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Hannover Stadt will „Flüchtlingsvilla“ wieder verkaufen
Nachrichten Hannover Stadt will „Flüchtlingsvilla“ wieder verkaufen
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00:15 11.11.2018
In der Heymesstraße 35 in Bemerode waren bis Anfang des Jahres unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Wer gerade mindestens 1,2 Millionen Euro erübrigen kann, ob als Privatperson oder Unternehmen, sollte ein aktuelles Angebot der Stadt Hannover betrachten. In guter Lage, der Heymesstraße 35 in Bemerode, stehen rund 2000 Quadratmeter zum Verkauf. Auf dem Eckgrundstück gegenüber einem breiten Grünstreifen und anschließendem Südschnellweg befindet sich ein 1958 gebauter Winkelbungalow mit ausgebautem Dachgeschoss und insgesamt 14 Zimmern. Aus den Fenstern blickt man auf einen sehr großen Garten mit üppigem Grün.

Um diese Adresse gab es vor zwei Jahren etliche Diskussionen, die über den Stadtteil und Hannover hinaus wiesen. Unter dem Druck, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen zu müssen, kaufte die Stadt einem Privatmann Haus und Grundstück ab. 1,6 Millionen Euro zahlte die Kommune für das Paket. Dieser Kauf machte schnell die Runde, im Internet empörten sich rechtsextreme Portale über angebliche Unterbringung im Luxus, auch in der Stadt war von einer „Flüchtlingsvilla“ die Rede.

Tatsächlich lebten im Bungalow zeitweise 16 junge Männer, allerdings nicht im behaupteten Luxus. In ihrer Ausschreibung listet die Stadt zahlreiche Mängel im Bungalow auf: störanfällige Heizung, sanierungsbedürftige Bäder mit Schimmelbildung und Wasserschäden, wartungsintensive Elektroinstallationen, Risse an Innen- und Außenwänden sowie eine Dachterrasse, die aus statischen Gründen nicht zu nutzen ist. Plötzlich, im März 2018 zogen dann die verbliebenen zehn Bewohner aus, nachdem sie Plätze in einer Flüchtlingsunterkunft erhielten.

Nun bietet die Stadt Bungalow und Grundstück wieder zum Verkauf an. Ob das Geschäft Verluste bringt oder doch noch Gewinn für den kommunalen Haushalt abwirft, ist offen. 1,2 Millionen Euro versteht man im Rathaus als Mindestgebot im Bieterverfahren, den Zuschlag soll das höchste Gebot bekommen. Doch warum hat die Stadt trotz gestiegener Grundstücks- und Immobilienwerte den Einstiegspreis um 400.000 Euro niedriger angesetzt als die eigene Kaufsumme? Ein Sprecher erklärt es so: „Das Objekt muss für jede Nutzung vom Erwerber umgebaut werden, unter Umständen recht aufwendig.“ Verändert werden müssten Umbauten, die die Stadt nach dem Kauf vorgenommen habe, so wurde etwa ein zweiter Rettungsweg angelegt.

Käufer sind an den gültigen Bebauungsplan gebunden, er sieht ein reines Wohngebiet mit Einzel- oder Doppelhäusern vor. Das war schon immer so, bis die Stadt in einem eiligen Verfahren 2016 den Nutzungsplan für das Grundstück gegen den Willen von Anwohnern änderte, um überhaupt Flüchtlinge unterbringen zu können. Nach diesem Ratsbeschluss waren in dem Haus auch soziale Projekte erlaubt.

Ähnliches soll nun offenkundig ausgeschlossen werden. In der Ausschreibung wird ausdrücklich erwähnt, dass in der Heymesstraße 35 künftig „eine Nutzung für ein soziales Projekt ... nicht möglich“ sei. Bernd Rödel (SPD), Bezirksbürgermeister für Kirchrode-Bemerode-Wülferode, erinnert daran, dass manche Bürger vor der Belegung mit jungen Flüchtlingen Vorbehalte hatten, „als die Jugendlichen da waren, gab es aber keine Probleme“. Die CDU hatte einmal angeregt, im Bungalow weibliche Obdachlose unterzubringen.

Von Gunnar Menkens

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