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Hannover Umstrittene Notunterkunft am Burgweg wird geschlossen
Nachrichten Hannover Umstrittene Notunterkunft am Burgweg wird geschlossen
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20:17 24.09.2018
Hannover - Die Paul Dohrmann Schule im Burgweg wird derzeit von Roma bewohnt und soll nun offenbar geräumt werden. - Foto Tim Schaarschmidt Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

  Die Stadt schließt eine der umstrittensten Obdachlosenunterkünfte: die Einrichtung für arme Zuwanderer aus Osteuropa in der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule am Burgweg 5 in Burg. Hauptgrund sind nach Angaben der Verwaltung erhebliche Mängel in der Gebäudesubstanz der unter Denkmalschutz stehenden Schule. In der Unterkunft leben hauptsächlich Sinti- und Roma-Familien. Wo sie künftig untergebracht werden, ist zumindest offiziell noch ungewiss, genauso wie das konkrete Datum des Umzugs. 

Das ist umso brisanter, weil gerade die Zustände am Burgweg 5 für heftige Diskussionen gesorgt haben. Der Geschäftsführer des Betreibers Fair Facility, Randolf Brand, nannte die Bewohner kaum integrierbare „Bettelclans“, die in einer „Parallelwelt“ lebten und sich zudem Mitarbeitern gegenüber aggressiv verhielten. Herumfliegender Müll sorge bei Anwohnern für zusätzlichen Stress.

Unklar ist bislang, wo die Familien hinziehen werden. In der Antwort der Verwaltung auf eine HAZ-Anfrage heißt es zwar schwammig, es sei „mittel- bis langfristig“ geplant, die Unterkunft aufzugeben. Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Auch Betreiber Fair Facility wollte sich auf Nachfrage nicht äußern. 

In einer Drucksache zum Thema Unterkünfte für Obdachlose, die derzeit durch die Gremien läuft, wird die Stadt aber deutlich konkreter. Noch 2018 sei Ersatz für den Burgweg 5 nötig, heißt es dort. Die Gebäudesubstanz sei in einem so schlechten Zustand, dass die dringendsten Instandsetzungsmaßnahmen mindestens 2  Millionen Euro kosten würden. Selbst nach so einer Sanierung handele es sich bei dem Gebäude aber immer noch um eine Schule, in der Bewohner mit bis zu acht Personen in einem Klassenzimmer leben müssten. Deshalb solle es aufgegeben werden. 

Die ebenfalls ins Gerede gekommenen Container mit Roma-Familien am nahegelegenen Burgweg 13 sind von den Schließungsplänen der Stadt nicht betroffen.

Die Verwaltung nennt in der Drucksache drei Unterkünfte, die in dem zur Verfügung stehenden Zeitfenster überhaupt nur geeignet sind, obdachlose Familien aufzunehmen: die Einrichtungen Am Bahndamm in Ahlem, Am Annateich in Kleefeld und Podbielskistraße 115 in Vahrenwald-List. Bemerkenswert ist: Die Podbielskistraße 115 bietet laut Drucksache 120 Plätze für obdachlose Familien. Am Burgweg 5 leben derzeit 119 Menschen, darunter 76 Kinder. 

Für die Unterkunft am Burgweg 5 gibt es überdies sogar schon ein Nachnutzungskonzept. Der Verein Transition Town, der dort derzeit ein Integrationsprojekt für Roma-Kinder betreibt, will dort eine sogenannte Sufi.Zen Schule gründen. Die „Schule der Genügsamkeit“ soll laut Thomas Köhler von Transition Town eine freie Schule für etwa 60  Kinder, einen Erwachsenenbildungs- und einen Akademiebereich umfassen. Sufi.Zen soll Pilotprojekt in Sachen Suffizienz werden – in der Nachhaltigkeitsforschung ist das ein Begriff für das Bemühen um einen möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch durch Konsumverzicht oder gar Askese.

Von Jutta Rinas 

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