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Hannover Starb Unfallopfer durch Fehler an der MHH?
Nachrichten Hannover Starb Unfallopfer durch Fehler an der MHH?
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00:43 03.06.2018
Ein Eheppar starb durch den Unfall auf der A 7. Quelle: Christian Elsner
Hannover/Burgwedel

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) steht im Verdacht, durch mehrere Behandlungsfehler für den Tod eines schwer verletzten Unfallopfers mit verantwortlich zu sein. Das ist am Donnerstag bei einem Gerichtsverfahren im Amtsgericht Burgwedel bekannt geworden. Dort musste sich die Unfallverursacherin wegen zweifacher fahrlässiger Tötung verantworten, verurteilt wurde sie nur wegen fahrlässiger Tötung in einem Fall. Denn ein medizinischer Sachverständiger hat in dem Prozess deutlich gemacht, dass die schwer verletzte Frau vermutlich noch leben würde, wenn sie in der MHH eine richtige Behandlung erhalten hätte.

Im Mai vergangenen Jahres hatte eine damals 36-jährige Fahrerin eines Mercedes Vito einen Stau auf der A7 zwischen Mellendorf und Berkhof zu spät bemerkt. Deshalb zog die Frau ihren Wagen von der linken auf die mittlere Spur, dort kollidierte der Vito mit dem Mazda eines älteren Ehepaares. Der Mazda überschlug sich und prallte in das Heck eines Sattelzuges. Während die Mercedes-Fahrerin leicht verletzt wurde, starb der 76 Jahre alte Fahrer des Mazda noch an der Unfallstelle, seine ein Jahr jüngere Frau wurde mit dem Rettungshubschrauber in die MHH geflogen. Dort starb sie vier Stunden später.

Gutachter spricht von „grobem Fehler“

Bei der Notfallbehandlung der Frau in der MHH habe es mehrere „Auffälligkeiten“ gegeben, berichtete Gutachter Prof. Georg von Knobelsdorff in dem Prozess. Die Frage des Richters, ob die Patienten bei richtiger Behandlung hätten gerettet werden können, beantworte der Chefarzt der Intensivmedizin am Hildesheimer St. Bernwards-Krankenhaus mit „vermutlich ja“. Weil die behandelnden Ärzte nicht erkannt hatten, dass die Frau Blutverdünner nimmt, sei ein „grober Fehler“ gewesen. Ohne diesen Fehler wäre ihre Überlebenschance „deutlich höher“ gewesen. „Sie ist langsam verblutet“, betonte der Gutachter.

Wegen Herzrhythmusstörungen war die Frau auf Blutverdünner angewiesen. Das sei von den behandelnden Ärzten offenbar nicht abgefragt worden, obwohl die Frau nach dem Unfall ansprechbar gewesen sei, berichtete Prof. von Knobellsdorff. Zudem hätten drei Messungen ein massives Absacken der Werte für rote Blutkörperchen ergeben, das sei ein klares Zeichen für Blutungen gewesen. Bei Wiederbelebungsversuchen sei es dem behandelnden Chirurgen zunächst nicht gelungen, einen Beatmungstubus in der Luftröhre zu setzen. Daraufhin übernahm eine Notfallmedizinerin die Patientin. Diese setzte den Tubus laut Gutachter in die Speiseröhre statt in die Luftröhre.

Die MHH konnte sich am Donnerstag zu dem Fall nicht äußern. Die Angelegenheit sei dort bisher nicht bekannt, sagte Sprecher Stefan Zorn. Unklar ist, ob der Fall juristische Folgen für die behandelnden Ärzte hat.

Das Gericht verurteilte die Unfallverursacherin zu acht Monaten auf Bewährung und einen dreimonatigem Fahrverbot. Sie muss zudem 4500 Euro an die Kindernothilfe zahlen.

Von Frank Walter und Mathias Klein

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