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Hannover Unternehmer Heiko Heybey plant die Leinewelle
Nachrichten Hannover Unternehmer Heiko Heybey plant die Leinewelle
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00:19 14.09.2017
Von Gunnar Menkens
Heiko Heybey will mit der Leinewelle Hannover die Zukunft mitgestalten Quelle: Villegas
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Hannover

Damit es gleich geklärt ist: Heybey, der Name stammt aus dem Nordischen, führt wohl zurück auf Wikinger aus Haithabu und wird deshalb nicht etwa irgendwie Englisch ausgesprochen, sondern so: Haibai. Sagt Heiko Heybey, 46, Unternehmer, Nordstädter und als Surfer dem Wasser verbunden wie seine Vorfahren. Vor ein paar Minuten schwang er sich am Hohen Ufer vom Rad, in T-Shirt, knielanger Hose und Sportschuhen. Grauer Vollbart, die Haare auch grau und kürzer geschnitten als vor einigen Jahren, die Haut braun gebrannt vom Urlaub an Portugals Küste. Die Erscheinung sagt: dynamischer Typ, unkompliziert, unkonventionell.

Heiko Heybey macht in Hannover die Sachen, die man unbedingt super fände, begegnete man ihnen in angesagten Städten wie Berlin. Die Spandau-Kneipen, seine Bar Strandleben im Sand des Ihme-Ufers, Musikfestivals. Seit einiger Zeit plant er seine größte Geschichte. Die Leinewelle Hannover. Surfen auf dem Fluss, ähnlich wie Münchens Eisbachwelle an der Isar, nur mitten im Zentrum.

Er muss Geduld haben. „Ich bin ja ein großer Freund von Veränderungen und als Selbstständiger daran gewöhnt, Sachen in meinem Tempo zu machen. Wenn man dann Kontakt mit Behörden hat, kommt man in deren Geschwindigkeit“, sagt Heybey. Es klingt nicht wie eine Beschwerde, er stellt nur fest, dass es unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, wie schnell etwas vorangehen sollte.

Fünf bis sieben Jahre könne es schon dauern, bis der Fluss gerichtet ist, habe ihm Rathauschef Stefan Schostok gesagt. Der Nordstädter ist entschlossen durchzuhalten. „Vielleicht hilft mir meine Zeit als Waldorf-Schüler, da habe ich gelernt, an Projekten über einen langen Zeitraum hinweg dranzubleiben.“ Derzeit rechnet Heybey mit seinem Team durch, was die Leinewelle kosten wird. Steht der Rahmen, sucht er Sponsoren, und nicht nur in Hannover. Wenn Herzblut in einem Projekt steht, dann kann es kaum schief gehen, darauf kommt er immer wieder zurück.

Anfangen und sehen was passiert ist die Methode, nach der Heiko Heybey auch das erste Spandau-Lokal eröffnete. Damals war die Nordstadt noch keine Gegend, der eine zukünftige Coolness anzusehen wäre. Aber Heybey sah eine Gelegenheit. Herr Spandau schloss sein Möbelhaus am Engelbosteler Damm und er, der studierte Architekt, wollte aus dem Haus etwas machen. Mit Hilfe seiner Eltern kaufte er das Gebäude, zog selbst ein und eröffnete mit maßgeblicher Unterstützung von Freunden auf zwei Etagen sein erstes Geschäft. Von Gastronomie hatte Heybey keine Ahnung, aber er dachte, so ein Laden vor einem breiten Bürgersteig, nahe an Uni und Stadtzentrum müsste doch laufen, „ich habe das nie als Risiko gesehen“.

Solch offensiven Mut wünscht er auch Hannover im Umgang mit neuen Ideen. Der Architekt Heybey hofft auf weniger Beharrungswillen und Bedenkenträgerei. „Hannover tut sich schwer mit Veränderungen“, meint Heybey, dabei habe jede Veränderung der vergangenen 20 Jahre Hannover besser gemacht. So sei es auch mit den Nanas gewesen, erst Gemecker, dann nicht mehr wegzudenken. „Yo, ist toll“, mit dieser Haltung, meint Heybey, sollten Hannoveraner neuen Plänen ruhig öfters begegnen.

Natürlich spricht hier jemand, für den Stillstand Rückschritt ist. Und keine Frage, dass er die Leinewelle als ein Projekt versteht, bei dem sich die Menschen in 20 Jahren fragen, wie daran bloß jemand etwas auszusetzen hatte. Er sieht auf den grünen Rasen am Hohen Ufer. Er sieht die Zukunft. „Da werden mal Leute stehen und zugucken, was die Surfer für tolle Sachen machen.“ Er sieht Fotos vor sich, die um die Welt gehen.

Früher einmal hatte Heiko Heybey überlegt auszuwandern. Nach Kapstadt vielleicht, in die Sonne zu den Surfern. Dann ist er geblieben, weil Freunde und Familie in Hannover waren, zum Surfen fährt er an freien Wochenenden nach Dänemark. Jahrzehnte an einem Ort zu leben, das zeugt wiederum von konservativer Sesshaftigkeit. Also will er nach Hannover bringen, was ihm in anderen Städten gefällt, eine Einwanderung der Ideen praktisch. „Ich möchte da leben, wo um 23 Uhr noch was los“, sagt er. Wo es kostenlose Leihräder gibt. Platz für Menschen statt Autos. Angebote für Kinder auch abseits vom Fußball. Dass etwas fehlt, weiß er von seinem zehnjährigen Sohn, der Skateboard fährt. Heybey hat da schon eine Idee.

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