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Hannover Trotz Krebsdiagnose: Krankenkasse will Transport nicht bezahlen
Nachrichten Hannover Trotz Krebsdiagnose: Krankenkasse will Transport nicht bezahlen
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00:17 04.08.2018
Aus Sicht der Verbraucherzentrale müssen die Kosten übernommen werden, weil in diesem Fall eine medizinische Notwendigkeit für den Transport vorlag.
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Hannover

 Die Verbraucherzentrale Niedersachsen beschäftigt gerade ein kurioser Fall. Die Krankenkasse Actimonda weigert sich, die Kosten für den Transport einer krebskranken Patientin von München nach Hannover zu übernehmen. Rund 2200 Euro soll die Frau aus eigener Tasche bezahlen. Die Verbraucherzentrale hat gegen die Entscheidung Widerspruch eingelegt. Die Krankenkasse will sich nicht zu dem Vorfall äußern.

Die Frau war mit ihren Kindern von Hannover nach München gereist, um dort bei Freunden den Jahreswechsel zu verbringen. Plötzlich klagte sie über starke Bauchschmerzen und begab sich in eine Münchner Klinik. Dort erhielt sie die erschütternde Diagnose, man habe Bauchspeicheldrüsenkrebs im Endstadium festgestellt. Die Ärzte erklärten, die Patientin habe nur noch wenige Tage oder Wochen zu leben und regten einen Rücktransport in eine hannoversche Klinik an. Aufgrund der Diagnose kam eine Zug- oder Autofahrt nicht in Betracht. Die Klinik in München organisierte einen Liegendtransport.

Kasse: Transport medizinisch nicht notwendig gewesen

Seitdem tobt ein Streit um die Übernahme der rund 2200 Euro für den Krankentransport. Der Rettungsdienst hatte zunächst die Klinik, dann die Krankenkasse wegen der Übernahme der Kosten angeschrieben. Die Actimonda-Versicherung lehnte die Übernahme der Kosten mit dem Hinweis ab, der Transport sei medizinisch nicht notwendig gewesen.

Verbraucherschützer: Ein medizinischer Notfall

Als die Rechnung schließlich bei der Patientin aus Hannover landete, schaltete die Frau die Verbraucherzentrale ein. „Die Ablehnung der Kosten ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagt Kai Kirchner, der Gesundheitsexperte der Verbraucherzentrale. Aus seiner Sicht handelt es sich in dem vorliegenden Fall um einen medizinischen Notfall, bei dem die Krankenkasse die Kosten auch für den Transport übernehmen muss. „Eine Krebsdiagnose dieser Härte sollte Grund genug für die Verlegung in ein wohnortnahes Krankenhaus sein“, sagt Kirchner. Es sei nicht zumutbar, dass eine tödlich erkrankte Patientin neben der Diagnose auch noch die Trennung von ihrer Familie verkraften müsse, so der Gesundheitsexperte weiter.

Grundsätzlich gilt: Erfolgt die Verlegung in ein anderes Krankenhaus auf Wunsch des Patienten, muss er die Kosten selbst bezahlen. Hat die Krankenkasse dagegen einer Verlegung in eine andere Klinik zugestimmt oder wird diese aus zwingenden medizinischen Gründen notwendig, trägt die Kasse die Kosten. „Das ist zum Beispiel der Fall, wenn das Krankenhaus eine notwendige Behandlung selbst nicht durchführen kann beziehungsweise durch die Verlegung in eine andere Klinik etwa Beschwerden gelindert oder psychische Belastungen reduziert werden“, teilt die Verbraucherzentrale mit.

So ärgerlich der Streit um die Transportkosten für die Patientin auch ist, aus medizinischer Sicht hat der Fall eine überraschend positive Wendung genommen. Denn nach weiteren Untersuchungen in der Klinik in Hannover konnten die Ärzte Entwarnung geben. Die Mediziner konnten bei der Frau kein Krebsgeschwür feststellen.

Von Tobias Morchner

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