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Hannover "Üstra rockt": Gutachten belastet Vorstand schwer
Nachrichten Hannover "Üstra rockt": Gutachten belastet Vorstand schwer
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06:00 28.10.2017
Von Bernd Haase
Angezählt: Wilhelm Lindenberg (links) und André Neiß bei der Vorstellung des neuen Üstra-Logos. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Zu möglichen personellen Konsequenzen äußerte er sich nicht. Aus Teilnehmerkreisen der vertraulichen Sitzung verlautete aber, dass es nicht mehr eine Frage sei, ob das Führungsduo gehen müsse, sondern nur noch, wie und wann die Angelegenheit abgewickelt wird. Neiß und Lindenberg wollten gegenüber der HAZ nicht Stellung nehmen.

Kampagne kostet 100.000 Euro

Mit „Üstra rockt“ will das Unternehmen mehr weibliche Mitarbeiter für sich gewinnen. Im Juli war bekannt geworden, dass der Auftrag im Wert von 100.000 Euro für die später preisgekrönte Kampagne nach einem verworrenen Ausschreibungsprozedere letztlich direkt an die Agentur des Ehemanns einer Üstra-Mitarbeiterin gegangen war. Wie sich später herausstellte, war die Frau im Betrieb ihres Mannes stille Teilhaberin.

„Laut Rechtsgutachten liegen Verstöße gegen das niedersächsische Vergaberecht sowie gegen eine Konzernrichtlinie vor“, sagte Franz. Eigentlich hätten vier Angebote eingeholt werden müssen. Die Vorgänge seien mit Billigung des Üstra-Vorstandes geschehen. „Dieser hätte eingreifen müssen, schon um die Mitarbeiterin vor Konsequenzen zu schützen“, sagt Franz. Nach Bekanntwerden des Vorfalls gerieten Neiß und Lindenberg unter Druck - auch deshalb, weil sie nach Auffassung von Aufsichtsratsmitgliedern aus der Politik wenig kooperativ in Sachen Aufklärung gewesen seien.

Am nächsten Freitag befasst sich der Aufsichtsrat mit einem weiteren Fehler. Die Üstra hatte elf Hybridbusse bestellt und dies auch öffentlich mitgeteilt, hielt aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht den offiziellen Förderbescheid der Nahverkehrsgesellschaft des Landes in den Händen. Dadurch könnten dem Unternehmen 1,9 Millionen Euro Zuschüsse entgehen.

Auch der Vergabefall ist noch nicht beendet. Rechtsanwälte durchleuchten weitere Auftragsvergaben durch die Üstra aus dem Jahr 2016 auf mögliche Fehler. Den Abschlussbericht will der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung Anfang Dezember hören.

Damit dürften auch erstens der zeitliche Rahmen für eine Entscheidung über die Zukunft der beiden Vorstände bei dem hannoverschen Verkehrsunternehmen gesteckt sein und zweitens, ob eine mögliche Trennung dann einvernehmlich oder im Streit über die Bühne geht. Lindenberg, zuständig für Betrieb und Personal, scheidet ohnehin im kommenden Jahr altersbedingt nach dann 43 Berufsjahren bei der Üstra aus. Der Vertrag des 58-jährigen Neiß, der Vorstandsvorsitzender ist, läuft noch über drei Jahre. Er hatte den Job in Hannover 2005 angetreten.

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