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Hannover So half die HAZ Menschen durch den Streik
Nachrichten Hannover So half die HAZ Menschen durch den Streik
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00:46 15.04.2018
Im HAZ-Taxi: Nils Oehlschläger unterwegs mit Maren Nowak.
Hannover

Wie er zur Arbeit kommen sollte, wusste Christopher Knopp am Abend vor dem Streik nicht. An einem normalen Tag hätte er die Stadtbahn nach Groß-Buchholz genommen, aber die sollte nicht fahren. Auf Facebook wurde er dann aber fündig: Auf der Seite „HAZ-Mitfahrzentrale“ zum Streik in Hannover“ bot sich eine Mitfahrgelegenheit, und der 29-Jährige ergatterte die erste Fahrt des Tages.  

Um 7.30 Uhr stieg er am Küchengarten in Linden in das HAZ-Mobil, gesteuert von Volontär Nils Oehlschläger. Und was hätte er getan, wenn sich diese Möglichkeit nicht geboten hätte? „Vielleicht frei gemacht“, scherzt der 29-Jährige. „Nein, ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Vielleicht hätte ich meinen Mitbewohner gefragt.“ 

Ärgern tut er sich über den Streik aber nicht. „Im Prinzip stört es mich nicht besonders“, sagt der Betriebswirt. Da er aber erst vor wenigen Wochen aus Göttingen nach Hannover gezogen sei, kenne er sich in der Stadt noch nicht so gut aus. Das habe er schon bei dem Streik vor einem Monat gemerkt – und dort ebenfalls glücklicherweise eine Mitfahrgelegenheit gefunden. Am Gebäude der Tui muss er aussteigen. „Wenn das nächste Mal Streik ist, melde ich mich wieder bei euch“, sagt er und verschwindet im Gebäude. 

Am Spannhagengarten in der List wartet dann Sarah Bercht auf das Pendler-Taxi der HAZ. Sie hätte erstmal alt ausgesehen, wenn sich diese Möglichkeit nicht geboten hätte, freut sich die 26-jährige wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für physikalische Chemie der Leibniz Universität Hannover. Sie hätte sonst versucht, sich das Auto ihrer Eltern zu besorgen, sagt sie. „Aber die wohnen in der Region.“ Der Streik ärgere sie gar nicht, sagt sie. „Das ist deren gutes Recht. Und es gibt ja auch andere Möglichkeiten, von A nach B zu kommen, wie man sieht.“ 

Der zweite Fahrgast am Spannhagengarten sieht das ganz anders. Schlecht gelaunt schlurft der 28-jährige Francesco Maida über den Bürgersteig. „Es ist einfach unnötig“, sagt er. „Die Aktion nervt mich mega. Das ist eine echte Frechheit.“ Auf dem Weg in die Innenstadt keimt eine angeregte Diskussion im Auto auf. Sie beginnt bei der Vergütung für Stadtbahnfahrer und wandert dann zu einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle Bürger. Am Raschplatz muss Maida aussteigen, er will ein paar Erledigungen in der Stadt machen. In der Nordstadt verlässt dann Bercht das Auto, um ihre Studenten zu betreuen. 

Etwas weiter nördlich in Bothfeld macht gegen 11.15 Uhr die Bäckerin Maren Nowak Feierabend und steigt in das HAZ-Pendler-Taxi. Für den Hinweg ist sie noch einen Tick früher aufgestanden, als sie es sowieso schon tun muss, um aus Oberricklingen einmal durch die Stadt zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen. Gegen 4 Uhr in der Früh kam das Taxi und brachte sie für 33 Euro in die Bäckerei. „Beim letzten Streik waren es sogar 43 Euro“, sagt die 32-Jährige. Da sei der Taxifahrer allerdings über den Schnellweg gefahren. 

Hätte sich für die Rückfahrt keine Mitfahrgelegenheit aufgetan, wäre sie aus Bothfeld zum S-Bahnhof Langenhagen-Mitte gelaufen. Auf etwa eine Stunde und 15 Minuten schätzt sie die Dauer des Marschs. Ausgestiegen wäre sie dann am Bahnhof Linden-Fischerhof, um von da aus noch einmal eine halbe Stunde zu ihrer Wohnung zu laufen. Sie habe Verständnis dafür, dass die Arbeitnehmer mehr Lohn forderten. „Aber nicht über alle Maßen und auf Kosten anderer“, sagt sie. Es müsste ein Kompromiss gefunden werden.

Von Nils Oehlschläger

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