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So war das Robbie-Williams-Konzert in der HDI-Arena

HDI-Arena So war das Robbie-Williams-Konzert in der HDI-Arena

Für diese Show haben einige Fans zwei Tage lang vor HDI-Arena ausgeharrt. Und das Warten wurde belohnt: Robbie Williams heizt seinen Fans kräftig ein - Von "Let Me Entertain You" über "Come Undone" bis zu "Rock DJ".

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Quelle: Samantha Franson

Hannover. Am Kreischpegel liegt es wohl nicht. Der Kreischpegel ist ein Messinstrument bei Teeniekonzerten. Wo an anderer Stelle applaudiert wird, schreien die meist weiblichen Besucher sich hier in besorgniserregender  Lautstärke die Unfassbarkeit des Augenblicks aus dem Leib. Wenn ein Song zu Ende ist, aber auch, wenn der oder die Bekreischte etwas sagt, gestikuliert, einfach lächelt. Oder kurz sein Beinkleid lupft.

Das ist hier in der HDI-Arena auch so. Es wird gelupft. Und gekreischt. Aber das hier ist kein Teeniekonzert. Nicht auf, und nicht vor der Bühne. Vor der Bühne steht zumeist weibliches Partypublikum. Fans der früheren, manche sogar der ersten Stunden. Es werden Damen in Take-That-T-Shirts gesichtet. Einige campen seit Sonntag vor der Arena.

Und dann kommt „Robbie Fucking Williams“

Auf der Bühne steht ein Mann im Rock, ein Mannesmann, ein Mannomann, ein Machomann. „Robbie Fucking Williams“, wie er sich selbst vorstellt, lässt die Muskeln spielen und noch einiges andere an seinem Körper – und man weiß nie genau, ob es jetzt ein gespieltes Klischee ist oder doch genau so aus ihm heraus will. Der Mann ist 43, er hat noch Zeiten aktiv miterlebt, in denen beim Männerbild „Rambo“ durchaus ein Stück Bewunderung mitschwang.

Williams trägt Engshirt mit Stern, er ballert unter der Boxersilhouette der wuchtigen Bühne mit Witz, Charme und ein paar Kraftausdrücken. „Rocky“ Williams, ein nachdenklicher Kämpfer, der immer wieder aufsteht. Vielleicht sieht er sich heute lieber so. Als Unterhalter ohnehin: „Let me Entertain you“ rollt den Teppich aus für Robbies Popshow.

Treffer, Hits, hat er über die Jahre schon genug gelandet, auch wenn die kaum glaubliche Rasanz seiner Karriere deutlich an Fahrt verloren hat. Krisen, schlechte Platten, Familie haben aus der Showsensation einen ganz normalen Superstar gemacht. Einem am Showbusiness Gescheiterten und Wiedergenesenen. „I love my Life“, singt er in einem Hubwagen über der kleinen Bühneninsel vor dem Steg. Man mag ihm sogar glauben. Er hat alle Stationen seines Weges irgendwie besungen. Stoff gab es genug.

Er füllte Anfang des Jahrtausends das große Rampensau-Loch, das Freddie Mercury hinterlassen hatte. Er schien die Dimension Popshow neu zu beleben und gleichzeitig nach vielen Seiten auszudehnen. Weil er eine Gabe hatte, weil er der geborene Bühnenkünstler war.

Und vieles, was er an diesem Abend tut, trägt genau dieses Talent, das was man nicht lernen kann. Die Mimik und Gestik und das genaue Wissen um deren Bedeutung, das Dirigat der Masse mittels einer hochgezogenen Augenbraue. Robbie Williams hat ein grandioses Timing in seiner Körpersprache, auch wenn mancher frivole Swing seiner leicht eltonjohnigen Altherrenfülligkeit entspricht.

"A fucking amazing Evening“ in der HDI-Arena

Aber wenn er sich dann in seine Musik wirft, in seine melodieseligen Stadionhymnen wie das neue „Party like Russian“ oder das alte „Come Undone“, dann passt das alles perfekt, dann fügt sich alles zu einer großen Show. Kreischende Mütter, hochgereckte Handydisplays, ein grinsender Hauptdarsteller und die Las-Vega-Bühnendeko – ein Bonbonabend ist es.

Ein Wunschkonzert natürlich auch. Doch zwischendurch will er es immer wieder wissen. Eine kleine Karaoke-Show zieht er solo auf dem Laufsteg durch. Erste Zeile ansingen, mal sehen, ob Hannover weiß, wie es weitergeht. Kein Quiz für Teenager: „Living on a Prayer“, „Don’t you want me“, „Rehab“, da lacht der Mittvierziger. Anerkennend nickt der Herr Musiklehrer, wenn der Massenchor zu seinem Wohlgefallen war. „Richtig gemacht“, sagt er nach einem Hannover-Chor zu „Stayin’ alive“.

Diana aus Hannover darf auf die Bühne und bekommt zum Duett „Something stupid“ eine Fratzenmaske aufgesetzt, zieht es aber tapfer durch und darf dann auch noch ein Selfie mit Williams machen. Alles locker, es sehen ja nur 45000 Leute zu.

Bei Neil Diamonds Hit „Sweet Caroline“, den er seinen Vater hat früher singen hören, kommt tatsächlich sein Vater Pete Conway auf die Bühne und singt ein echtes, rührendes Duett auf einem Sofa. Da wird der Raum ganz klein.

Dann geht es mit „Feel“ und „Rock DJ“ in die Zielgerade. Der  Kreischpegel steigt nochmal. „A fucking amazing Evening“ befindet Williams vor der Zugabe. Er liegt nicht ganz falsch.

Uwe Janssen

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