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Hannover Streit um Wasserstadt: Hannover hat ein Führungsproblem
Nachrichten Hannover Streit um Wasserstadt: Hannover hat ein Führungsproblem
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00:16 04.12.2018
Das alte Conti-Gelände in Limmer. Quelle: Droese
Hannover

Wer ist schuld im neuen Streit um die Wasserstadt, in dem sich der Stadtbaurat und Investor öffentlich mit Vorwürfen überziehen? Ein Gericht soll jetzt klären, ob die Stadt ein Konto des Unternehmers pfänden durfte. Dabei geht es eigentlich um eine viel grundsätzlichere Frage: Warum geht nicht endlich voran mit dem aktuell wichtigsten Wohnungsbauprojekt Hannovers, das zwar nicht so groß ist wie der Kronsberg, aber längst weiter sein müsste.

Fakt ist: Sogar Bauanträge aus dem Juni sind im Bauamt in fünf Monaten noch nicht fertig abgearbeitet. Erst in dieser Woche hat Stadtbaurat Uwe Bodemann im Rat beteuert, dass sein Amt trotz aller Personal- und Organisationsprobleme Tempo mache und stadtweit 80 Prozent aller Bauanträge in drei Monaten bearbeitet habe. Ausgerechnet beim wichtigen Wohnbauprojekt im Südwesten aber wird diese Frist mal wieder deutlich überschritten. Dabei geht es in den aktuellen Anträgen noch gar nicht um die konfliktträchtigen Altbauten, die Papenburg gerne abreißen und der Denkmalschutz gerne erhalten würde. Es sind ganz normale Wohnungsbauten auf dem – zugegebenermaßen schwierigen – Areal einer Industriebrache, deren Sanierung sich nun schon seit 16 Jahren qualvoll hinzieht. Warum nur gehen die Baugenehmigungen dort jetzt schneller?

Unternehmer Günter Papenburg ist, das weiß man, ein Schlitzohr und Heißsporn, und er wäre als Unternehmer wohl nicht so groß geworden, wenn er nicht auf seinen Vorteil bedacht wäre. Wahrscheinlich muss man von seinen öffentlich vorgetragenen Vorhaltungen daher einige Prozent abziehen. Im Kern aber entspricht das, was er formuliert, dem Tenor vieler Bauherren aus Hannover. Projekte gehen zu langsam, Nachforderungen zu eingereichten Bauanträgen kommen tröpfchenweise und sind meist so terminiert, dass zwar gesetzliche Fristen eingehalten werden, die Bauprojekte sich aber verzögern. Das ist ärgerlich, denn ein Bauamt ist zwar auch eine wichtige Aufsichtsbehörde, vor allem aber erstmal Dienstleister für Bauherren, die in dieser Stadt Geld in Immobilienprojekte stecken. Gerade in Zeiten von Wohnungsmangel muss der Stadt daran gelegen sein, Wohnbauinvestoren eher den Weg zu ebnen als Steine vor die Füße zu werfen.

Warum wird die Angelegenheit nicht zur Chefsache?

In jeder Kommune würden sich Investoren, die ein Problem mit der Bearbeitung ihres Anliegens haben, an den Chef wenden. Und der würde, wenn er Handlungsbedarf erkennt, die Angelegenheit schnell zur Chefsache machen. Doch ausgerechnet da hat Hannover derzeit ein Dilemma. Die Konflikte der Rathausaffäre um illegale Gehaltszulagen und Missmanagement in der Personalorganisation haben dazu geführt, dass Oberbürgermeister Stefan Schostok als Problemlöser ausfällt. Intern ist er inzwischen zu sehr geschwächt, um mit starken Dezernenten wie Bodemann Tacheles zu reden. Und extern will sich kaum einer auf jemanden verlassen, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt und der möglicherweise bald ein Chef auf Abruf ist.

An immer mehr Punkten wird deutlich, wie sehr die Rathausaffäre Hannover lähmt. Es wird Zeit, dass die Quälerei endlich ein Ende hat.

Hannovers Wasserstadt

Im Norden Limmers entsteht Hannovers neues Wohnquartier: Bis zu 3500 Menschen sollen in der zukünftigen Wasserstadt leben. HAZ-Volontäre begleiten das Projekt über Jahre – vom Bagger bis zum Einzug.

Von Conrad von Meding

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