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Hannover TV-Bericht enthüllt neue Details zum Fall der Doppelmörderin Christine S.
Nachrichten Hannover TV-Bericht enthüllt neue Details zum Fall der Doppelmörderin Christine S.
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01:15 01.12.2018
Quelle: Archiv
Hannover

In einem spektakulären Indizien-Prozess vor rund zehn Jahren wurde die in Hannover geborene Studentin Christine S. von einem Gericht im schwedischen Västeras zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter hatten keinen Zweifel, dass S. in der Kleinstadt Arboga aus Eifersucht die Kinder der neuen Lebensgefährtin ihres Ex-Freundes mit einem Hammer erschlagen und die Mutter der Kinder lebensgefährlich verletzt hatte. Eine neue TV-Dokumentation zeigt jetzt auf, dass es bis heute Zweifel an den Indizien gibt, die zur Verurteilung der Studentin geführt haben.

In dem Film „Schuldig in Schweden“, der am Donnerstag auf ZDF Info und in der Mediathek des Senders zu sehen ist, kommen auch die Rechtsanwälte von Christine S., Björn Hurtig und Matthias Waldraff, ausführlich zu Wort. Beide arbeiten seit Jahren gemeinsam daran, dass der Fall neu verhandelt wird. „Der Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens steht unmittelbar vor der Einreichung“, sagt Waldraff der HAZ. Die Strafverteidiger haben, eigenen Angaben zufolge, neue, bislang nicht bekannte, Beweise zusammen getragen, die eine Wiederaufnahme rechtfertigen.

Zweifel an den Indizien, die zur Verurteilung führten

In dem Fernsehbeitrag legen die Juristen aber auch dar, wie ungenau die Ermittlungen der schwedischen Polizei damals geführt worden sind. Am Tatort war ein Schuhabdruck der Marke Vans gefunden worden. Die Ermittler ordneten diesen Abdruck Christine S. zu, weil sie nachweisen konnten, dass die Studentin Schuhe dieses Herstellers besessen hatte. Die Verteidiger stießen bei ihren Recherchen aber auf eine weitere Schuhmarke mit ähnlichem Profil. Zudem haben sie Zweifel an den Aufnahmen der Überwachungskameras im Bahnhof von Arboga. Die Ermittler sind sich sicher, dass sie die Studentin zeigen. „Auf den Bildern ist eine dunkel gekleidete Gestalt zu erkennen. Zeugenaussagen zufolge soll unsere Mandantin am Tag der Tat aber eine beige Jacke getragen haben“, sagt Björn Hurtig.

Der Fall Christine S.

Am 17. März 2008 machte Torgny H. gegen 19.20 Uhr in einem Haus in der schwedischen Kleinstadt Arboga eine schreckliche Entdeckung. Er fand seine Lebensgefährtin Emma blutüberströmt, die beiden Kinder der Frau leblos im Flur des Einfamilienhauses. Für die Kinder Max und Saga kam jede Hilfe zu spät. Emma hatte großes Glück und überlebte. Die Ermittlungen der Polizei und der Rechtsmediziner ergaben, dass die Verletzungen mit einem hammerartigen Gegenstand verursacht worden waren.

Die schwedischen Mordermittler verdächtigten zunächst den ehemaligen Lebensgefährten von Emma des brutalen Verbrechens. Er hatte zuvor bereits Drohungen gegen die Kinder ausgesprochen, konnte aber ein wasserdichtes Alibi vorweisen. Die weiteren Ermittlungen führten die Polizei zu der Studentin Christine S. aus Hannover. Sie hatte Torgny H. im Griechenland-Urlaub kennengelernt und war erst kurz vor der Tat nach Stockholm gezogen. Die Ermittler gingen davon aus, dass S. aus verschmähter Liebe und Eifersucht Emma und die Kinder attackiert hatte. In einem spektakulären Indizienprozess wurde Christine S. zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute fehlt die Tatwaffe. Am Tatort konnten keine DNA-Spuren der Studentin festgestellt werden. Ein Geständnis von Christine S. liegt bis heute nicht vor. Im Gegenteil: Sie bestreitet die Vorwürfe und will eine Wiederaufnahme des Verfahrens erreichen.

Christine S. sitzt ihre Strafe in der Justizvollzugsanstalt in Vechta ab. Obwohl sie in Schweden verurteilt worden ist, gilt, was die Dauer ihrer Haft betrifft, deutsches Recht. Das bedeutet, dass nach dem Ablauf von 15 Jahren zum ersten Mal geprüft werden darf, ob sie aus dem Gefängnis entlassen werden kann. Die Entscheidung des zuständigen Gerichts hängt auch davon ab, ob von der heute 41-Jährigen noch eine Gefahr ausgeht oder nicht. Das Film-Team hat Christine S. in der JVA zu einem zweistündigen Gespräch getroffen. Sie habe einen ruhigen und unauffälligen Eindruck gemacht, heißt es in dem Beitrag.

Von Tobias Morchner

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