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Hannover 16-Jährige findet seit drei Monaten keinen Schulplatz
Nachrichten Hannover 16-Jährige findet seit drei Monaten keinen Schulplatz
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00:15 20.04.2019
Das lange Warten: Vater Erkan (Name geändert) sucht seit Ende Januar einen Schulplatz für seine Tochter Mara (Name geändert). Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Mara (Name geändert) ist 16 und eigentlich schulpflichtig, trotzdem geht sie nicht zur Schule, sondern sitzt seit drei Monaten in Hannover zu Hause. Die Stadt und die Landesschulbehörde haben es seit Ende Januar nicht geschafft, ihr einen Schulplatz im achten Jahrgang an einer Gesamt-, Ober- oder Realschule zu vermitteln. Auch die Anfragen der Familie selbst bei den Schulen blieben ohne Erfolg, es gab nur Absagen.

„Ich verstehe das nicht“, sagt ihr Vater Erkan (Name geändert), „Kinder müssen doch zur Schule gehen.“ Er lebt getrennt von seiner Frau. Mara hatte zuvor bei ihrer Mutter gewohnt, erst in Hamburg, dann in Hessen. Doch jetzt ist Mara zu ihrem Vater nach Hannover gezogen.

Im Februar war der Vater zum ersten Mal bei der Stadt. Wegen der Schulwechsel und des versäumten Unterrichtsstoffs empfahl man der Familie, Mara in eine achte Klasse einzuschulen. Aber die ausgewählte Schule lehnte die Aufnahme der 16-Jährigen ab.

Das Bildungsbüro der Stadt bat die Landesschulbehörde um Hilfe bei der Schulplatzsuche. Die zieht sich seitdem hin. Anfang April wurde der Familie in Aussicht gestellt, dass man möglicherweise nach den Osterferien Ende des Monats für Mara einen Platz an einer Ober- oder Realschule hätte. Immerhin. Doch konkrete Zusagen gibt es noch nicht. Das Warten geht weiter.

Stadt bittet Landesschulbehörde um Hilfe

„Die erste Woche war es ja noch ganz cool, nicht zur Schule zu gehen“, sagt die 16-Jährige, „aber jetzt ist es richtig langweilig.“ Am liebsten würde sie zu einer Integrierten Gesamtschule gehen, die auch von ihren Freundinnen besucht wird. „Die Schule ist vernünftig, da gibt es kein Mobbing und so.“

Aber dort gibt es nach Auskunft der Stadt auch keinen Platz für Mara. Um weitere Schulwechsel zu vermeiden, suche man mit der Landesschulbehörde nach einem Schulplatz, teilt eine Stadtsprecherin mit. Und vonseiten der Landesschulbehörde in Lüneburg heißt es: „Wir unterstützen die Stadt bei Anfragen mit allen Kräften. Wir fragen immer wieder bei den Schulen nach Schulplätzen und haben bereits häufig Schüler zugewiesen, auch wenn das jedes Mal eine Überbelegung in dem jeweiligen Jahrgang bedeutete. Eine wiederholte Zuweisung über die maximale Klassenfrequenz ist pädagogisch, eben auch im Sinne der Kinder, auf Dauer aber nicht vertretbar.“

Das bedeutet: Aus Sicht von Stadt und Landesschulbehörde ist es pädagogisch besser, wenn eine Schülerin gar nicht als in einer zu vollen Klasse unterrichtet wird.

Hannover braucht eine neue Gesamt- oder Realschule

Schon seit Monaten mahnen Leiter von Gesamt- und Realschulen an, dass sie in den Klassen sieben bis neun übervoll sind. Während in der 5. Klassen vor allem die Gymnasien überbucht sind, ändert sich das in den höheren Jahrgängen, auch weil Schüler an den Gymnasien scheitern und auf andere Schulformen wechseln. Im vergangenen Schuljahr gab es rund 300 Schulformwechsler in der Stadt.

Auch die Landesschulbehörde weiß um das Problem. Sprecherin Bianca Schöneich sagt: „Grundsätzlich ist es Aufgabe des Schulträgers, ausreichend Schulplätze zur Verfügung zu stellen. Die Situation in Hannover gestaltet sich allerdings derart, dass in den meisten Jahrgängen der Oberschulen und Gesamtschulen, zunehmend auch in den Realschulen, besonders in Klasse sechs bis acht, keine Plätze vorhanden sind, beziehungsweise die Schulen sogar überbelegt sind.“

Im Schulausschuss hat Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski auf das Problem hingewiesen. Nach dem 18. Gymnasium braucht Hannover unbedingt noch eine weiterführende Schule. Um das Wahlverhalten der Eltern abzubilden, bräuchte man eigentlich eine Schule, die in Jahrgang fünf und sechs ein Gymnasium ist und später zur Gesamt- oder Realschule wird.

Von Saskia Döhner

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