Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover 23-Jähriger wegen IS-Werbung vor Gericht
Nachrichten Hannover 23-Jähriger wegen IS-Werbung vor Gericht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:05 03.08.2018
Der Angeklagte sitzt zum Prozessauftakt neben seinem Verteidiger Philipp Kaiser (l.) im Oberlandesgericht Celle auf der Anklagebank. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Anzeige
Celle

Am Oberlandesgericht (OLG) Celle hat am Freitag der Prozess gegen einen mutmaßlichen Unterstützer der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) begonnen. Der 23-jährige Türke aus Laatzen soll über eine WhatsApp-Gruppe Kämpfer für den Krieg in Syrien angeworben haben. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle wirft Mohammed K. daher Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland und Mitgliederwerbung für diese vor. Gleich zu Prozessauftakt gestand der junge Mann: „Ich bereue, was ich getan habe.“ Er sei „kein Befürworter von Krieg und Leid, sondern ein friedlicher Mensch“.

Bis zu 55 Mitglieder waren in dem geschlossenen Chat, die Anwerbeversuche sollen zwischen März und Juli 2015 gelaufen sein. „Der Angeklagte ist Teilnehmer, möglicherweise auch Administrator der geschlossenen WhatsApp-Gruppe gewesen“, sagte OLG-Sprecher Rainer Derks. Der Chat trug den Namen „Allahu Akbar“ (Gott ist groß). K. soll seinem Facebookfreund namens „Mo Zart“ aus Frankfurt während dessen Ausreise Tipps in Form von Sprachnachrichten gegeben haben. Erst an der türkisch-syrischen Grenze gab der 21-jährige Fast-Rekrut sein Vorhaben auf. „Dem Angeklagten ging es darum, den IS zu unterstützen“, sagte Staatsanwältin Maidie Schenk am Freitag. Der 23-Jährige wird seitens der Ermittler als „streng gläubiger Moslem“ beschrieben.

K. hatte Liebeskummer

Vor Gericht betonte der in Hannover geborene Angeklagte nun jedoch, er habe mit Religion nie viel zu tun gehabt. Im richtigen Leben sei er ein Außenseiter, lediglich im Internet habe der 23-Jährige Freunde gefunden. Dort führte dann vor drei Jahren eins zum anderen. K. klickte bei immer mehr islamistische Facebookseiten auf „Gefällt mir“ und vernetzte sich in der Szene. Über seinen Anwalt Philipp Kaiser ließ der Angeklagte mitteilen, dass er 2015 Liebeskummer hatte und nächtelang Ego-Shooter gespielt habe – deshalb seien die Grenzen zwischen echtem Leben und virtueller Welt verschwommen. „Mir gefiel das Mystische am IS“, räumte K. ein. „Heute distanziere ich mich von den Gräueltaten.“

K. drohen sechs Monate bis fünf Jahre Haft. Da er zur Tatzeit aber erst 20 Jahre alt war, könnte er womöglich noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Der 23-Jährige befindet sich nicht in Untersuchungshaft, allerdings wurde sein türkischer Pass eingezogen. Er hat einen Realschulabschluss, einen festen Job und wolle bald heiraten.

85 Extremisten aus Niedersachsen

Selbst habe K. nie in Erwägung gezogen, in Syrien für den IS zu kämpfen. Nach Angaben des Landesverfassungsschutzes ist die Ausreise radikalisierter Islamisten aus Niedersachsen nach Syrien inzwischen praktisch zum Erliegen gekommen. In den vergangenen Jahren kamen 85 der deutschlandweit 1000 Extremisten aus dem hiesigen Bundesland. 36 kehrten zurück, die Zahl der getöteten Radikalen aus Niedersachsen liege im niedrigen zweistelligen Bereich.

Für den Prozess gegen K. sind bis Mitte September sieben Verhandlungstage anberaumt, angesichts seines Geständnisses könnte die Verhandlung nun aber kürzer ausfallen. „Der Senat wird jetzt noch einige Zeugen anhören, auch um die Richtigkeit der Einlassungen des Angeklagten überprüfen zu können“, sagte OLG-Sprecher Derks. Unter anderem „Mo Zart“ soll am nächsten Prozesstag aussagen. Laut Derks ist bereits Mitte oder Ende August mit einem Urteil zu rechnen.

Von Peer Hellerling und Christina Sticht

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Passanten haben am Dienstag eine Frauenleiche in der Oststadt entdeckt. Eine Obduktion hat ergeben, dass Susanne M. umgebracht wurde. Nun hat die Polizei ein Bild der Verstorbenen veröffentlicht.

03.08.2018
Hannover Rap, Rock und Poetry Slam - Das läuft auf dem Fährmannsfest

Fehlfarben, Zugezogen Maskulin, Alex Mofa Gang und Macht Worte – Das Fährmannsfest ist immer ein bisschen wie eine Wundertüte. Das stimmt auch für die diesjährige Ausgabe.

Uwe Janssen 03.08.2018

Ein Besuch des Maschseefests kann teuer werden, aber wie weit kommt man eigentlich, wenn man sein Budget begrenzt? Was gibt es im Edelbereich, was für Kinder? Wir haben uns umgeschaut.

06.08.2018
Anzeige