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Hannover Seniorinnen betrogen – hohe Haftstrafen für Betrüger
Nachrichten Hannover Seniorinnen betrogen – hohe Haftstrafen für Betrüger
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00:17 15.02.2018
Rehat H. (l.) wurde von Anwalt Mario Venter verteidigt, sein Bruder Zaradsht H. von Christoph Rautenstengel. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Zwei Brüder, die sich als Polizisten ausgaben und als Mitglieder einer Bande Seniorinnen um gut 57.000 Euro brachten, sind am Montag vom Landgericht Hildesheim zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Zaradsht H. (34) wurde von der 9. Großen Strafkammer wegen vierfachen Betrugs mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten bedacht. Seinem jüngeren Bruder Rehat H. (28) wurden fünf Taten nachgewiesen, er bekam vier Jahre und neun Monate aufgebrummt.

Eine Straftat nach der anderen

Dass Rehat H. trotz einer höheren Zahl von Delikten zu einer geringeren Strafe verurteilt wurde, begründete die Kammer mit einem Teilgeständnis dieses Angeklagten. Außerdem kreidete die Kammer dem älteren Bruder seine enorme kriminelle Energie und die hohe Rückfallgeschwindigkeit bei der Begehung von Straftaten an. So hat Zaradsht H. bereits die Hälfte seines Lebens in Gefängnissen verbracht. Zuletzt saß er bis März 2017 zehn Jahre wegen Raubdelikten ein; nur drei Monate nach seiner Entlassung begann er, die Seniorinnen aus Laatzen, Sarstedt und Bad Münder um ihr Geld zu bringen. Ein Betrugsversuch im hannoverschen Stadtteil Stöcken scheiterte, weil eine aufmerksame Sparkassenangestellte der 88-jährigen Kundin keine 19.000 Euro aushändigen mochte und stattdessen die Polizei verständigte.

Es waren andere Bandenmitglieder, die bei den Frauen im Alter zwischen 79 und 96 anriefen und ihnen Angst machten. Es sei eine Einbrecherbande im Anmarsch, behaupteten die falschen Polizisten und Staatsanwälte; damit den Kriminellen die Ersparnisse der Seniorinnen nicht in die Hände fallen, sollten die Frauen ihr im Haus befindliches Bargeld oder ihre Sparguthaben in Umschlägen und Tüten vor ihren Haustüren deponieren. Zaradsht und Rehat H. waren die angeblichen Beamten, die die Beträge zwischen 10.000 und gut 23.000 Euro abholten. Aufgrund einer Telefonüberwachung wurden die zwei Männer im Juli 2017 bei einem weiteren Betrugsversuch in Gifhorn verhaftet.

Opfer aus der Bahn geworfen

Der Vorsitzende Richter Rainer de Lippe machte in der Urteilsbegründung deutlich, dass die Kammer die Brüder nicht deswegen zu relativ hohen Haftstrafen verurteilt habe, weil diese sich an den Ersparnissen von Rentnerinnen vergriffen hätten: „Das Vermögen von Jüngeren ist juristisch gesehen genauso geschützt wie das von Älteren.“ Allerdings müsse man berücksichtigen, dass die Betrügereien die betagten Opfer in starkem Maße aus der Bahn geworfen hätten und diese bis an ihr Lebensende unter den Tatfolgen leiden würden. Eine Seniorin hatte den falschen Polizisten sogar das mühsam ersparte Geld ausgehändigt, das sie für ihre Beerdigung zurückgelegt hatte.

Von Michael Zgoll

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