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Hannover „Dürfen die Oppositionsführung nicht Gauland überlassen“
Nachrichten Hannover „Dürfen die Oppositionsführung nicht Gauland überlassen“
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00:18 27.09.2017
Die SPD plakatiert noch am Abend der Bundestagswahl für die bevorstehende Landtagswahl um. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Herr Weil, ist das ein schwarzer Sonntag für die SPD?

Das ist sicherlich einer der schlechtesten Tage in unserer Parteigeschichte, da muss man nicht lange herumreden.

In drei Wochen steht der nächste Härtetest bevor, die Landtagswahl. Wie will die SPD hier das Steuer herumreißen, die Stimmung wenden?

Die Situation in Niedersachsen macht mir an diesem Abend gar nicht einmal die größten Sorgen. Wir hatten ein schlechtes Ergebnis in Berlin gewissermaßen eingepreist. In Niedersachsen ist das Rennen völlig offen. Die letzten Umfragen haben gezeigt, dass die Menschen sehr wohl zu unterscheiden wissen zwischen Bundestags- und Landtagswahl, übrigens auch zwischen der Wahl einer Bundeskanzlerin und eines Ministerpräsidenten. Meinen politischen Freunden ist sehr bewusst, dass es jetzt darum geht, für die SPD insgesamt ein Gegenzeichen zu setzen, eines der Ermutigung.

Der große Wahlsieger heute Abend ist die AfD. Was kann die SPD tun, um diese Protestpartei wieder kleiner zu bekommen?

Wir müssen zwar eine harte kompromisslose Auseinandersetzung mit der AfD führen. Aber man muss differenzieren zwischen der Partei AfD und ihren Wählern. Viele Bürgerinnen und Bürger haben mit der Wahl der AfD den etablierten Parteien ein Signal des Protestes senden wollen. Es wird an uns liegen, dieses Signal zu verstehen und Vertrauen zurückzugewinnen.

Was haben die etablierten Parteien denn versäumt?

Es gibt ein weitverbreitetes Unbehagen, was die Distanz zwischen Regierten und Regierenden betrifft. Es ist in erster Linie eine Aufgabe der gesamten Politik, diese Distanz zu verringern.

Alles zur Bundestagswahl 2017 finden Sie auf unserer Themenseite.

Kann die SPD noch einmal in eine Große Koalition gehen?

Nein, davon rate ich dringend ab. Beide Regierungsparteien haben herbe Verluste. Das Wahlergebnis zeigt deutlich, dass die Große Koalition in Berlin abgewählt ist. Wir werden jetzt in die Opposition gehen müssen, um mit geradem Kreuz wieder aus dieser schwierigen Lage herauszukommen. Wir dürfen die Oppositionsführung doch nicht einem Herrn Gauland und seinen Freunden überlassen.

Interview: Michael B. Berger

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