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Hannover So war der erste Abend des Révoltés-Festivals
Nachrichten Hannover So war der erste Abend des Révoltés-Festivals
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09:46 02.09.2017
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Hannover

Leise zu sein war noch nie das Ziel der Heidelberger Band Irie Révoltés. Jetzt verabschiedet sie sich mit einer letzten Tournee und einem eigenen Festival auf der Gilde Parkbühne - natürlich nochmal so laut wie möglich. Dafür hat sie sich befreundete Bands eingeladen, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie verbinden ihre gesellschaftskritische Haltung mit Musik, die Spaß macht und mitreißt.

Bei bestem Festivalwetter beginnt die Querdenkerparty mit der Berliner Rapperin Sookee, die mit intelligenten Texten gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus zu einer der wichtigsten Vertreterinnen ihres Genres wurde. Im Anschluss steigert eine weitere Band aus Berlin das Tempo: Die Skatepunks von ZKS beziehen mit oft offensiven Parolen Stellung gegen Faschismus und repressive Strukturen.

Am Abend jubeln dann 3500 Fans der Düsseldorfer Hip-Hop-Band Antilopen Gang zu, deren Rapper Party Panzer nach einem Bruch seines Ellbogens erstmals wieder auf der Bühne steht. Die Band nutzt ihre Beliebtheit für deutliche politische Botschaften, ohne dabei ihr Gespür für bösen Humor zu verlieren. Als "Outlaws" bezeichnen sich die Musiker gleich in einem ihrer ersten Songs, in dem sie Außenseitertum positiv besetzen und Idetifikationsangebote an alle machen, die sich aus irgendeinem Grund anders fühlen. "Das wird heute Abend ein Debakel im allerbesten Sinne", freuen sie sich. Und fügen grinsend hinzu: "Punk is dead - but Hip Hop is still ok." Auch die Antilopen Gang warnt vor Faschismus und Rechtspopulismus. Doch sie differenziert in der Ansage zu ihrem Hit "Beate Zschäpe hört U2", viele gefährliche Entwicklungen kämen aus der Mitte der Gesellschaft. "Max Mustermann zündet ein Flüchtlingsheim an", bringt der Song das auf den Punkt.

Angesichts solcher Kritik am Bürgerlichen fällt der eher ungewöhnliche Charme eines linksalternativen Festivals an einem Ort wie der Gilde Parkbühne um so mehr ins Auge. Neben dem dort üblichen Stand mit Erdbeerbowle, über den sich bei Schlagerkonzerten keiner wundert, parkt ein großer gelber Doppeldeckerbus, der über die Arbeit von Amnesty International informiert. Und auf Facebook machen sich Festivalbesucher über die Mitnahmeregeln für den Einlass lustig, die unter anderem nur einen Tetrapack mit maximal 300 ml zulassen - eine unübliche Größe: "Nehm ich jetzt einen mit Rote-Beete-Saft oder einen mit Kondensmilch mit?"

Die Stimmung ist trotz allem bestens, als die Punkband Feine Sahe Fischfilet die Bühne betritt, um den Abend abzurunden. Der Verfassungsschutz hat ein Auge auf die politisch kompromisslosen Musiker aus Mecklenburg-Vorpommern - unter anderem wegen Bekenntnissen wie diesem: "Antifaschismus ist für uns keine hohle Phrase. Es ist uns bewusst, dass die Neonazis, egal wie modern und bürgernah sie sich geben, barbarisch und menschenverachtend bleiben.“ Auch auf der Gilde Parkbühne nehmen die Punkmusiker kein Blatt vor den Mund: "Wir spielen für all die Leute, die sich dem räudigen Rechtsruck entgegenstellen, egal in welche Schublade die sich sortieren." Das hannoversche Publikum fühlt sich gemeint und ist sich einig in seiner lautstarken Zustimmung - und darin, noch eine lange, friedliche Party vor sich zu haben.

[Für den zweiten Festivaltag unter anderem mit Che Sudaka, Moop Mama und den Gastgebern Irie Révoltés erwartet der Veranstalter bis zu 4500 Gäste. Tageskarten sind noch an der Kasse vor Ort erhältlich.]

Von Thomas Kaestle

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