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00:30 15.10.2018
Bei dem Vorfall an der Limmerstraße kam ein Fußgänger ums Leben. Quelle: dpa/Privat
Hannover

Am Anfang stand eine belanglose Situation, am Ende war ein Mensch tot. Der 40-jährige Ilja T. schaute auf sein Handy, als er am Montag über die Limmerstraße – eine Fußgängerzone – ging. Ein 28-jähriger Radfahrer musste ausweichen. Aus irgendwelchen Gründen entwickelte sich daraus erst ein Streit, dann schlug der Kickboxer mehrfach auf T. ein – bis dieser ins Koma fiel und wenige Tage später starb. Möglicherweise stand der Angreifer unter Drogeneinfluss, aber wem hilft das? Er war augenscheinlich noch in der Lage, Fahrrad zu fahren. Und er mag gewusst haben, welche Schäden seine Fäuste anrichten können.

Ein Verbrechen ist ein sicherlich extremer Einzelfall. Doch der lässt auch deshalb kaum jemanden unberührt, weil er vor dem Hintergrund einer beunruhigenden Entwicklung stattfindet. Der Ton in der Stadt wird immer rauer und brutaler. Jedes Maß an respektvollem Umgang miteinander scheint verloren gegangen zu sein – eine mehr als bedrohliche Entwicklung. Oft sind es schon Lappalien, die die Menschen ausrasten lassen.

Brutale Schlägereien gab es schon immer und wird es immer geben. Doch der Grundton in der Gesellschaft wird aggressiver. Alltäglich beschimpfen sich wildfremde Menschen in der vermeintlichen Anonymität des Internets auf wüste Art und Weise. Und es sind, anders als manche meinen, beileibe nicht nur Zuwanderer, die diese verbale Gewalt auch auf die Straßen tragen. Hier ist das Zeigen eines Vogels noch das Harmloseste. Lehrer werden von Schülern angefeindet, für Polizisten und Rettungskräfte gehören Beleidigungen und Übergriffe viel zu oft zum Alltag.

Ein brutales Verbrechen wie das an der Limmerstraße ist ein Fall für Polizei und Justiz. Doch gegen die Verrohung der Gesellschaft sind diese beiden Behörden machtlos – und damit ist auch der Ruf nach immer mehr Polizeipräsenz und Überwachung der falsche Ansatz. So mühselig das ist, es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem und das fordert jeden von uns.

„Der Klügere gibt nach“, besagt ein Sprichwort. „Und die Dummen regieren die Welt“, entgegnet da mancher. Aber das springt nun wirklich sehr kurz. Wir müssen wieder lernen, höflicher und auch gelassener miteinander umzugehen – und auch mal im entscheidenden Moment zurückzustecken.

Gegen Gewalt und Kriminalität müssen wir uns zur Wehr setzen, mit aller Härte des Gesetzes. Aber im Alltag brauchen wir weniger Härte. Wir müssen wieder lernen, entspannter und gelassener zu sein. Oder einfach: anständiger.

Von Peer Hellerling

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