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Hannover Senioren überließen Betrügern knapp 8000 Euro
Nachrichten Hannover Senioren überließen Betrügern knapp 8000 Euro
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15:49 10.10.2018
Nazarius N. (l.) wird von Anwalt Marco Jutsch verteidigt, Ilongo L. (2.v.r.) von Anwalt Peter Nickel. In der Mitte sitzt Dolmetscher Surendra Batra. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

 Mit abenteuerlich anmutenden Ammenmärchen hat es eine Bande von Betrügern geschafft, im Herbst 2016 ein älteres Ehepaar um 7940 Euro zu betrügen. Wie in ähnlichen Betrugsfällen auch erzählten sie etwas von einem millionenschweren Geldtransfer aus Afghanistan, bei dem sie Hilfe benötigten, und versuchten, die Senioren als Teilhaber eines Wash-Wash-Geschäfts über den Tisch zu ziehen. Bei dieser Masche behaupten Trickbetrüger, weißes Papier im Geldscheinformat per chemischer Behandlung in echte Banknoten zurückverwandeln zu können. Eine Schöffenkammer am Amtsgericht hat am Mittwoch zwei Männer wegen gewerbsmäßigen Betrugs zu Freiheitsstrafen verurteilt, auch müssen sie für den Schaden haften.

Die Masche war nicht neu

Das Strafmaß für Ilongo L., das auf Verständigungsgesprächen und einem Geständnis basiert, beläuft sich auf drei Jahre und vier Monate. Die Verurteilung am Amtsgericht wegen drei Betrugstaten ist allerdings Teil einer Gesamtstrafe; das Landgericht Aachen hatte dem 34-Jährigen wegen ähnlicher Taten bereits zwei Jahre und neun Monate Haft aufgebrummt, von der der Kameruner bereits knapp zwei Jahre abgesessen hat. Sein Landsmann Nazarius N. kam mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon. Auch hier wurde die Strafe mit einer früheren Verurteilung von neun Monaten zusammengezogen. Der 37-Jährige war im August 2017 vom Amtsgericht Hannover schuldig gesprochen worden, zusammen mit zwei Kumpanen und mithilfe der Wash-Wash-Methode ein älteres Ehepaar aus Wennigsen um 8100 Euro erleichtert zu haben. Weil N. frühzeitig gestanden sowie Mittäter benannt hatte und da seine Tatbeiträge relativ gering waren, kam er mit einer glimpflichen Strafe davon. Allerdings muss der Mann, der inzwischen in Hessen einer geregelten Arbeit nachgeht, auch noch 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

In einem ersten Schritt studierten die Betrüger Immobilienanzeigen und nahmen Kontakt mit den Adressaten auf. Im aktuell verhandelten Fall bot ein Ehepaar – er 80 Jahre alt, sie 76 – eine Wohnung in Hänigsen zur Vermietung an. Es meldete sich ein angeblich in Afghanistan stationierter Soldat namens „Warren Harris“. Im Zuge eines Austausch per E-Mail behauptete dieser, 10,2 Millionen Euro – die von den Taliban beschlagnahmt worden seien – nach Deutschland bringen zu wollen. Die Senioren sollten bei Transport und Verwahrung des Bargelds als Vertrauenspersonen auftreten und dafür mit 20 Prozent der Millionensumme entlohnt werden. Doch zunächst überwies das Ehepaar am 1. November 2016 einen Betrag von 940 Euro auf ein Konto in der Türkei – angeblich für das Versenden des Geldes auf dem Luftweg nach Deutschland.

Geld in Hotel „entfärbt“

Am 3. November kam es im Parkhotel Kronsberg am Messeschnellweg zu einem Treffen der Eheleute mit einem vorgeblichen Diplomaten, Cheforganisator Ilonga L. und dem als Dolmetscher agierenden Nazarius N. In einem Hotelzimmer übergaben die Rentner den drei Männern weitere 7000 Euro zur Begleichung zusätzlicher Kosten und Steuern. Dafür wurde ihnen ein Möbeltresor präsentiert, in dem sich größere Mengen weißen Papiers befanden. Mithilfe eines Tricks beträufelten und „entfärbten“ die Betrüger einige Banknoten, um die Existenz der Millionensumme zu belegen.

Das Ende der Fahnenstange war für das Ehepaar erreicht, als es im Laufe der nächsten Tage weitere 100.000 Euro beschaffen sollte, damit man das gesamte im Tresor befindliche Vermögen per Chemikalien in seinen Ursprungszustand versetzen könne. Als ein Mitarbeiter ihrer Hausbank den Senioren davon abriet, Warren Harris und dem falschen Diplomaten weiteres Geld zu schicken, stellten sie die Korrespondenz ein. Allerdings erstatteten sie nicht von sich aus Anzeige – wohl aus Scham -, sondern wurden im Zuge späterer Ermittlungen von der Polizei angesprochen und zu einer Anzeige gedrängt.

Die Angeklagten erklärten vor Gericht, selbst nur 1300 bzw. 600 Euro von den 7940 Euro behalten zu haben, der Rest sei an Hintermänner im Ausland gegangen. Die Staatsanwältin übte leise Kritik an der „Leichtgläubigkeit“ der Geschädigten, während der Vorsitzende Richter den Betrügern große „Dreistigkeit“ und ein sehr professionelles Vorgehen bescheinigte.

Von Michael Zgoll

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