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Hannover Zwei Jahre auf Bewährung für Tritt gegen Kopf
Nachrichten Hannover Zwei Jahre auf Bewährung für Tritt gegen Kopf
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14:35 29.11.2018
Rizkar T. (l.) ist derjenige, der bei der Auseinandersetzung im Hauptbahnhof gegen den Kopf eines anderen Mannes trat. Neben ihm sitzt sein Verteidiger Jürgen Scholl. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 Der Mann, der im Februar 2018 einem bewusstlos am Boden liegenden 37-jährigen Elektroingenieur einen Fußtritt wie bei einem Elfmeterschuss versetzte, ist am Mittwoch vom Schwurgericht zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Kammer kam zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Tritt des 23-jährigen Rizkar T. nicht um einen versuchten Totschlag, sondern nur um eine gefährliche Körperverletzung gehandelt habe. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch sprach von einer „Spontantat“ in einem „emotionalen Ausnahmezustand“, die in den vorausgegangenen körperlichen Attacken und Beleidigungen des späteren Opfers begründet war. T. habe keine Tötungsabsicht gehegt, sondern den anderen nur verletzen wollen.

Geldstrafe für zweiten Täter

Der ebenfalls in die nächtliche Auseinandersetzung im hannoverschen Hauptbahnhof verstrickte Aiman K. (22) wurde wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 35 Euro verurteilt. Er hatte dem Elektroingenieur einen derart heftigen Faustschlag versetzt, dass dieser besinnungslos zu Boden ging. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten wurde eingestellt.

Staatsanwältin Kathrin Heuer hatte für Rizkar T. eine Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten gefordert, Verteidiger Jürgen Scholl die später ausgeurteilten zwei Jahre auf Bewährung. Alle Verfahrensbeteiligten waren sich einig, dass der 37-Jährige und ein zweiter Beteiligter – ein 39-jähriger Maschinenschlosser – zwar allen Grund hatten, T. für eine Tätlichkeit gegen seine Freundin zur Rede zu stellen, aber mit ihren Attacken gegen den zunächst völlig zurückhaltend agierenden T. weit über das Ziel einer Nothilfe hinausgeschossen waren.

Tritte mit schweren Folgen

Doch auch wenn der 23-Jährige bei dem daraus resultierenden Tritt nicht nachgedacht habe und seine Wut „hochgekocht“ sei, so Rosenbusch, sei ein solcher Fußtritt potenziell lebensbedrohlich und „unverzeihlich“. Das Schwurgericht habe im Laufe dieses Jahres zwei Prozesse geführt, wo Fußtritte die Opfer derart schwer schädigten, dass sie seither im Rollstuhl sitzen. Im aktuellen Fall hätten das Opfer und der Täter – die beide angetrunken waren – viel Glück gehabt, dass der Tritt nur relativ geringfügige Auswirkungen hatte.

Das Gericht erkannte an, dass sich T. im Vorfeld ernsthaft bei dem Älteren entschuldigt hatte und bereitwillig auf dessen Schmerzensgeldforderung von 1500 Euro eingegangen war. „Die damit einhergehende Kommunikation haben wir als glaubhaften Täter-Opfer-Ausgleich gewertet, und dies hat zu einer Strafrahmenverschiebung geführt“, so Rosenbusch. Er bescheinigte den aus dem Irak stammenden Angeklagten, die beide einen Kiosk betreiben – der eine in der Calenberger Neustadt, der andere in Kleefeld – , dass sie keinem kriminellen Milieu zuzurechnen sind und alles daransetzen, in Deutschland ein ordentliches Leben zu führen. Auch deshalb sei es vertretbar, die Strafe für T. zur Bewährung auszusetzen. Dieser muss als Bewährungsauflage eine Geldstrafe von 1000 Euro an das Frauenhaus zahlen und bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt.

Da alle Seiten darauf verzichteten, Rechtsmittel einzulegen, ist das Urteil rechtskräftig.

Von Michael Zgoll

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