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Hannover Schlafende in ICE-Zügen bestohlen: Haftstrafe für Algerier
Nachrichten Hannover Schlafende in ICE-Zügen bestohlen: Haftstrafe für Algerier
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00:16 08.11.2018
Karim M. wird von Justizwachtmeistern in den Gerichtssaal geführt. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

 Karim M. könnte als Paradebeispiel eines problematischen Asylbewerbers herhalten. Seit vier Jahren lebt der 25-jährige, drogensüchtige Algerier in verschiedenen Städten zwischen München und Hamburg, sein Asylantrag wurde abgelehnt, er hat bereits um die 20 Straftaten begangen, insgesamt 20 Monate im Gefängnis gesessen, und am Montag ist am Amtsgericht Hannover eine Haftstrafe von 13 Monaten – ohne Bewährung – wegen besonders schweren Diebstahls hinzugekommen. Doch die deutschen Behörden können M. nicht abschieben, wie sein Verteidiger Holger Nitz vor Gericht erklärte. Sein Mandant hat keinen Pass, und die algerischen Behörden weigern sich, ihm ein neues Personaldokument auszustellen. „Die Botschaft sagt, wir haben genug eigene Probleme in unserem Land“, schilderte Nitz das Dilemma.

Diebesgut im Schließfach

Die fünf Diebstähle, die der Angeklagte gegenüber Amtsrichterin Alena Fischer einräumte, darf man getrost als dreist bezeichnen. Elf Tage nach Verbüßung einer achtmonatigen Haftstrafe, am 22. Mai dieses Jahres, ging M. in mehreren Zügen zwischen Hamburg und Hannover auf Diebestour. Zunächst entwendete er drei Schlafenden in einem ICE (Abfahrt 0.45 Uhr) eine Tasche mit Laptop, einen Rucksack mit Tablet, Handy, Festplatte und Kopfhörern sowie einen Rucksack mit Geldbörse und Mobiltelefon. Diese Gegenstände deponierte er im hannoverschen Hauptbahnhof in einem Schließfach. Um 4.24 Uhr stieg der Algerier in einen ICE in Gegenrichtung; als er versuchte, einer Reisenden ihren Rucksack mit Laptop, Handy und Geldbörsen zu stehlen, wurde er ertappt.

Doch die Bundespolizei, die M. am Hamburger Hauptbahnhof in Empfang nahm, ließ ihn nach Feststellung seiner Personalien wieder laufen. So stieg der Algerier wieder in einen ICE Richtung Hannover (Abfahrt 7.27 Uhr) und riss sich erneut Dinge, die ihm nicht gehörten, unter den Nagel: eine Reisetasche mit Laptop, zwei Mobiltelefonen und diversen anderen Utensilien im Wert von 2500 Euro. Dieses Mal war es ein aufmerksamer Zugbegleiter, der M. auf die Schliche kam. Am hannoverschen Hauptbahnhof wurde der Algerier festgenommen, sitzt seither in Haft. Später wurden Videoaufnahmen aus dem Schließfachbereich ausgewertet, die M. beim Deponieren des Diebesguts zeigen; schlussendlich bekamen alle bestohlenen Fahrgäste ihre Wertsachen zurück.

Entziehungskur abgelehnt

Ein psychiatrischer Sachverständiger beschrieb den Angeklagten, der schon viele Jahre Cannabis und Kokain konsumiert, als phasenweise spielsüchtig, depressiv, leicht reizbar. Dies hänge natürlich auch mit der Ausweglosigkeit seiner Situation als abgelehnter Asylbewerber zusammen, der in Deutschland keine Arbeitserlaubnis bekomme. Verteidiger Nitz teilte die Ratlosigkeit des Gutachters: „Ich empfinde das Ganze als äußerst frustrierend, was soll man mit so einem Menschen ohne jegliche Perspektive machen?“ Alle Verfahrensbeteiligten waren sich einig, dass eine Entziehungskur derzeit die sinnvollste Maßnahme sei. Doch verweigert der Betroffene eine Unterbringung im Maßregelvollzug, wahrscheinlich, weil eine solche stationäre Therapie zwei Jahre dauern könnte. So muss er nun stattdessen für gut ein Jahr in Haft.

Von Michael Zgoll

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