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Hannover Viele Ideen zum Steintor – jetzt müssen Planer ran
Nachrichten Hannover Viele Ideen zum Steintor – jetzt müssen Planer ran
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06:00 15.09.2018
HAZ-Redakteur Conrad von Meding Quelle: Samantha Franson
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Hannover

So eine umfangreiche Bürgerbeteiligung wie am Steintor hat Hannover noch nicht erlebt. Fünf Tage lang – bis zum morgigen Sonntag – können Bürger mitreden bei der Gestaltung des wohl umstrittensten Platzes der Stadt. Das war auch nötig: Die Pläne für eine Bebauung wurden von vielen als undemokratisch und unangemessen empfunden, das Steintor steht inzwischen für eine vom Bürger entfremdete Planungspolitik. Was dort aber aktuell zu erleben ist, das zeigt, wie gut es auch anders geht. Kreativ, entspannt, gemeinsam wird an neuen Ideen gebastelt, werden Collagen geschnippelt, wird an Modellen experimentiert.

Ja, vielleicht hätte man sich mehr Andrang wünschen können. Aber was Beteiligung betrifft, hat nicht nur die Stadt eine Holschuld, sondern der Bürger auch eine Bringschuld: Wer nicht mitmacht, darf sich nachher nicht beschweren, dass seine Idee nicht gehört wurde.

Enttäuschungen wird es trotzdem geben, auch bei denen, die sich eingebracht haben. Denn vieles, was vorgeschlagen wurde, wird sich nicht umsetzen lassen. Wenn man Bürger nach der Gestaltung von Plätzen fragt, kommt immer die Forderung nach mehr Sitzplätzen, mehr Grün, mehr Spielflächen. Das ist im Grunde gut und funktioniert in gutbürgerlichen Wohnquartieren. Am Steintor aber treffen diese Vorschläge auf eine harte Realität. Am Rande des Rotlichtviertels verkehren Prostituierte und Zuhälter, Drogendealer suchen Verstecke, Partyvolk lässt Flaschen fallen und erleichtert sich an den Büschen. Nicht umsonst ist das Steintor über Jahrzehnte zum Problemplatz verkommen. Und seien wir ehrlich: Die meisten von denen, die jetzt Vorschläge machen, haben sich dort selten länger aufgehalten.

Das alles darf aber kein Grund sein, nicht alle Kraft in die Aufwertung zu investieren. Im zweiten Schritt müssen jetzt eben Profis ran. Die Planer, die im nächsten Frühjahr bei einem Wettbewerb aus dem Kaleidoskop der Ideen reale Konzepte machen sollen, werden es nicht leicht haben. Auch deshalb, weil die Debatte ums Steintor längst in Schwarz-Weiß-Muster verfallen ist: bebauen oder nicht-bebauen? Dabei zeigt die derzeitige, provisorische Installation auf der Fläche, wie gut es dem Platz tut, einen optischen Anker auf der Rotlicht-Seite zu haben. Plötzlich ist Leben auch auf diesem Teil der 3000 Quadratmeter großen Fläche, an der sonst alle nur vorbeieilen. Es scheint sinnvoll, dort zumindest ein Café, vielleicht mit Blumenladen und Fahrradverleih, zu errichten, um dem Platz etwas von seiner Größe zu nehmen.

Der Dialog jedenfalls, das lässt sich jetzt schon sagen, hat dem Steintor gut getan. Erst war er vergessen, dann ein Zankapfel. Jetzt könnte es wieder ein urbaner Platz werden, den Hannover verdient.

Von Conrad von Meding

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