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Hannover Es geht um mehr als nur das Stadtbild
Nachrichten Hannover Es geht um mehr als nur das Stadtbild
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07:00 08.09.2018
HAZ-Lokalchef Heiko Randermann Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Es ist ein Zufall, dass sich der Unmut der Menschen gleich zweimal in dieser Woche an zwei verschiedenen Orten so deutlich Luft gemacht hat – Einzelfälle sind es nicht: Im Bezirksrat Mitte wurden am Montag die Menschen gefragt, was sie an ihrem Stadtteil stört und was sie von der Verwaltung erwarten. Am Dienstag wurde den Menschen im Sahlkamp die gleiche Frage beim HAZ-Forum gestellt. Und so unterschiedlich die beiden Stadtteile auf den ersten Blick sein mögen – die Gemeinsamkeiten in den Antworten sind nicht zu übersehen.

Es stinkt den Anwohnern im Wortsinne, wenn in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung Müll herum liegt, an die Wände uriniert wird und Exkremente in den Hauseingängen hinterlassen werden. Sie wollen es nicht akzeptieren, dass Drogengeschäfte und Bandenkriminalität zum Stadtbild gehören sollen. Sie wollen es nicht mehr hinnehmen, gerade weil sie ihre Stadtteile mögen, sie lebenswert finden, dort gerne wohnen – und sie, wie sie sie kennen, nicht verlieren wollen.

Und noch etwas fällt auf: Die Anwohner sind bereit, sich zu engagieren. Sie haben aber auch deutlich gemacht, dass ihre Geduld mit dem Staat nicht endlos sein wird. Sie wollen, dass sich Polizei und Politik kümmern – ernsthaft und am Ende auch effektiv. Für einige, vielleicht sogar für viele, dürfte sich daran sogar entscheiden, wie viel Vertrauen sie noch in unser politisches System haben.

Das ist eine enorme Herausforderung für Polizei und Politik. Dafür werden die Behörden gewohnte Denkweisen hinter sich lassen müssen. Der stetige Verweis auf die Kriminalstatistik, wonach etwa im Sahlkamp die Verbrechensrate nicht höher ist als in anderen Stadtvierteln, mag korrekt sein, führt aber keinen Schritt weiter. Wenn jemand überfallen wird, ist es für ihn ein schwacher Trost zu wissen, dass so ein Überfall statistisch im Normbereich liegt. Was er aber will, ist, dass alles dafür getan wird, dass die Täter geschnappt und bestraft werden, und alles getan wird, dass es zu so einem Überfall nicht wieder kommt.

Mehr Präsenz, mehr Einsatz von Sozialarbeitern, mehr Arbeiten an konkreten Problemlagen in den Vierteln und unkonventionelle Lösungen sind jetzt gefragt. Niemand ist so naiv zu glauben, dass man damit alle Probleme und jede Kriminalität aus der Welt räumen kann. Aber die Menschen wollen sehen, dass Trinkergruppen, Dreck und Kriminalität nicht einfach fatalistisch hingenommen werden.

Mit dem Aufbau des Ordnungsdienstes geht die Stadt einen Schritt in diese Richtung. Viele Menschen begrüßen das und verbinden Hoffnungen damit. Es muss sich noch zeigen, ob ein Team von 50 Personen in ganz Hannover tatsächlich diese Hoffnungen erfüllen kann. Die Stadt muss das genau beobachten – und gegebenenfalls nachlegen, mehr tun, sich kümmern.

Es steht mehr auf dem Spiel als nur das Straßenbild in der Calenberger Neustadt, am Steintor oder am Vahrenheider Markt. Es geht darum zu zeigen, dass Politik insgesamt handlungsfähig ist. Das ist in diesen kontroversen Zeiten besonders wichtig. Denn der Blick auf die eigene Stadt bestimmt am Ende auch die Sicht auf die Welt.

Von Heiko Randermann

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