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Hannover Der Kampf gegen Luftverschmutzung ist noch nicht gewonnen
Nachrichten Hannover Der Kampf gegen Luftverschmutzung ist noch nicht gewonnen
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00:15 03.07.2018
Neueste Daten zeigen: Die Luft wird besser in Hannover – die Gesundheitsrisiken bleiben dennoch hoch. Quelle: dpa
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Hannover

Fahrverbote für Dieselautos, Krebstote durch dreckige Luft, Verkehr vor dem Kollaps – eine seit Monaten aufgetürmte Drohkulisse scheint in sich zusammenzustürzen, durch ein paar Zahlen. Der renommierte Professor und Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer legt eine Studie zur Luftverschmutzung in deutschen Städten vor und kommt zu dem Ergebnis: In Hannover halten alle Messtationen spätestens im kommenden Jahr die EU-Grenzwerte ein. An der Leine könne man jetzt die Sektkorken knallen lassen, meint der Professor und gibt Entwarnung für alle Dieselfahrer. Heißt das jetzt: zurücklehnen und weitermachen wie bisher? Auf keinen Fall. Stadtverwaltung und Politik dürfen die Hände nicht in den Schoß legen, denn die Gesundheitsrisiken bleiben hoch.

Stickstoffdioxid geht nachweislich zurück

Zunächst möchte man die Euphorie des Professors ein wenig bremsen. Dudenhöffers Zahlen sind Hochrechnungen, die Tendenzen beschreiben – nicht mehr und nicht weniger. Witterungsbedingungen, die einen erheblichen Einfluss auf die Luftqualität haben, kommen in seiner Rechnung nicht vor. Aber auch die behördlichen Messungen kamen in diesem Jahr zu dem vorläufigen Ergebnis, dass die Luft besser wird. Die Konzentration des schädlichen Stickstoffdioxids, verursacht durch Dieselautos, geht nachweislich zurück. Am Ende werden die EU-Vorgaben vielleicht tatsächlich eingehalten, womöglich nicht schon im nächsten, sondern im übernächsten Jahr. Dadurch sind Gefahren für die Stadtbewohner nicht gebannt.

Es brauchte erst die Stimme von Hannovers anerkanntem Herzspezialisten Axel Haverich, um die gesundheitlichen Risiken der Luftverschmutzung ernst zu nehmen. In seinen Studien zeigt er, dass vor allem Feinstaub die Gefahr von Gefäßerkrankungen und Lungenkrebs deutlich erhöht. „Man kann am Feinstaub sterben“, sagt er. Die Mikropartikel fliegen aber unter dem Radar der Politik. Den EU-Grenzwert für Feinstaub halte Hannover längst ein, betont die Stadtspitze. Ähnlich dürfte es dem gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxid ergehen. Liegen die Werte unter dem Grenzwert, gibt es das Problem nicht mehr. Doch Mediziner widersprechen und verweisen auf die deutlich niedriger angesetzten Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Sichere Radverbindungen schaffen

Noch aus einem anderen Grund sollte die Stadtführung weiterhin über umweltfreundlichen Verkehr nachdenken. Schon jetzt ist auf manchen Hauptstraßen Hannovers die Grenze der Kapazität erreicht, man denke nur an die Marienstraße. Hier mit einer klugen Verkehrsführung für Entlastung zu sorgen, ist nicht nur umweltpolitisch das Gebot der Stunde. Klar muss aber auch sein: Die Vorstellung von Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD), mithilfe einer blauen Plakette Dieselautos aus dem gesamten Citybereich auszusperren, geht inzwischen an der Wirklichkeit vorbei.

Die Verwaltungen in Stadt und Region sollten Ideen aus der Politik wie das Ein-Euro-Ticket für den Nahverkehr nicht vorschnell in der Schublade verschwinden lassen. Auch die Förderung des Radverkehrs erschöpft sich nicht darin, an Kreuzungen ein paar rote Markierungen auf die Straße zu pinseln. Wer Berufspendler ermuntern will, aufs Rad umzusteigen, muss schnelle und sichere Radwegverbindungen schaffen. Die Vorschläge aus dem Rathaus für einen neuen Luftreinhalteplan sind bisher überschaubar. Das muss sich ändern, wenn der Stadtspitze die Gesundheit der Menschen am Herzen liegt.

Von Andreas Schinkel

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