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Verstößt diese Werbetafel gegen Flimmerverbot?

Straßenrandwerbung Verstößt diese Werbetafel gegen Flimmerverbot?

Grelles Leuchten, schnelle Bilder: Ständig wechselt auf einer Großwerbetafel am Cityring das Bild. In der Politik regt sich Widerstand gegen die Flut an Stadtwerbung. Stadtbaurat Bodemann sagt Prüfung zu. 

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Ständig wechselnde Flimmerbilder wie hier an der Kreuzung Berliner Allee/Schiffgraben sind umstritten.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Nachrichten, Werbung, bunte Bilder: Alle zehn bis 20 Sekunden wechselt auf der Großwerbetafel am City-Ring das Motiv. In grellem LED-Licht bestrahlt das sogenannte City-Lightboard an der Kreuzung von Berliner Allee und Schiffgraben Auto- und Radfahrer, Fußgänger und Passanten. Aus der Kommunalpolitik gibt es Kritik – denn wahrscheinlich verstößt das Dauerflimmern gegen die Werbegrundsätze der Stadt, nach denen an Hauptverkehrsstraßen keine Bewegtbilder ablenken sollen. Stadtbaurat Uwe Bodemann hat jetzt zugesagt, den Vorgang zu prüfen. 

Die Leuchtwerbung am Straßenrand hat in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt. „In der Georgstraße zwischen Kröpcke und Steintor zum Beispiel stehen 14 neue Werbetafeln“, sagte CDU-Ratsherr Felix Blaschzyk: „Hier ist ein Ausmaß erreicht, das städtebauliches störend wirkt.“ An einigen Standorten würden Sichtachsen beeinträchtigt, etwa im Fußgängerbereich der Rathenaustraße. Mehrfach hatten in der jüngeren Vergangenheit auch Bezirksräte das Problem thematisiert. Auf der Lister Meile verlangten die Bezirkspolitiker ein Umstellen störender Werbetafeln, auch der Bezirksrat Mitte forderte für Steintorfeld- und Sodenstraße eine Demontage. Die Stadt lehnte alles ab: Mit der Firma X-City-Marketing gebe es feste Verträge, und jeder Standort sei auch auf Fragen der Verkehrssicherheit geprüft. Im übrigen habe die Zahl der Werbestandorte nicht zugenommen. 

Letzteres stimmt zwar – aber verändert hat sich die Werbelandschaft trotzdem auffällig. Tatsächlich gilt seit Jahresbeginn ein neuer Werbevertrag zwischen der Stadt und der Kölner X-City-Marketing. Der sieht bei etwa gleicher Zahl an Werbestandorten eine deutliche Intensivierung der leuchtenden Werbung vor. Die Zahl der sogenannten Allgemeinsäulen mit Kultur- oder Veranstaltungswerbung ist nach Angaben der Stadt um 140 auf 655 Standorte reduziert worden, die Zahl der leuchtenden Vitrinen und Säulen aber um 130 auf 272 Standorte aufgestockt.Stadtbaurat Bodemann sagte es so: „Es gibt weniger beklebte Plakatträger und mehr hinterleuchtete.“ Zudem suche der Anbieter „Standorte mit starker Wirkung“, um höhere Werbeeinnahmen zu erzielen. 

Die Stadt ist in einem Dilemma. Der Kämmerer will mit der Werbung mehr Geld einnehmen, der für Stadtgestaltung und Verkehrssicherheit zuständige Dezernent Bodemann dagegen möchte möglichst wenig Flimmerei am Straßenrand. Am Ende, sagt Bodemann, sei es ein Interessenkonflikt, in den sich das Baudezernat „intensiv eingebracht“ habe, der aber in der Verwaltung als Kompromiss so austariert worden sei, dass „auch Mindesteinnahmen für den Haushalt zu generieren“ waren. Man habe sich im Übrigen bei den Vertragsverhandlungen stets anhören müssen, dass andere Städte weniger zimperlich seien, was Werbung am Straßenrand betreffe. Tatsächlich sind zum Beispiel die modernen, von innen beleuchteten Litfaßsäulen in Hannover nur mit starrem Innenleben ausgestattet, während sie sich in Berlin und anderen Städten drehen. 

FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke befand: „Die Belastung mit Werbetafeln ist erreicht, wenn nicht sogar überschritten.“ Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin allerdings wies darauf hin, dass der Rat dem neuen Vertrag mit X-City-Marketing zugestimmt hat: „Große Werbung braucht Raum. Wahrscheinlich gab es ähnliches Unwohlsein, als vor 170 Jahren ein Herr Litfaß mit seinen Werbekonzepten auftauchte.“ Gardemin bestätigt allerdings, dass bei der Flimmertafel am Cityring „das Maß überschritten wurde“. 

Baudezernent Bodemann gab den Ratsleuten die Zusage, dass die Großwerbetafel an der Berliner Allee noch einmal geprüft werde. Im Grundsatz aber seien die Standorte vertraglich fixiert – dass Werbung wieder abgebaut werde, sei sehr unwahrscheinlich. Er verwies allerdings auch darauf, dass das Aufstellen von Werbetafeln im öffentlichen Stadtraum nicht alternativlos sei. Die Stadt Grenoble etwa habe „entschieden, überhaupt keine Werbung mehr am Straßenrand zuzulassen“. Entsprechend müsse man dann aber auch auf die Einnahmen verzichten. 

Jeder Standort wird geprüft

Kritik gibt es nicht nur an der großen Flimmertafel am Cityring. So ist etwa an der Kreuzung Hildesheimer Straße / Südschnellweg vor Mc Donalds ein großflächiges City-Lightboard installiert. „Gerade an solch einer unübersichtlichen Stelle ist die Gefahr einer Ablenkung groß“, sagt HAZ-Leserin Vera Schomburg. An der Einmündung der Flüggestraße in die Bödekerstraße ist zwar nur eine kleine Leuchttafel installiert, diese aber verdecktr nach Ansicht von Anlieger Alfons Deimel die Sicht beim Abbiegen. Die Stadt aber erkennt „keine Verkehrsbehinderung oder -gefährdung“.

Die Zahl der Werbestandorte am Straßenrand ist vertraglich mit der Firma X-City-Marketing fixiert, der zu Jahresbeginn erneuerte Vertrag läuft 13,5 Jahre. Jeder einzelne Standort sei per Bauantrag geprüft und genehmigt.

Von Conrad von Meding

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