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Hannover Autofahrer blockiert 15 Minuten eine Fahrspur
Nachrichten Hannover Autofahrer blockiert 15 Minuten eine Fahrspur
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00:19 04.08.2018
Verteidiger Nils Ludewig (l.) erklärte, Burhan B. habe "überreagiert". Quelle: Michael Zgoll
Hannover

Stress im Straßenverkehr lässt Menschen, die normalerweise recht friedliche Gesellen sind, gelegentlich zu wahren Radaubrüdern werden. Einen 40-jährigen Stöckener kostete eine Unbeherrschtheit von immerhin zwanzigminütiger Dauer 500 Euro Geldstrafe und ein einmonatiges Fahrverbot. Amtsrichterin Alena Fischer verurteilte Burhan B. wegen Nötigung und Beleidigung: Der Ford-Fahrer hatte sich auf der Celler Straße unter der Eisenbahnbrücke eine Viertelstunde vor einem Mercedes aufgebaut und das darin befindliche Paar an der Weiterfahrt gehindert.

Begonnen hatte die Kabbelei zwischen den Autofahrern an einem Juninachmittag 2017 in der Arndtstraße Richtung Vahrenwald. Der Ford-Fahrer, auf dem Beifahrersitz seine Frau, ärgerte sich, weil ihm der vor ihm stehende Mercedes zwischen Striehl- und Herschelstraße den Schwenk auf die rechte Fahrspur verwehrte; wäre der Mercedes in der Schlange vor der roten Ampel ein Stück vorgefahren, hätte der Ford rechts vorbeigepasst. So aber stieg Burhan B. aus, klopfte an die Seitenscheibe des anderen Wagens und beschimpfte den Mann am Steuer. „Fahr weiter, Du Arschloch“, war eine der unschönen Formulierungen. Der Mercedes-Fahrer hatte auf seinem Armaturenbrett eine Dashcam montiert, die er umdrehte und den Wüterich zu seiner Linken sowie das folgende Geschehen filmte.

Die Ampel wurde grün, die Fahrzeuge setzten sich in Bewegung. Doch nun heftete sich B. an die Fersen des Mercedes, folgte ihm über die Hamburger Allee und stellte ihn in der Celler Straße kurz vor der Herschelstraße. Während die Kreuzungsampel Rot zeigte, stieg der Stöckener aus seinem Auto aus und baute sich vor der Limousine mit dem Stern auf. Auch seine Frau stand ihm dabei vorübergehend zur Seite. B. rief bei der Polizei an und forderte, sie müsse anrücken. „Ich wollte, dass der Mercedes-Fahrer die Videoaufnahmen löscht, vorher sollte er nicht wegfahren“, erklärte der Heißsporn vor Gericht. Dass sich andere Autofahrer nun mühsam an den eine Fahrbahn blockierenden zwei Wagen vorbeiquetschen mussten, kümmerte B. nicht. Als sich nach einer Viertelstunde aber immer noch kein Beamter an der Blockadestelle blicken ließ, fuhren die Streithähne zum Polizeirevier Herschelstraße und gaben den Fall dort zu Protokoll.

Im Strafprozess schauten sich die Verfahrensbeteiligten den Film an, den die Dashcam aufgezeichnet hatte. Wunderbar zu sehen war, wie sich B. vor dem Mercedes aufbaute, gestikulierte und telefonierte. Richterin Fischer hielt dem Angeklagten vor, er habe in „Wildwestmanier“ agiert. Verteidiger Nils Ludewig erklärte, sein Mandant habe zweifelsfrei „überreagiert“. Und B. selbst bekannte, an jenem Junitag „hochaggressiv“ aufgetreten zu sein. Hintergrund sei gewesen, dass er sich zuvor mit seiner Frau über die Hochzeit einer ihrer Töchter gestritten habe und eh schon in Fahrt gewesen sei.

Das Verfahren gegen die Ehefrau, die bei der Straßenblockade eher als Mitläuferin auftrat, wurde wegen Geringfügigkeit eingestellt. Hartz-IV-Empfänger B., bislang zweimal wegen Sachbeschädigung und Betrugs zu Geldstrafen verurteilt, muss sich allerdings darauf einstellen, dass im Bundeszentralregister bald ein dritter Eintrag über 50 Tagessätze à 10 Euro auftauchen wird.

Von Michael Zgoll

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