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Nachrichten Hannover Hannover hat jetzt eine Bulli-Ausstellung
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00:16 02.10.2017
Drei von 40: Die Bulli-Ausstellung in Limmer. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Ab sofort ist die daraus entwickelte Ausstellung immer mittwochs zwischen 11 und 14 Uhr öffentlich zugänglich - allerdings muss vorab online ein Ticket gekauft werden. Aus den mehr als 100 Fahrzeugen der Sammlung haben Cornelia Nevis, die sich seit 30 Jahren bei der Volkswagen-Pressestelle um historische Themen kümmert, und der Technikhistoriker Gerolf Thienel 40 Highlights ausgewählt, die die Geschichte der wandlungsfähigen Modelle T1 bis T5 mit Geschichten, Zusammenhängen und Emotionen anreichern. Filme, Interviews, Fotogalerien und kleine Installationen erzählen ganz nebenbei auch von Wirtschaftswunder und Stadtgeschichte.

„Wir haben aus einem Parkhaus eine Ausstellung gemacht“, freut sich Thienel. „Wir stellen erst mal eine Regelmäßigkeit her“, ergänzt Nevis, „wenn wir dann zum Touristenmagneten werden, wäre für mich ein Herzenswunsch erfüllt.“ Für die Führungen wurde ein kleines Team von Vermittlern geschult, allesamt erfahrene Bulli-Fans. Zwei davon haben sogar ein Jahr lang in einem gewohnt.

„Jedem fällt zum Bulli eine andere persönliche Geschichte ein“, sagt Kulturdezernent Harald Härke. Er weiß, dass die Volkswagen-Transporter ein Publikumsmagnet sind - die Ausstellung „Die Bullibauer“ im Historischen Museum war im vergangenen Jahr ein großer Erfolg. Härke, der in den kommenden zwei Jahren ein neues Museumskonzept für Hannover erarbeiten wird, ist begeistert: „Es ist viel wert, gerade ungewöhnliche Orte museal zu erschließen.“

Dass der Transporter noch immer ein Erfolgsmodell für Volkswagen Nutzfahrzeuge ist, bestätigt Hannovers Werksleiter Udo Hitzmann: „Die Bücher sind voll, wer jetzt einen Bulli bestellt, bekommt ihn erst nächstes Jahr.“ Er betont, dass das Kultfahrzeug auch für die Macher mit Emotionen verbunden ist: „Wir machen das mit sehr viel Stolz und Leidenschaft.“

Dass das noch nie anders war, auch wenn die Arbeitsbedingungen früher oft härter waren, bestätigen zahlreiche Zeitzeugen, die an der ersten Führung nach der Eröffnung teilnehmen. Sie bereichern die Exponate mit Erinnerungen an den Büroalltag mit sieben Durchschlägen und verlängerten Bleistiften - aber auch den vergeblichen Kampf einer Betriebsrätin, die vielen Fenster des Sondermodells „Samba“ nicht nur von weiblichen Fachkräften putzen zu lassen.

Günter Noltemeyer erinnert sich, wie er im Jahr 1959 von der Dresdner Bank abgeworben wurde, um als Leiter des Rechnungswesens von Lohntüten auf Mitarbeiterkonten umzustellen. Und seine Frau Hannelore erzählt davon, wie sie als Sekretärin das neue Werksgelände in Stöcken nur mit Gummistiefeln überqueren konnte. Lieben und kennengelernt haben sich beide übrigens im Betrieb. Solche Geschichten sind auch Teil der Ausstellung – die Zeitzeugen erzählen sie in einer Filmdokumentation. Andere Geschichten erzählen die Bullis selbst. Da ist zum Beispiel ein T1-Krankenwagen von 1956, den sich ein Landwirt zum Wohnmobil umbauen wollte - bevor seine Hühner ihn als Stall entdeckten. Dazu würde gut der Bulli von Bob Marley passen, von dem auf Jamaika nur noch die Karosserie übrig ist. „Aber sein Geist ist noch drin“, sagt Thienel.

Die Ausstellungshalle in Limmer ist voll mit solchen Geistern, die sich bereitwillig wecken lassen. Die Exponate sind zusammen mehr als 1100 Jahre alt. Hannover präsentiert sich damit zu Recht als Zentrum der weltweiten Bulli-Kultur. Wo sollte die auch besser zu erleben sein?

Dauerausstellung

Die Oldtimersammlung ist ab sofort an jedem Mittwoch zwischen 11 und 14 Uhr für angemeldete Gäste in der Lagerstraße 2 in Hannover-Limmer zu besichtigen. Führungen sind in deutscher und englischer Sprache möglich, die maximale Gruppengröße beträgt 25 Personen.

Die Ticketbestellung ist online unter tickets.haz.de unter dem Stichwort „Bulli Klassik Tour“ oder telefonisch über die Hotline (01806) 570070 (täglich von 8 bis 20 Uhr, kostenpflichtig) möglich. Tickets für Ausstellung und Führung kosten pro ­Person inklusive Gebühren 11,60 Euro, ermäßigt 6,65 Euro.

Von Thomas Kaestle

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