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Hannover So covern hannoversche Bands Helene Fischers Hit
Nachrichten Hannover So covern hannoversche Bands Helene Fischers Hit
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00:17 14.09.2017
Stephan Hindemith, Hartmut El Kurdi und Tokunbo Akinro versuchen sich in einem Helene-Fischer-Cover. Quelle: Hanna Rühaak/Ilka von Boehn/Nuno Coneiçao
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Hannover

Hannover ist irgendwie im Helene-Fischer-Fieber, schließlich gibt sie in dieser Woche gleich fünf Konzerte. Sie ist ein Phänomen, ihren Song "Atemlos" kann vermutlich kaum einer nicht mitsingen, wenigstens den Refrain bleibt irgendwie im Kopf.

Drei Bands versuchen sich an dem Hit - so würden sie ihn spielen:

Vier Akkorde reichen weit

Quelle: Hanna Rühaak

Fat Belly

Stephan Hindemith ist von Beruf Aufzugtechniker – und in seiner Freizeit seit 16 Jahren Gitarrist und Komponist der hannoverschen Punkrockband Fat Belly. Diese arbeitet gerade an neuen Liedern für ein Album. Bei Konzerten spielt sie gelegentlich Punkversionen fremder Songs.

„Wir spielen jedes Jahr im Dezember ein Konzert im Kulturzentrum Faust. Dabei überraschen wir unser Publikum gerne auch mal. Vor drei Jahren hatten wir uns Helene Fischers Song ,Atemlos‘ ausgesucht, der ja damals so präsent war, dass er manche schon genervt hat. Wir haben für unsere Fans eine frischere Version gespielt, schneller und fetziger. Das funktioniert gut mit Schlagern. Die sind ja oft eher einfach gehalten – und das sind Punkrocksongs auch. Man kommt auch bei ,Atemlos‘ mit vier Akkorden schon weit. Auf die vielen Synthesizer-Klänge im Hintergrund haben wir natürlich verzichtet. Viel Gitarre, und los geht’s! Den C-Part, der sich nach Strophe und Refrain meist musikalisch abhebt, haben wir mit einem kleinen Gitarrensolo etwas interessanter gemacht. Fischer singt da ja nur zweimal langgezogen das Wort ,Atemlos‘ auf den Refrain.

Aber ich halte sie für eine großartige Sängerin. Die Seele des Songs kommt aus ihrer Stimme. Wir können so einen Song nur handwerklich übernehmen und müssen ihm dann selbst Leben einhauchen. Bei uns als 
Punkrockband funktioniert das mit dem Gegenteil von Perfektion: Wir rocken mit Leidenschaft, haben Spaß und dürfen auch mal darüber lachen, dass sich einer verspielt. Unser Sänger hat aber eine poppige, weiche Stimme, der wäre bestimmt auch im Schlager gut aufgehoben.“

Sehr nah am Country

Quelle: Ilka von Boehn

The Twang

Hartmut El Kurdi ist in Hannover vor allem als Autor und Dramaturg bekannt – am 28. Oktober hat sein autobiografisches Stück „Home Run“ Premiere am Schauspielhaus. Er ist auch seit zehn Jahren Gitarrist der Band The Twang, die Country-Versionen beliebter Songs spielt.

„Wir hatten unsere Version von ,Atemlos‘ vor drei Jahren bereits fertig entwickelt. Manchmal bleiben wir nah am Original und ändern nur Instrumentierung oder Tempo. In diesem Fall haben wir den Text genommen und versucht, ihn in eine andere musikalische Atmosphäre zu übertragen, in so einen Tarantino-Sound wie im Film ,From Dusk Till Dawn‘. Aber wir haben uns dann gegen den Song entschieden. Erstens ist ,Atemlos‘ bereits sehr nah am Country: Es gab ja sogar den Vorwurf, es sei ein Plagiat von Rosanne Cashs ,Land Of Dreams‘. Und zweitens war der Song damals einfach zu populär, um ihm etwas entgegenzustellen. Im Moment ist Fischer als Pop-Phänomen so groß, dass jedes Cover verblassen würde.

Irgendwann habe ich dann die Musik, die wir für ,Atemlos‘ geschrieben hatten, für den Text von ,Keine Macht für niemand‘ von Ton Steine Scherben verwendet. Das funktionierte gut, der Song hat es auf unser aktuelles Album geschafft, auf dem wir nur deutsche Stücke verarbeitet haben. Oberflächlich betrachtet sind Helene Fischer und die Scherben erst mal ein Gegensatz. Aber Rio Reiser hatte als Songschreiber immer einen Hang zu Schnulzen. Es gelang ihm eben, damit ein authentisches Gefühl zu vermitteln. Fischer zielt mit Songs wie ,Atemlos‘ ebenfalls auf das Lebensgefühl von jungen Leuten ab – nur eben auf ein anderes.“

Leiser und langsamer

Quelle: Nuno Coneiçao

Tokunbo Akinro

Tokunbo Akinro hat mit ihrer Akustik-Soul-Band tok tok tok zwölf Studioalben aufgenommen – auch Cover waren dabei. Vor drei Jahren erschien ihr erstes Solo-Album, ein zweites ist in Arbeit. Die Sängerin unterrichtet im Studiengang Popular Music an der Musikhochschule Hannover.

„Wenn ich einen Song von Helene Fischer spielen würde, wäre es ,Atemlos‘. Der Song ist prädestiniert für eine Coverversion, weil er so bekannt ist – und so gut. Die Melodie ist einprägsam, der Text trifft zwar nicht meinen Geschmack, ist aber handwerklich sehr gut. Ich kann nachvollziehen, dass der Song zu so einer Hymne wurde – für ein Lebensgefühl, eine bestimmte Sehnsucht. Es gibt da einige Bilder, die toll funktionieren: ,schwindelfrei‘ zum Beispiel, da gehen gleich Assoziationen los. Die Kunst am Covern ist es, eine Essenz herauszuschälen.

Ich würde den Song aufs Wesentliche reduzieren, akustisch instrumentieren, das Tempo verändern und die Lautstärke reduzieren. Und alles an meine tiefere Tonlage anpassen. Dadurch kann man bereits etwas ganz anderes daraus zaubern. Ob das dann besser ist, ist ja Geschmacksache.

Eine eigene Version erreicht die Menschen, wenn man sich selbst darin hingegeben hat. Ich glaube, mit tok tok tok ist uns das am besten mit Paul Simons ,50 Ways to Leave Your Lover‘ gelungen. Aber ohne gutes Grundgerüst geht das gar nicht. ,Atemlos‘ ist ja nicht nur ein Schlager, sondern auch eine geschickte Mischung mit Dance-Elementen. Die Kombination von zwei Genres, die eher fröhlich sind, macht Menschen natürlich gute Laune. Die Produktion macht das Ganze dann zum Mainstream.

Von Thomas Kaestle

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