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Hannover Was wird aus der Stadtpark-Sauna?
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06:00 04.08.2018
David Mastbaum, Stadtparksauna Quelle: Foto: Heidrich
Hannover

  Langsam aber sicher kommt David Mastbaum ins Schwitzen. Ziemlich genau acht Monate ist es inzwischen her, seit sein Unternehmen, die Stadtparksauna, nach einer Brandstiftung bis auf die Mauern ausgebrannt ist. Ein verwirrter Drogenabhängiger war am Nikolaustag 2017 in das von Büschen und Bäumen verborgene Bauernhäuschen im Stadtpark eingebrochen, stahl Massageöl, zündelte anschließend und sitzt inzwischen im Gefängnis. Seitdem liegen die Geschäfte der Stadtpark Sauna GmbH notgedrungen auf Eis.

Es droht der Arbeitsplatzverlust

Noch kann Mastbaum die Gehälter seiner sechs in Teilzeit angestellten Mitarbeiterinnen über die Betriebsunterbrechungsversicherung zahlen. Doch im Dezember enden die Ausfallzahlungen, dann droht zwei Masseurinnen und vier Servicekräften der Arbeitsplatzverlust. Verhandlungen zwischen der Stadt als Eigentümer des gemieteten Gebäudes und der Versicherung verzögern die Rettung seit Monaten. Ohne ein OK aus dieser Richtung, kann Mastbaum nur warten. „Nach diesem Stichtag im Dezember sehen wir deshalb die Stadt in der Pflicht, auch für die Gehälter zu sorgen. Denn die Verantwortung für den Beginn und die Dauer des Wiederaufbaus liegt bei der Stadt“, fordert er Unterstützung. „Derartige Ansprüche wurden bis heute nicht formuliert und sind der Stadtverwaltung unbekannt“, kommentiert Stadtsprecher Dennis Dix den Vorgang.

Ein surreales Szenario

Gräser und Hecken erobern derweil das Grundstück am Nordrand des Stadtpark. Aus dem verkohlten Inneren dringt immer noch beißender Geruch. Wenn Mastbaum durch die Überreste Hannovers erster Sauna führt, zieht er in die Kleidung, als hätte man den Abend an einem Lagerfeuer verbracht. An dem ehemaligen Tauchbecken im Außenbereich kann ein verwitterter Engel aus Gips das Szenario nicht mit ansehen. Jemand hat ihm mit einer roten Binde die Augen verhängt. Von einer an der Wand verbrannten Uhr ziehen die geschmolzenen Zeiger lange Fäden – ein surreales Bild. Auch Mastbaum ist desillusioniert, was die Zukunft angeht. „Das Ding wird abgerissen und neugebaut“, fasst 65-Jährige den Stand der Dinge zusammen. Nur wann? „Die Verhandlungen über das weitere Verfahren laufen noch“, antwortet der Stadtsprecher auf Nachfrage unbestimmt.

Das Saunakulturzentrum

Trotz der für ihn unbefriedigenden Aussicht , will Mastbaum den Brand endlich hinter sich lassen und wieder in die Zukunft schauen. „Zum Glück haben wir einen Mietvertrag bis 2023, sonst wären wir vielleicht längst raus aus den weiteren Planungen“, sagt er. Mit dem Wiederaufbau soll die Stadtparksauna eine Art Saunakulturzentrum werden und, längst überfällig, auch neue Gäste anlocken. Schätzungsweise 750 000 Euro soll der Wiederaufbau kosten. „So wie sie existiert hat, war die Sauna sehr klein. In Anbetracht der wachsenden Konkurrenz müssen wir deshalb im zweiten Schritt auch erweitern,“ sagt Mastbaum. Die Pläne für einen Anbau lagen schon vor dem Feuer in der Schublade. Sie sehen unter anderem zusätzliche Massageräume und einen Multifunktions-Veranstaltungsraum vor. 1,5 Millionen hat der Betreiber dafür veranschlagt. Nun befürchtet er, dass damals interessierte Sponsoren von dem Projekt Abstand nehmen könnten. Eine Bauvoranfrage für diesen zweiten Bauabschnitt ist bereits eingereicht. Bestenfalls würden der Neubau und die Erweiterung kurz nacheinander errichtet, hofft der Betreiber. Zuletzt besuchten vor allem langjährige Stammgäste (Etwa 180 im Jahr) die Sauna. Rund 80 von Ihnen sind bis heute in einem Förderverein organisiert. Neubesucher waren dagegen oft abgeschreckt von der urigen Saunawelt. Atmosphärisch vermengten sich in der ausgebrannten Sauna der rustikale Stil der Anfangsjahre in den Vierzigern mit dem Club-Charme der Siebziger- und Achtzigerjahre. Mit neuen Wellness-Saunalandschaften wie sie jüngst in der Wasserwelt Langenhagen oder dem Neustädter Balneon-Bad entstanden sind, will sich die Stadtparksauna allerdings auch in Zukunft nicht messen. „Unsere Philosophie ist, dass Saunieren gesundheitsfördernd und pflegend ist. Die Anlage ist ein sozialer Treffpunkt für Leute, die eine alternative Suchen zu den Fitnessstudios, Wellnessbädern und Hotelsaunen,“ sagt Mastbaum. Bis es diesen Treffpunkt für Freunde des klassischen Saunaerlebnisses allerdings wieder gibt, ist auch Mastbaum auf Alternativen angewiesen. „Derzeit saune ich selber in Langenhagen“, sagt er.

Von Mario Moers

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