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17:50 20.09.2017
450 Kinder aus evangelischen Kindergärten und -horten sind von der Markuskirche über die Lister Meile zur Apostelkirche gezogen. Quelle: Heusel
Hannover

„Ich wünsche mir Erwachsene, die auf Kinder hören“, steht auf einem der fast 300 bunt bemalten Drachen, die am Kronsberg zum Weltkindertag in den Himmel steigen. Grundschulkinder der Fichteschule in Hainholz haben sie gebastelt und mit ihren Wünschen beschriftet. Der Verein Aktion Sonnenstrahl nimmt das diesjährige Motto des international gefeierten Tages als Initiator des Drachenfestes ernst: „Gebt den Kindern eine Stimme.“ Die Stimmen am Kronsberg spiegeln vielfältige Bedürfnisse wider. Ganz persönliche Anliegen wie „mehr Platz und Zeit zum Spielen“ oder „dass sich meine Eltern nicht so viel Streiten“ sind darunter. Aber auch solche, die ein Bewusstsein für die Situation anderer Kinder auf der Welt widerspiegeln: „Ich wünsche mir, dass es genug Geld für alle Familien der Welt gibt.“

Zur gleichen Zeit ziehen etwa 450 Kinder aus evangelischen Kindergärten und -horten mit ihren Ideen für ein besseres Leben von der Markuskirche über die Lister Meile zur Apostelkirche, wo sie gemeinsam einen Ausstellung ihrer Werke eröffnen. Sie haben ihre Thesen auf Türen aus Pappe gemalt: „Was Martin Luther konnte, können die Kinder auch“, sei der Gedanke hinter dem von der Künstlerin Inge-Rose Lippok betreuten Projekt gewesen, sagt Karin Kleen vom Diakonischen Werk. Die Drei- bis Sechsjährigen denken dabei mehr über ihren eigenen Alltag nach: Haustiere sind unter den Wünschen, mit der Oma einen Kuchen zu backen oder dass sich alle lieb haben sollen.

Die größte Veranstaltung zum Weltkindertag in Hannover findet bereits zum 37. Mal am Maschsee statt. David Salim hat die Organisation von seiner Mutter Elisabeth Lücking-Salim übernommen, die den Verein Weltkindertag Hannover im Jahr 1980 initiierte. „Ohne meine Eltern wären wir alle gar nicht hier“, sagt Salim bei der Eröffnung – erinnert aber auch an das Netzwerk, das hinter dem Aktionsparcours für 6000 Kinder aus zahlreichen Schulen der Region steht. Über 60 Initiativen, Vereine, Institutionen und Künstler haben rund um den Maschsee ihre Mitmach-Angebote aufgebaut, um den Kindern einen interessanten Tag zu bieten.

Egal ob beim Ausprobieren der Knöpfe im Polizeiauto, der Erfahrung, in einem Rollstuhl über Rampen zu fahren, der Begegnung mit Tieren oder der Unterhaltung mit Schornsteinfegern: Es geht darum, Faszination zu wecken und Berührungsängste durch Ausprobieren abzubauen. Die zehnjährige Celina von der IGS Mühlenberg freut sich über die Vogelmodelle im Wagen der Initiative Erlebnis Umwelt: „Das ist toll, dass man sich die genau anschauen kann.“ Umweltpädagoge Albrecht Trenz weiß aus Erfahrung, warum solche Angebote immer beliebter werden: „Viele Kinder haben gar keine Gelegenheit mehr, Natur als selbstverständlich zu erleben.“

Der Maschsee-Parcours ist nicht zuletzt eine Belohnung für viele der Kinder, die im Vorfeld gemeinsam etwa 15000 Euro Spenden gesammelt haben. Der Verein Weltkindertag Hannover lässt sie in diesem Jahr Initiativen in Syrien und im Sudan zukommen, aber auch dem Kinderschutz-Zentrum in Hannover. Außerdem werde man spontan den Erdbeben-Opfern in Mexiko helfen, so Lücking-Salim. Die Aktion am Maschsee erzeugt bei vielen Kindern ein Bewusstsein für Solidarität: „Mir war es wichtig, Spenden für Kinder zu sammeln, denen es nicht so gut geht“, erklärt der elfjährige Johannes von der IGS Badenstedt stolz.

Von Thomas Kaestle

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