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Linda Zervakis liest – und lässt Ouzo verteilen

Buchvorstellung Linda Zervakis liest – und lässt Ouzo verteilen

Linda Zervakis ist als Sprecherin der Tagesschau bekannt. Die Tochter griechischer Eltern hat allerdings auch ein Buch über ihre Kindheit im Kiosk ihrer Eltern in Hamburg und ihren Werdegang geschrieben. Im Pavillon hat  sie aus "Königin der Bunten Tüte" gelesen.

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Im Pavillon liest Linda Zervakis aus "Königin der bunten Tüte".

Quelle: Franson

Hannover. Linda Zervakis fühlte sich hässlich. Wie viele junge Mädchen, denen man das später nicht mehr ansieht, dann, wenn sie groß, erfolgreich, souverän und eben einfach auch gutaussehend sind. Als Kind fürchtete die heutige „Tagesschau“-Sprecherin, zu unansehnlich für das Gymnasium zu sein, als Kind griechischer Gastarbeiter zwischen Arztsöhnen und Anwaltssprösslingen. Um die Mitschüler aus besseren Verhältnissen dennoch von sich einzunehmen, kommt ihr eine Idee: Aus dem elterlichen Kiosk bringt sie am ersten Schultag Süßigkeiten für alle mit. Daher auch der Titel ihres Buchs: „Königin der Bunten Tüte“, das sie am Dienstagabend im Pavillon vorgestellt hat.

Mitten in der Lesung pausiert die Griechin und lässt Ouzo unter den 300 Zuschauern verteilen. Das Publikum dankt, nötig ist die Bestechung aber nicht. Schon als Zervakis pünktlich um 20 Uhr die Bühne betritt und den Satz sagt, mit dem sie regelmäßig Millionen Zuschauer zur Hauptausgabe der ARD-Nachrichten begrüßt – „Guten Abend, meine Damen und Herren“ –, da hat sie das Publikum schon auf ihrer Seite. Ein wenig außer Puste nach den vier Treppenstufen zur Bühne muss sie über sich selbst lachen, und das wirkt nicht gekünstelt, sondern ganz authentisch. So geht es in den kommenden knapp zwei Stunden weiter: In den kurzen ernsten Momenten ihrer Erzählungen spricht Zervakis leise, nimmt das Tempo raus. Dann wird sie wieder lauter und schneller. Sie imitiert ausgelassen nicht nur den griechischen Akzent der Verwandten, sondern auch den Hamburger Dialekt von Otto, einem Stammkunden im elterlichen Kiosk. Als Zervakis von einem anderen Stammkunden berichtet, den sie und die beiden Brüder nur den „Stinker“ nannten, klemmt sie sich eine Wäscheklammer auf die Nase.

Das Publikum staunt, denn ihr Imitations- und Schauspieltalent kann Zervakis in den betont seriösen ARD-Nachrichten viel zu wenig zeigen. Seit 2010 gehört sie zum Sprecherteam der „Tagesschau“, seit 2013 moderiert sie die 20-Uhr-Ausgabe.

Mit einer gelungenen Mischung aus ironischer Distanz und liebevoller Zuneigung berichtet die 42-Jährige von der Einrichtung im Haus von „Onkelchen und Tantchen“, wo griechische Gottheiten aus weißem Gips neben Lebkuchenherzen vom Schützenfest hingen. Ganz einfach haben es die Eltern der kleinen Linda offenbar nicht gemacht: Dreiviertel-Karotten-Cordhose, Zahnspange und ein Loch im von Mama geschnittenen Pony nagten am Selbstbewusstsein. „Ich fühlte mich wie ein Astronaut zwischen zwei Welten“, sagt Zervakis über die Besuche bei deutschen Mitschülerinnen.

Sie und das Publikum können herzlich lachen über manche Episode über Verständigungsprobleme: So rieb sich die Mutter am Strand nicht mit Sonnenmilch, sondern mit Möbelpolitur ein, weil eine rote Sonne deren Etikett zierte.

Zervakis, erste „Tagesschau“-Sprecherin mit Migrationshintergrund, beantwortet im Anschluss an die Lesung bereitwillig Fragen zur beliebtesten Nachrichtensendung der Deutschen. Das Publikum erfährt, dass es ihr Kollege Jan Hofer ist, der den Sprecher-Dienstplan einteilt. Und, dass Zervakis schon Ideen für eine Fortsetzung sammelt, konkret geplant ist das aber noch nicht. Viele Zuschauer aus dem Pavillon würde das wohl freuen – erst recht, wenn es wieder Ouzo dazu gibt. Jamas!

Von Johanna Stein

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