Grünen-Politikerin Regine Kramarek droht in der Ausschusssitzung offen mit Koalitionsbruch: „Die Stimmung ist dahin, nicht nur im Schulausschuss, auch im rot-gelb-grünen Ampelbündnis.“ Die Gründung eines 18. Gymnasiums sei rückwärtsgewandt.

Henning Hofmann (SPD) rügt Kramarek umgehend. Es sei nicht in Ordnung, offen mit Koalitionsbruch zu drohen, so etwas müsse intern diskutiert werden. Andreas Bingemer (FDP) wendet sich entschieden gegen die Gründung eines reformpädagogischen Gymnasiums und bezieht damit indirekt Stellung gegen die Grünen. Zur Drohung der Grünen, das Bündnis platzen zu lassen, meinte Patrick Döring (FDP): „Wenn es keinen Grund gibt zu bleiben, braucht man auch keinen Grund zu gehen.“

Silvia Klingenburg-Pülm, Schulexpertin der Grünen, fordert die erneute Befragung aller Grundschuleltern wie bereits 2011. Sie erinnert daran, dass damals 55 Prozent der Eltern sich für eine Gesamtschule ausgesprochen hatten und deshalb die Integrierten Gesamtschulen Südstadt und Bothfeld neu gegründet worden seien. Es gebe schon seit mehreren Jahren den Antrag, in der Außenstelle der Käthe-Kollwitz-Schule in der Gottfried-Keller-Straße eine IGS zu gründen. Dies müsse erneut geprüft werden. Außerdem sollten alle Gesamtschulen in der Stadt gestärkt werden.

Gesamtschule, Gymnasium oder lieber eine Realschule?

„Die SPD bekennt sich ausdrücklich zu Gesamtschulen“, betont die bildungspolitische Sprecherin Afra Gamoori. Aber es gehe nicht darum, die eigene Wunschschule zu gründen, sondern den Elternwillen abzubilden, und wenn mehr als 52 Prozent der Eltern von Fünftklässlern Gymnasien wählten, dann müsse man eben noch ein Gymnasium bauen.

Das Recht auf einen Gymnasialplatz

Eltern, die für ihr Kind ein Gymnasialplatz wählen, haben auch ein Recht darauf, dass sie einen Platz an dieser Schulform bekommen. Für Integrierte Gesamtschulen gilt das so nicht, weil Gesamtschulen Angebotsschulen sind. Gibt es also mehr Anmeldungen als Plätze an Gymnasien, ist der Schulträger verpflichtet, entsprechende Kapazitäten vorzuhalten oder neu zu schaffen. Dabei haben die Eltern nicht das Recht auf einen Platz an einem bestimmten Standort, nur an einer bestimmten Schulform. Nach den Schätzungen der Stadt werden in den nächsten Jahren zwischen zwei und elf fünfte Klassen in der Stadt fehlen. Schon jetzt habe man 77 fünfte Klassen eingerichtet, obwohl in den Gymnasien eigentlich nur Platz für 72 Klassen sei. Obwohl in den höheren Jahrgängen einige Kinder die Schulen verlassen –so liegt die Klassenfrequenz in Jahrgang 10 nur bei rund 25 Schülern – führe dies nicht zu Klassenzusammenlegungen und damit zu mehr freien Kapazitäten an den Schulen. dö

In der Einwohnerfragestunde melden sich zahlreiche Vertreter des Bündnisses „Schule der Kulturhauptstadt“ zur Wort. Das fordert die Einrichtung einer Modellschule und verweist darauf, dass in den höheren Jahrgängen viele Kinder die Gymnasien verließen und dort derzeit insgesamt mehr als 1000 Plätze frei seien, während Gesamt- und Oberschulen kaum noch freie Kapazitäten hätten. Den Antrag auf Gründung einer Modellschule bringt Lehrervertreterin Susan Bartels de Pareja ein.

Viele neue Ideen, aber keine Entscheidung

Überhaupt gibt es am Mittwoch noch zahlreiche Änderungsanträge – so viele, dass sich der Ausschuss schnell darauf einigte, das Thema zwar zu diskutieren, aber nicht abzustimmen und erneut in die Fraktion zu ziehen. Die CDU fordert eine neue dreizügige Realschule, Schülervertreter möchten neben einem Gymnasium auch noch eine neue Integrierte Gesamtschule errichten lassen. Der ehemalige AfD-Ratsherr Tobias Braune bringt eine neue Kooperative Gesamtschule ins Spiel, Julian Klippert (Die Partei) schlägt vor, erstmal den Bau einer neuen vierzügigen Schule zu beschließen und über die Schulform später zu entscheiden. Adam Wolf (Piraten) kann sich nicht entscheiden und findet eine neue Modellschule, eine neue IGS, aber auch ein neues Gymnasium gut, sein Fraktionspartner, die Linken, sind auf alle Fälle gegen ein 18. Gymnasium.

Von Saskia Döhner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gegen die beiden Männer, die im Mai in Hannover-Ahlem mit einem Auto auf einen 21-Jährigen zugerast waren, ist Anklage erhoben worden. Der Fahrer muss sich unter anderem wegen versuchten Totschlags verantworten. Der Prozess beginnt Mitte Oktober.

26.09.2018

Hannovers Berufsfeuerwehr empfiehlt den Kauf von Drohnen für die Brandbekämpfung. Mithilfe der Fluggeräte könne man sich schnell einen Überblick verschaffen, insbesondere in unwegsamen Gelände.

26.09.2018

Zum 13. Mal ist der Künstler Gunter Demnig am Mittwoch nach Hannover gekommen, um 20 neue Stolpersteine für NS-Opfer im Gehweg zu verlegen. Die ersten installierte er in der Callinstraße.

29.09.2018