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Hannover Mahnwache für überrollten Elfjährigen
Nachrichten Hannover Mahnwache für überrollten Elfjährigen
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00:35 22.04.2018
Mahnwache für den von einem Lastwagen überrollten Elfjährigen. Quelle: Rainer_Droese
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Hannover

 Sie sitzen am Donnerstag um 17 Uhr friedlich auf der Straße, legen Stofftiere und Blumen ab. Daneben steht ein weißes Fahrrad, „ein Albtraum“ steht auf einem Plakat. Die 50 Teilnehmer der Mahnwache für den am Mittwochabend getöteten Elfjährigen gedenken in aller Stille auf der Kreuzung zum Industrieweg, während neben ihnen auf der Vahrenwalder Straße Autos und schwere Lkw vorbeifahren. „Wir sind unendlich traurig und fühlen mit den Angehörigen“, teilt die Initiative Hannovercyclechic mit, die die Trauerkundgebung angemeldet hatte. Der Junge war von einem abbiegenden 40-Tonner übersehen worden.

„Wie viele Kinder müssen noch getötet, verstümmelt, für ihr Leben gezeichnet werden?“, fragt Hannovercyclechic. „Wie viele Angehörige müssen noch dieses vermeidbare und unendliche Leid erfahren, bis ein Umdenken stattfindet?“ Gemeint sind unter anderem bauliche Veränderungen und die verbindliche Einführung von Assistenzsystemen in Fahrzeugen. Seit November 2015 müssen beispielsweise neue Lkw über Notfallbremsassistenten und Abstandswarner verfügen, allerdings lassen sich diese bislang deaktivieren. Die Politik diskutiert derzeit auf Bundesebene, diese Möglichkeit abzuschaffen. Der Unfall-Lkw hat allerdings keine Assistenten an Bord, er ist Baujahr 2008.

Der 36-jährige Trucker ist inzwischen von der Polizei vernommen worden. „Er gab an, den Jungen schlichtweg übersehen zu haben“, sagt Behördensprecher Thorsten Schiewe. Der Trucker kam aus Richtung der Autobahn und wollte bei grüner Ampel nach rechts ins Gewerbegebiet abbiegen. Doch auch der Elfjährige radelte bei ebenfalls grüner Fußgängerampel los. Der Junge war sofort tot, seine Mutter musste den schrecklichen Unfall miterleben. Sie und der hinzugeeilte Vater mussten von Notfallseelsorgern betreut werden.

Es ist der erste Unfall in diesem Jahr, bei dem ein Kind ums Leben kam. 2016 verzeichnete die Polizei in der Region Hannover insgesamt zwei Tote unter 15 Jahren, allerdings keinen in der Landeshauptstadt. Beim jüngsten Kinderunfallatlas von 2012 der landete Hannover auf dem letzten Platz. Die Bundesanstalt für Straßenwesen hatte die Unfallzahlen von 15 Großstädten zwischen 2006 und 2010 miteinander verglichen. Demnach kommen in Hannover auf 1000 Kinder durchschnittlich 3,35 Unfälle.

Der ADAC zeigt bei regelmäßigen Veranstaltungen unter anderem an Schulen, wie viele Kinder trotz der vielen Außenspiegel nicht vom Lkw-Fahrer gesehen werden können. Über den Toten Winkel wisse man in der Theorie zwar alles, „die Auswirkungen sind in der Praxis aber viel zu wenig bekannt“, sagt Christine Rettig vom ADAC Niedersachsen. „90 Prozent aller Unfälle sind auf menschliche Fehler zurückzuführen“, sagt Rettig.

Etwas Hoffnung für die Zukunft könnte daher der sogenannte Abbiegeassistent machen. „Allerdings ist er noch nicht ganz ausgereift“, sagt die ADAC-Sprecherin. „Sobald er aber wirklich zuverlässig funktioniert, sind wir die Ersten, die den verpflichtenden Einbau für alle Fahrzeuge fordern“, sagt Rettig. Benjamin Sokolovic, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen, macht sich bis dahin zumindest für den Einbau von Totewinkel-Erkennungssystemen stark. Sie weisen mit einem Warnzeichen oder akustischem Signal auf Personen und Gegenstände hin. Sokolovic: „Damit ließen sich bis zu 70 Prozent der tödlichen Unfälle verhindern.“

Mehr verletzte Kinder

Die Zahl der auf Hannovers Straßen verletzten Kinder ist vergangenes Jahr erstmals seit 2014 wieder gestiegen. Laut Polizei wurden 207 Kinder unter 15 Jahren leicht oder schwer verletzt. Den Höchststand innerhalb der vergangenen fünf Jahre gab es 2013. Damals wurden 229 Kinder verletzt, 2016 waren es lediglich 187.

Getötet wurden im Raum Hannover seit 2012 insgesamt acht Kinder im Alter bis zu 15 Jahren. Das schlimmste Jahr war 2014 mit vier Kindern, die ums Leben kamen. Die größte Gefahr besteht laut Polizeivizepräsident Jörg Müller für den Nachwuchs als Fußgänger oder auf dem Fahrrad: „Kinder sollten, wenn sie im Straßenverkehr unterwegs sind, deutlich sichtbar gekleidet sein.“ Dies erhöhe die Chancen, dass sie besser gesehen werden.

Von Peer Hellerling

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