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Hannover So war der Auftritt von Oliver Pocher
Nachrichten Hannover So war der Auftritt von Oliver Pocher
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15:36 23.10.2017
Mit seinem Bühnenprogramm tourt Pocher aktuell durch Deutschland und Österreich.  Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Ein „Heimspiel“ nennt Oliver Pocher seinen Auftritt im Theater am Aegi - schließlich kommt der Comedian ursprünglich aus der Stadt. Das Programm „Voll OP – aus dem Leben einer Social-Media-Bitch“ beginnt damit, dass einige Tänzerinnen auf der Bühne eine Choreographie zeigen. Und dass Pocher sich danach die jüngste von ihnen aussucht, eine 14-Jährige, nach ihrem Alter fragt und sagt: „Das ist aber jung. Da hört man ja direkt die Handschellen klacken“.

Das ist so ungefähr die Tonlage, in der auch der Rest des Abends weiter geht. Er macht sich über die Instagram-Accounts zweier Frauen im Publikum lustig, lässt sich später das Handy eines Mannes aus dem Publikum geben und schreibt in seinem Namen eines seiner Tinder-Matches mit „Hallo Fickschnitte“ an. In einem Witz darüber, wie man am besten Frauen aus der Disco mit nach Hause nimmt, fällt der Satz: „Du musst das geile Tier erst aus der Herde lösen“. Zwischendrin lästert Pocher noch über seine Ex-Frau Sandy Meyer-Wölden, mit der er sich im vergangenen Sommer einen erbitterten und öffentlich ausgetragenen Sorgerechtsstreit um die gemeinsamen Kinder lieferte. Sie bekäme, so Pocher, „die Hälfte der Einnahmen von heute Abend“, daher bezöge sich der Untertitel des Programms auch auf sie.

Recyclte Witze über "Germany's Next Topmodel"

Locker zusammengehalten wird der Abend dadurch, dass es offenbar um Selbstdarstellung im Internet gehen soll. Aber auch nur manchmal, manchmal geht es auch ums Fernsehen, es gibt zum Beispiel ein paar recycelte Witze über „Germany‘s Next Topmodel“. Dann wiederum erzählt Pocher, wie lustig das damals war, als sein Sohn in den Teich des veganen Nachbarn gekackt hat.

In „Voll OP – aus dem Leben einer Social-Media-Bitch“ geht aber vor allem um eines: Um Oliver Pocher auf der Suche nach der nächsten medienwirksamen Provokation. Jedenfalls scheint das Programm des Abends geradezu nach einer Checkliste des schlechten Geschmacks zusammengestellt worden zu sein: Rassismus, Sexismus, Übergriffigkeit gegenüber dem Publikum, pointenlose Lästereien über die Ex-Partnerin. Ein wenig wirkt Pocher wie ein Kind, dass gerade ein neues Schimpfwort gelernt hat und dieses jetzt zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit herauskrakeelt, weil es nicht weiß, wie es sonst die Aufmerksamkeit der Erwachsenen auf sich lenken soll.

Weder lustig noch provokativ

Das alles ist dabei weder lustig noch besonders provokativ, weil Pochers Witze sich schlicht und einfach in Gemeinheiten auflösen. 

Pochers „Heimspiel“ endet nach gut zwei Stunden mit einem ungewohnt selbstkritischen Versprechen. „Nächste Woche kommen wir in die Pubertät“, sagt er, während er mit Hannover-96-Trikot durch das Publikum tigert und das Ganze auf verzweifelter Suche nach Likes und Zuspruch auch als Live-Video zu Facebook überträgt. Mehr gibt es da auch nicht zu sagen, außer: Hoffentlich. 

Von Jan Fischer

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