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Hannover Rettet Leinewasser die Fische im Maschsee?
Nachrichten Hannover Rettet Leinewasser die Fische im Maschsee?
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00:19 05.08.2018
Stadtjäger Heinz Pyka sorgt sich um das Ökosystem der Ricklinger Teiche. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Irgendwann, fürchtet Stadtjäger Heinz Pyka, könnten in den Ricklinger Teichen die ersten toten Fische treiben. Zander, Hechte, Aale oder Schleien kieloben. Das Maul geöffnet, auf der Flanke im Wasser liegend, übel riechend, verendet, weil unter Wasser ausreichend Sauerstoff fehlt. Man kennt die Bilder von kollabierenden Ökosystemen, die ausspucken, was nicht mehr leben kann, fünf Tonnen Fisch waren es vor ein paar Tagen in Hamburg. So weit ist es in Ricklingen nicht. Am Donnerstag morgen waren Pyka und Biologe Matthias Emmrich wieder draußen am See, doch die neuen Werte machten den beiden Männern wenig Mut. Das Wasser ist beinahe 27 Grad heiß, der Sauerstoffgehalt sinkt nachts auf drei Milligramm pro Liter. „Und der Wasserspiegel fällt dramatisch, Muschelbänke fallen trocken“, Pyka fürchtet das Schlimmste, wenn die Dürre Hannover weiter aufheizt.

Nebenan, Richtung stadteinwärts, geht es dem Maschsee kaum besser. Wegen der Trockenheit verdunstet Wasser an der Oberfläche, aber die nahe liegende Lösung scheidet in diesen Tagen aus: Die Stadt pumpt derzeit kein Wasser aus den Ricklinger Teichen in Hannovers Haussee, Blaualgen verhindern es. Dabei dürfte das Rathaus ordentlich zulangen. Jeden Tag könnte die Stadt bis zu 36.000 Kubikmeter Wasser aus den Ricklinger Teichen Richtung Maschsee pumpen, um den Wasserstand des künstlichen Gewässers aufzufüllen. Allerdings darf die Stadt Hähne nicht beliebig aufdrehen. Die damals noch existente Bezirksregierung setzte Mitte der 1990er-Jahre ein Limit: höchstens 300.000 Kubikmeter im Monat, maximal aber 1,3 Millionen Kubikmeter innerhalb eines Jahres. Im Rathaus nutzt man in normalen Jahren etwa die Hälfte. Jetzt muss auf Teichwasser auch deshalb verzichtet werden, weil der Maschsee ein anerkanntes EU-Badegewässer ist, Blaualgen haben darin nichts zu suchen.

Zu viel Nitrat im Leine-Wasser?

Die Pegel fallen weiter. Es fehlt überall an Wasser. Im Maschsee wie im angrenzenden Ricklinger. Die Teiche haben nach Messungen der Region Hannover bis zu 60 Zentimeter verloren. Eine fatale Situation: Das eine Gewässer ist so geschwächt, dass es dem benachbarten See, der selbst angeschlagen ist, nicht mehr helfen kann, ohne selbst Schaden zu nehmen. Die Zugewinngemeinschaft funktioniert nicht mehr. Jedenfalls ist dies die Ansicht der Region: „Wir haben deshalb der Stadt empfohlen, vorerst kein Wasser aus den Ricklinger Teichen abzupumpen“, sagte Sprecher Klaus Abelmann, sonst drohten weitere ökologische Schäden. Muschelbänke in Zonen flachen Wassers seien bereits betroffen, Pyka hat sie gesehen, in der Behörde fürchtet man ein „drohendes Fischsterben“. In der Region könne sich niemand erinnern, dass es so eine Situation schon einmal gab.

Unklar ist, wie Stadt und Region dieser außergewöhnlich langen Periode anhaltender Dürre begegnen wollen. Abelmann sagte, „um den Maschsee runterzukühlen und mit Sauerstoff zu versorgen, wären immense Mengen Frischwasser nötig“. Wasser aus der Leine könnte das Problem im Maschsee verringern. Das kältere Flusswasser würde den Temperaturanstieg reduzieren und verhindern, dass der Pegel weiter absinkt. „Dadurch werden Lebensbedingungen für die Fische erträglicher“, sagt Manuela Steigerwald von der Stadt Hannover. Dagegen steht, dass abgeschöpftes Wasser der Leine fehlen und womöglich zu viel Nitrat mitgespült werden könnte. Wie gesagt, der Maschsee ist ein EU-Badegewässer. Stadt und Region sind im Gespräch.

Keine Probleme am Mittellandkanal

 Vorsichtshalber warnt bereits Heinz Pyka: „Der Leine und ihren Fischen geht es auch nicht gut.“ Er ist strikt dagegen, die Leine zu nutzen, um den Maschsee zu füllen. „Es kann nicht sein, dass wegen kommerzieller Schifffahrt in einem künstlichen See ein Naturgewässer mit artenreichem Leben herangezogen wird.“ Er meint die Üstra-Flotte, die noch auf dem See unterwegs ist und für die es keinen Mindestpegel gibt. Darum geht es der Stadt nach eigener Aussage jedoch nicht. Noch fahren die Ausflugsschiffe über den See.

Auf einer anderen Wasserstraße scheint die Lage entspannt zu sein. Schifffahrt auf dem Mittellandkanal und seinen Zweigkanälen ist ohne Einschränkungen möglich. Sinkt der Pegel, pumpt die Wasser- und Schifffahrtsdirektion aus der Weser zu. Probleme bereitet der geringe Wasserstand dagegen am Steinhuder Meer. Segler und Motorboote mit Schwert unterm Kiel können nicht mehr raus, die kommerzielle Schifffahrt aber läuft noch aus und erreicht nach eigenen Angaben noch jedes Ziel auf dem Meer. 60 Zentimeter Tiefgang haben die drei Linien- und Rundfahrtschiffe, 94 Zentimeter Wassertiefe wurden zuletzt am Anleger Wilhelmstein gemessen. Das reicht, wenn die Kapitäne Sandbänke umkurven und die Zahl der Passagiere reduzieren.

Kein Maschseewasser für den Zoo

Durch eine jahrzehntealte Pipeline zwischen Maschsee und Zoo bezieht der hannoversche Tierpark sein Brauchwasser. Für die Tierbecken wird das Wasser in einer großen Anlage aufbereitet, das Wasser in den Gräben oder auch das zum Gießen der Pflanzen ist reines Maschseewasser. Die anhaltende Trockenheit bedeutet auch für den Zoo einige Änderungen: „Aufgrund der Dürre beziehen wir zurzeit gar kein Maschseewasser“, erklärt Zoosprecherin Simone Hagenmeyer. Der Zoo habe auf normales Trinkwasser umstellen müssen. Für die Reinigungsarbeiten im Zoo und auch die Bewässerung sämtlicher Pflanzen werde das Maschseewasser nicht mehr benutzt.

Von Gunnar Menkens

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