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Hannover Mehr als 600 Erzieherinnen kommen zur Ideenmesse
Nachrichten Hannover Mehr als 600 Erzieherinnen kommen zur Ideenmesse
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00:23 09.09.2018
„Sprachbildung ist ureigene Erzieheraufgabe“: Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht vor mehr als 610 Erziehern in der Niedersachsenhalle. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Das Interesse war groß: Mehr als 600 Erzieherinnen und Erzieher kamen am Donnerstag zum Auftakt des Kongresses zur frühkindlichen Sprachbildung im HCC – mehr als doppelt so viele, wie von den Organisatoren ursprünglich erwartet. In der Halle präsentieren sich landesweite Träger wie die Akademie für Leseförderung, das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung aus Osnabrück und die Niedersächsische Kinderturnstiftung, aber auch lokale – die Region Hannover mit ihren Qualifizierungsangebot „Wortschatz“, das Projekt „Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ aus Hildesheim, Sprach-Kitas aus Salzgitter und dem Emsland.

„Das sind alles für sich genommen tolle Ideen“, sagt eine Grundschullehrerin aus dem Braunschweiger Raum, „aber es fehlt das große, ganze Konzept dahinter, ein Plan des Landes, die Einrichtungen werden ziemlich allein gelassen.“ Bislang ist die Pädagogin für vorschulische Sprachförderung mit angehenden Erstklässlern in den Kindergarten gekommen. Jetzt ist sie wieder an der Schule im Einsatz.

Mehr als 30 Ideen zur Sprachbildung wurden bei dem Kongress vorgestellt. Quelle: Tim Schaarschmidt

Statt Lehrer sind jetzt Erzieher zuständig

„Sprachbildung ist seit Langem ureigene Erzieheraufgabe, die Mitarbeiter in den Kitas sind von Natur aus Experten für Sprache“, sagt Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD). Zum 1. August hatte sein Haus die vorschulische Sprachförderung in die Kitas verlagert, so wurden rund 500 Lehrerstellen frei, die zur Sicherung der Unterrichtsversorgung an den Grundschulen benötigt werden. Für die vorschulische Sprachförderung in den Kitas stellt das Land insgesamt 32 Millionen Euro zur Verfügung.

„Der Lehrermangel hat uns quasi in die Hände gespielt“, sagt Martina Kruse, pädagogische Leiterin vom Kirchenkreis Celle. Es sei richtig, dass die vorschulische Sprachförderung in die Kindergärten verlagert worden sei. Zuvor sei eine Lehrerin in die Einrichtung gekommen und habe mit einem Kind Sprachunterricht gemacht: „Das war Selektion, und genau das wollen wir nicht.“ Mechthild Kaul, Kitaleiterin aus Harsum (Kreis Hildesheim), betont: „Endlich bekommen wir Anerkennung, auch finanziell, für die Arbeit, die wir sowieso machen.“

„Bloß kein landesweit einheitliches Konzept“

Marianne Kaiser-Fuchs, die eine Kita im Kreis Friesland leitet, hält überhaupt nichts von einem landesweit einheitlichen Konzept, wie es sich die Braunschweiger Grundschullehrerin wünscht: „Dafür sind die Regionen viel zu unterschiedlich, ein Kind, das den Nachmittag mit seinem Vater oder Opa auf dem Trecker verbringt, hat doch etwas ganz anderes zu erzählen, als die Kinder, die sechs bis acht Stunden im Kindergarten sind, weil ihre Mutter den ganzen Tag arbeiten muss, um den Lebensunterhalt zu sichern.“ Und Jasmin Meiners aus Wilhelmshaven meint: „Es gibt Kinder, die wundern sich, warum man Milch im Laden einkauft, obwohl es dort gar keine Kuh gibt, und andere, die kennen nur Milch aus der Tüte, und wissen gar nicht, dass die von der Kuh stammt, und für beide Gruppen müssen wir die passende Sprachbildung machen.“

Wichtig sei es auch, die Eltern einzubeziehen. „Man merkt, ob zuhause viel gesprochen wird oder nicht.“ Aber anstatt sich darüber zu beklagen, was Eltern alles nicht mehr täten, sei es besser, den Dialog mit ihnen zu suchen, findet Kruse vom Kirchenkreis Celle. „Das Kind sagt uns, was es braucht.“ Wenn es lerne wolle, Schleifen zu binden, könne eine Erzieherin nicht sagen: „Das lernst du von deiner Mutter, warte, bis sie sich abholt.“ Sie müsse das Schleifen binden mit dem Kind üben.

Von Saskia Döhner

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