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Hannover So schön haben Künstler den Bunker in Hainholz ausgebaut
Nachrichten Hannover So schön haben Künstler den Bunker in Hainholz ausgebaut
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00:17 12.09.2018
Ein Produkt jahrzehntelanger Arbeit: Der Kulturbunker in Hainholz Quelle: Samantha Franson
Hannover

 Der Tag des offenen Denkmals hat einen neuen Rekord aufgestellt. Nach Auskunft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz haben am Sonntag deutschlandweit fast 8000 Einrichtungen ihre Pforten geöffnet, wurden tausende von Führungen angeboten. In Hannover standen prominente Kirchen wie Markt-, Christus- oder Gartenkirche auf dem Programm. Auch den Beginenturm oder den Bücherturm in der Stadtbibliothek besuchten viele Menschen, bekommt man am Tag des Denkmals doch oft Räume zu sehen, die sonst verschlossen sind.

Wer reiselustig war, konnte so manches Kleinod in den Städten und Dörfern der Region entdecken, oder er landete in einer ganz speziellen Immobilie in Hainholz – dem Kulturbunker.

Die Reaktionen der Besucher, die den 1943 erbauten Luftschutzbunker zum ersten Mal sehen, sind jedes Mal gleich: erst bass erstaunt, dann begeistert. Wie der Künstler Max Dans (74) das Betonmonster mithilfe seiner Frau Margarete Holtewert (69) in den vergangenen 30 Jahren in eine Wohn- und Kunstoase verwandelt hat, verdient größten Respekt. Auch die Nachbarn, die anfangs skeptisch waren, ob ein Schöngeist einen derartigen Koloss mit Leben erfüllen kann, sind inzwischen stolz auf das einzigartige Bauwerk in ihrem Viertel. Diverse Balkone umrunden den Bunker auf mehreren Etagen, große Fenster lassen viel Licht hinein und an den teilweise begrünten Fassaden hängen mannigfaltige Kunstwerke. Im Inneren stößt man auf vier außergewöhnliche Wohnungen (in denen weitere Künstler wohnen), zwei Tonstudios, einen Gemeinschaftsraum mit Küche – und noch mehr Bilder und Plastiken. Auch Lesungen und Konzerte finden hier gelegentlich statt.

In jahrelanger Arbeit haben Max Dans und Kunstlehrerin Margarete Holtewert – mithilfe von Freunden – 500 Tonnen Schutt aus der Betonburg herausgeschafft, 72 Luftschutzzellen in 650 Quadratmeter attraktiven Wohnraum verwandelt und sogar Galerien über zwei Etagen eingezogen. Die Materialien der Inneneinrichtung sind großteils gebraucht, wurden von dem gelernten Bergbauschlosser vor dem Schrottplatz gerettet. Eine „begehbare Monumentalskulptur“ nennt der 74-Jährige sein Werk. Er selbst wohnt in zwei Bauwagen, die auf dem Dach und im Garten des Bunkers stehen. Dort ist auch der Trecker geparkt, mit dem Dans in den Achtzigern sieben Jahre lang als Künstler durch Europa tingelte.

Der größte Wunsch des Besitzers ist, dass der Kulturbunker offiziell unter Denkmalschutz gestellt wird. Denn dieser Status fehlt dem Gemäuer noch – auch wenn es sich diesen Sonntag in eine Reihe von knapp 8000 Denkmalen einreihen durfte.

Von Michael Zgoll

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