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Hannover Straßennamen: Bürgermeister nimmt Beirat in Schutz
Nachrichten Hannover Straßennamen: Bürgermeister nimmt Beirat in Schutz
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00:17 10.11.2018
Nimmt den Beirat gegen „würdelose und persönlich diffamierende“ Angriffe in Schutz: Bürgermeister und Ratsvorsitzender Thomas Hermann (links), hier mit OB Stefan Schostok. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Im Konflikt um die Umbenennung von Straßennamen ist die Stimmung aufgeheizt, bei Bürgern und in der Politik. FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke hat dem von der Stadt eingesetzten Beirat jetzt in einem Facebook-Beitrag vorgeworfen, „Streit und Zwietracht“ in der Stadt zu säen, und empfohlen, sie mögen sich lieber ins Privatleben zurückziehen: „Wie wär´ mit Boccia oder so?“ Der ehrenamtliche Bürgermeister Thomas Hermann (SPD) hat sich am Mittwoch in einem Schreiben an den Beirat dafür entschuldigt.

Mit „Bestürzung und Betroffenheit“ habe er von den „würdelosen und persönlich diffamierenden“ Einlassungen Engelkes gelesen, schreibt Hermann in dem Brief. Er erinnert daran, dass der Verwaltungsausschuss des Rates den Beirat 2013 ohne Gegenstimme eingesetzt habe, damals hatte es nur eine Enthaltung gegeben.

Der Beirat ist beauftragt worden, Empfehlungen zu fast 600 Straßennamen und anderen Ehrungen zu geben, die nach Persönlichkeiten benannt sind, die während der Nazi-Zeit volljährig waren. Anfang November hatte das Gremium seinen Abschlussbericht vorgelegt, in insgesamt 17 Fällen empfiehlt er die Umbenennung. Entscheiden müssen darüber am Ende die politisch gewählten Vertreter der Stadt, in der Regel die Bezirksräte.

Hermann schreibt, dass die kontrovers geführte Debatte um Straßennamen gezeigt habe, dass „eine wissenschaftlich fundierte und differenzierte Diskussion des Wirkens von Persönlichkeiten im Kontext ihrer Zeit längst überfällig“ gewesen sei. Fünf Jahre lang habe der Beirat das ehrenamtlich geleistet, wofür Hermann als Vorsitzender des Rates danke.

Zuvor hatten sich in der „Neuen Presse“ bereits Mitglieder des Beirats geäußert. Michael Fürst, Landesvorsitzender der jüdischen Gemeinden, fand Engelkes Facebook-Beitrag „verletzend und unter der Gürtellinie“. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann zeigte sich enttäuscht, dass „die Arbeit des Beirats lächerlich gemacht wird.“

Engelke hatte mit Verweis auf das Alter vieler Beiratsmitglieder geschrieben, sie könnten auch „anderes, Sinnvolles tun“, und dann: „Wie wär´ mit Boccia oder so? Ist gesund, hält fit und stört den Stadtfrieden nicht.“

Dem Beirat gehörten anfangs zehn Mitglieder an, drei sind ausgeschieden. Insgesamt hat es 24 Sitzungen gegeben. Die Leitung liegt im Kulturdezernat, fachlich unterstützt Karljosef Kreter, Leiter des städtischen Arbeitsbereichs Erinnerungskultur.

Von Conrad von Meding

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